Die Samstags-Kolumne: Steht uns das große Sterben bevor?

Kolumne von Jenny Bombeck

Die Autorin schreibt seit sieben Jahren beim Metal Mirror und ist stellvertretende Herausgeberin des Magazins.

Das neue Jahr hat noch nicht richtig begonnen und schon ereilen uns die ersten Meldungen, die uns jedes Mal einen Schrecken einjagen. Dabei durfte sich die Metal-Gemeinde im vergangenen Jahr über eine Elefanten-Reunion freuen: Black Sabbath sind in der Originalbesetzung zurück. Nicht nur eingefleischte Sabbath-Fans verdrücken das ein oder andere Freudentränchen, als sie die Nachricht lesen durften. Denn jeder, der nur ansatzweise Metal mag, hat die Chance, ein Urgestein noch einmal live auf der Bühne zu sehen. Die Festivalsaison wird dadurch noch um einiges attraktiver.

Leider ist die pure Freude von nicht allzu langer Dauer, denn die Nachricht über Tony Iommis Krebserkrankung folgt auf dem Fuße. Das Glücksgefühl ist getrübt und man fragt sich: Welchen Einfluss hat die Krankheit auf die geplante Reunion? Glücklicherweise wurde der Krebs rechtzeitig entdeckt. Jedoch führen mich solche Meldungen immer wieder zu der essentiellen Frage: Steht uns das große Sterben bevor?

Ist das Metal-Genre gar eine gefährdete Spezies, das in der Belanglosigkeit endet?

Was passiert, wenn die großen Helden des Metals, die ausschlaggebend unser Genre geprägt haben, nicht mehr da sind?

Uns allen steckt noch der Tod von Ronnie James Dio in den Knochen und seitdem hat man das Gefühl, dass die schwarze Binde nicht vom täglichen Geschehen verschwinden will. Man wird nicht jünger und da bis dato noch kein Jungbrunnen gefunden wurde, fällt für uns alle irgendwann der finale Vorhang. Die großen Stars unseres geliebten Genres haben zum größten Teil ein bestimmtes Alter erreicht, in dem man mit allem rechnen muss. Ich frage mich nur: Gibt es überhaupt noch Bands, die es vermögen, in die Fußstapfen von Black Sabbath und AC/DC zu treten? Diese Fußstapfen scheinen gigantisch. Und welche Band schafft es heutzutage noch, nicht nur ein Genre, sondern auch Generationen zu prägen und ein bestimmtes Lebensgefühl zu kreieren? Gibt es noch Bands, die Kultstatus zu ihren Lebzeiten erreichen? Kann man Nightwish, HammerFall oder As I Lay Dying auf ein Podest mit den Urgesteinen stellen. Diese sind immerhin sehr erfolgreich.

Heutzutage will zudem jede frische Band am liebsten ein Subgenre komplett neu erfinden. Damit glauben sie, ihren zukünftigen Erfolg sichern zu können. Oft endet dieses Vorhaben leider in Lächerlichkeit. Ich bin sehr gespannt darauf, wie unsere Musikszene in ein oder zwei Jahrzehnten aussehen wird. Vielleicht habe ich mich auch geirrt und die Großen sterben dank ehrwürdiger Nachfolger nicht aus. Bands wie Edguy und Volbeat entern den Olymp und gesellen sich zu Black Sabbath. Aber vielleicht müssen wir uns um dieses Problem im Dezember auch keine Gedanken mehr machen, wenn die Mayas recht haben. Aber so lange gebe ich die Hoffnung nicht auf, denn glücklicherweise gibt es viele gute Bands mit Potenzial. Doch reicht das aus?

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