Die Samstags-Kolumne: Same procedure as every friday, Mister DJ!

Kolumne von Jenny Bombeck

Die Autorin schreibt seit sieben Jahren beim Metal Mirror und ist stellvertretende Herausgeberin des Magazins.

Eigentlich ist es an sich schon schwer genug, einen geeigneten Club für das Rock- und Metallerherz zu finden, in dem man sich am Wochenende die Seele aus dem Leib tanzen kann. Hat man schließlich einen gefunden, der einem zusagt und der eine gesunde Mischung Rock Classics und Metal-Helden bietet, mutiert man schnell zum Stammgast.

Während man zu Beginn noch höchst euphorisch zu Evergreens wie Guns’n’Roses’ „Paradise City“ oder Black Sabbaths „Paranoid“ abgeht, lässt dieses Gefühl nach ein paar Wochen etwas nach. Dieses Gefühl wie beim ersten Mal beziehungsweise Besuch wird man mit der Zeit nur noch selten empfinden. Dieses Gefühl, als man die ach so geliebten Songs endlich in der Öffentlichkeit auf voller Lautstärke hört und jede Textzeile lautstark und wie in Trance mitsingt. Dieses Gefühl ist unbeschreiblich und doch so vergänglich.

Mit jedem weiteren Besuch des Rockclubs schwindet diese musikalische Ekstase und Gewohnheit kommt an das Nachtlicht. Wie konnte das passieren? Warum schütten KISS mit „I Was Made For Loving You“ keine Tonnen an Glücksendorphinen mehr aus?

Wenn man einen Schuldigen suchen möchte, so könnte man den DJ an den Pranger stellen. Denn diese haben die Eigenschaft, die immer gleichen Songs von den immer gleichen Bands zu spielen. Nach einiger Zeit kann sogar das geschulte Stammgast-Ohr die Playlist voraussagen: Nach den Ärzten folgen stets die Toten Hosen und nach Limp Bizkit folgen Linkin Park. Natürlich mit dem Song „In The End“. The Doors haben ein ganzes Repertoire an großartigen Songs. Doch was wird jeden Freitag gespielt? Natürlich „Break On Through“!

Da wünscht man sich die ein oder andere Abwechslung, jedoch wird diese sich meist vergeblich gewünscht. Es sei denn man penetriert den Discjockey solange, bis er genervt aufgibt oder man ist per Du und kennt sich.

Woran liegt das? Die wahren Musikliebhaber sind doch in ihrer Freizeit unaufhaltsam auf der Suche nach neuen Songs und musikalischen Entdeckungen. Diese Vorliebe scheint wie weggefegt, wenn es ums Feiern und Spaß haben geht. Plötzlich mutiert man zum Spießer und will seine seit Jahrzehnten heißgeliebten Evergreens hören und wehe es kommt etwas anderes auf den Tisch. Die Partymeute will schließlich auch noch im Bierbenebelten Zustand die Lieblinge lautstark wie im Schlaf mitgröhlen können.

Das Risiko, dass die Tanzfläche leer bleibt, wenn man neue und ungewöhnliche Songs spielt, ist einfach zu groß.

Und auch wenn Mötley Crües „Girls Girls Girls“ zum hundertsten Mal gespielt wird, werde ich trotzdem auf der Tanzfläche stehen. Auch wenn das unbeschreibliche Gefühl nicht mehr so doll kribbelt. Dies ist wohl das Schicksal eines Stammgastes.

In dem Sinne: Party On Wayne!

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