Die Samstags-Kolumne: Eine Seefahrt, ist die Metal?

Kolumne von Alex "Skandor" Kreit

Der Kolumnist: Alex "Skandor" Kreit ist als Musiker und DJ im Metal-, Rock-, Gothic- und Mittelalter-Sektor tätig.

Verschiedene Metal-Mirror-Redakteure äußern sich in den jüngsten Kolumnen mit einhelliger Zerrissenheit: Festivals und Großkonzerte sind anstrengend, teuer und teilweise ernüchternd. Dennoch gehen wir immer wieder hin. Nicht nur, weil wir’s können oder müssen, denn Spaß macht’s ja doch irgendwie. Ein Hauch von Masochismus umweht die Ambivalenz zwischen Erholung und Tortur. Mit gesteigertem Alter wird dies so manchem (Ausnahmen bestätigen die Regel) zuviel und nicht wenige Ü30-90er neigen dazu, lieber in die “Früher-war-alles-besser”-Lethargie zu verfallen und mit dem Arsch auf dem Sofa kleben zu bleiben. Für nicht nur diese Zielgruppe gibt es nun seit ziemlich genau einem Jahr die Marktlücke schlechterdings: die Metal-Kreuzfahrt. Ab schlappe 666 Euro aufwärts – die noch viel teureren Flugkosten natürlich noch nicht inklusive! – kann der geneigte Frührentner gleichzeitig “Urlaub” in einem muffigen Innenkabinen-Massenlager machen und die Freuden von Livekonzerten in übersichtlicher Runde, direkt aus der Poolbar genießen. Als besonderes Schmankerl sitzt man auch noch mit den Stars im selben Boot und kann bei jeder sich bietenden Gelegenheit zusammen mit Guitar-Hero Lumppii Hyännen (oder anderen Star nach Wahl hier einfügen) beim Frühstücksbuffet in die Smartphone-Kamera grinsen. Die Ehrfurcht der daheimgebliebenen Facebook-Freunde sei schließlich in virtuellen Stein gemeißelt. Dafür lässt man dann als Geringverdienender auch gerne seinen Jahresurlaub nebst gesamter Ersparnisse sausen und verschuldet sich womöglich sogar freudig, nur um dabei gewesen zu sein.

Die existentielle Frage “Ist das Metal?” stellen natürlich nur Neider und Missgönner. Aber unter uns Kirchenbrand… äh… …brüdern: Selbst wenn man die in tropischer Hitze entstehenden Körpersäfte nicht so gerne als “ehrlichen Festivalschweiß” interpretieren möchte – das selige “Traumschiff ohne Sascha Hehn und stattdessen mit Lemmy hätten wir doch schon alle irgendwie geil gefunden, oder?

In diesem Sinne macht das, trotz zeitgleich stattfindender Katastrophe um die Costa Cadaver, wiederholt ausverkaufte Konzept gewaltig Schule. So sehr, dass schon der erste Spezialdampfer im Auslaufdock wartet: Die “Barge To Hell”, die welterste Butterfahrt mit ausschließlich “extremen” Metal-Themen von Schwedentod bis Teufelsblei. Und da wird selbst der Verfasser dieser Zeilen schwach. Wir sehen uns irgendwo da draußen!

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