Interview – Backyard Babies

Interview mit Backyard Babies | Dregen

Urlaub von Sex, Drugs und Rock’n'Roll

Sie sind Skandinaviens große Rockstars, Schwedens Antwort auf Guns N‘ Roses und Mötley Crüe, ein rockig-rotziges Chartswunder. In ihrer Heimat haben die Backyard Babies längst Starstatus – einen Freifahrtsschein, den sie sich erarbeitet haben, indem sie stets nur auf ihr Bauchgefühl achteten, alles auf eine Karte setzten und sich selbst und ihrem an die Straße gebundenen Lebensstil treu blieben. 20 Jahre später mag Dregen, Gitarrist und Sprachrohr der Band, zwar behaupten, dass die vier Jungs erwachsener geworden sind, ruhiger geht es dennoch nicht zu.

Text: Dorian Gorr | Fotos: Backyard Babies

Erst einmal heißt es aufatmen: Die missverständlich formulierte Pressemitteilung, dass die Backyard Babies vorerst auf Eis liegen würden, entpuppt sich als Übersetzungsfehler, wie Dregen binnen weniger Sekunden klar stellt, als er hört, dass ein Journalist aus Deutschland am Telefon ist.

„Scheinbar kam das in der deutschen Pressemitteilung nicht so herüber, wie es gedacht war. Viele deutsche Journalisten riefen mich an, um nachzufragen, warum wir die Band auf Eis legen würden“, berichtet Dregen und fügt mit einem heiseren Lachen hinterher: „Ich werte es aber einmal als positives Zeichen, dass so viel Wirbel darum gemacht wird und die Leute einem bekunden, dass sie es wirklich schade finden würden, wenn es uns nicht mehr geben würde.“

Puh. Noch einmal Glück gehabt. Denn nach dem selbstbetitelten Album im Jahre 2008 wäre es mehr als schade gewesen, wenn Schwedens größte Rockband nicht noch einmal versuchen würde, nachzulegen. Der eigentliche Plan der Backyard Babies ist gar nicht so spektakulär: Die Band wird Urlaub machen. Mindestens sechs Monate, gegebenenfalls sogar ein Jahr werden sich die vier Musiker eine, wie Dregen betont, „wohlverdiente Pause“ gönnen.

„Wir sind seit einer Ewigkeit unterwegs. Während der vergangenen vier Alben haben wir nichts anderes gemacht, als ins Studio zu gehen, aufzunehmen, direkt durch die ganze Welt zu touren, unterwegs Songs zu schreiben, um anschließend wieder ins Studio zu gehen, um den Kreislauf erneut zu starten.“

Das Motörhead-Tempo

Grund dafür, dass die Band nun auch einmal eine Auszeit von dem Leben auf der Straße benötigt, sei vor allem die Tatsache, dass mehrere Bandmitglieder mittlerweile verheiratet seien und teilweise sogar schon Kinder haben.

„Ich muss gestehen, dass ich wirklich nicht der Typ bin, der Urlaub braucht. Ich stehe auf das Motörhead-Tempo und bin gerne durchgehend auf Tour. Aber Nicke, unser Sänger, hat das Touren derzeit satt. Er hat mittlerweile eine kleine Tochter und möchte natürlich auch Zeit mit ihr verbringen. Die Backyard Babies sind ein Team und in einem solchen Team müssen die Mitglieder aufeinander achten und Rücksicht nehmen. Deswegen legen wir diese Pause ein, füllen die kreativen Akkus wieder auf, um dann mit Vollgas durchzustarten“, erklärt Dregen die Entscheidung der Band.

Anschließend soll ein weiteres Album der Backyard Babies entstehen, denn Dregen hat das Gefühl, dass die Band noch lange nicht ihren großen Klassiker geschrieben hat.

„Meiner Meinung nach befinden wir uns erst auf der Mitte unserer Karriere, wir reden trotz 20-jährigem Jubiläum noch lange nicht vom Ende. Wir wollen die Backyard Babies aufs nächste Level hieven und sind uns alle sicher, dass da noch einiges geht. Das nächste Album wird definitiv das wichtigste in unserer Karriere“, schallt es selbstbewusst aus dem Hörer.

Bis es soweit ist, gibt es jedoch mit dem Jubiläumspaket reichlich Material, um die Wartezeit zu überbrücken. „Them XX“ heißt das Boxset, das eine Best-Of-Scheibe, zwei CDs voll mit Raritäten, eine Dokumentation über die Band sowie ein 120-seitiges Fotobuch beinhaltet. Der Rundumschlag zum zwanzigsten Geburtstag quasi.
Dass die Band eine so lange Zeit überlebt hat, ist selbst für Dregen ein Wunder, vor allem, wenn man den Lebensstil der Mitglieder im Hinterkopf behält. Ein Kapitel, das er allerdings mittlerweile differenzierter betrachtet.

„Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Ich bereue nichts. Wir haben eigentlich alles erlebt, was man in diesem Business an Sex, Drugs und Rock‘n‘Roll erleben kann. Aber irgendwann langweilt es einen. Als wir die Band gründeten, waren wir 15 und träumten vom großen Leben als Rockstars. Wir standen immer nahe am Abgrund und eigentlich ging es in den Anfangstagen nur darum, möglichst viele Partys zu feiern und viel zu trinken. Aber seit rund acht Jahren haben wir den Fokus zunehmend verschoben. Klar, hier und da schmeißen wir nach wie vor gerne eine nette Party, aber unser Hauptaugenmerk ist nun die Musik“, klingt es ungewohnt streng von dem Rock‘n‘Roller.

Die heutige Glorifizierung seitens Bands wie Mötley Crüe findet er hingegen eher peinlich.

„Wenn ich mir „The Dirt“ durchlese, dann bezweifel ich, dass sich das alles so zugetragen hat. Es ist amerikanisiert, glorifiziert, soll provozieren und schocken, aber deswegen wurde es auch total übertrieben“, ist sich der Rocker mit der schwarzen Strähnenfrisur sicher. „Ich glaube nicht, dass die Band wirklich so wild war, wie sie immer behaupten. Wenn Nikki Sixx und Tommy Lee uns in unseren Anfangstagen getroffen hätten, ich wette, sie hätten sich vor uns gefürchtet.“

www.backyardbabies.net

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