CD-Review: Taake – Over Bjoergvin Graater Himmerik (Re-Release)

Black Metal

TAAKE
Over Bjoergvin Graater Himmerik
7 Songs (39:05) / erschienen bei Peaceville

Norwegischer Black Metal einmal mehr auf dem Thron: Dass ein Sangesküntler wie Shagrath diesem Album seine Stimme leiht, ist letztlich ein glücklicher Zufall, denn „The Underworld Regime“ war eigentlich noch als Album von God Seed, der gemeinsamen Band von King und Gaahl, geplant. Nachdem Gaahl seinen endgültigen Rückzug aus der Heavy-Metal-Welt verkündete, legte Songschreiber King das Material erst einmal in die Schublade. Ob das Album noch einer Schönheitskorrektur unterzogen wurde oder auch in diesem Stile unter dem Namen God Seed veröffentlicht worden wäre, lässt sich wohl nur mutmaßen, Fakt ist jedoch: Entgegen der vielen „Ausverkauf“-Schreier, die aufgrund Shagraths Beteiligung ein plastisches, vollkommen eintöniges Album erwarten, hat es Ov Hells Debüt ganz schön in sich, eine Erkenntnis zu der man aber erst nach einigen Durchläufen gelangen wird. Anfangs hatte ich auch das Gefühl, etwas Aufgewärmtes zu hören, doch nach und nach erschloss sich mir die ganze Breite an Songs, die sich auf „The Underworld Regime“ versammelt hat. Und die Vielfalt ist faszinierend: Während „Devil‘s Harlot“ mit seinem technisch-modernem Riffing noch abschrecken oder zumindest nur die Fans der jüngsten King-und-Gaahl-Alben überzeugen mag, entfaltet das Duo auf den folgenden Tracks eine unglaublich majestätische Atmosphäre. „Ghosting“ dümpelt willensstark im Mitteltempo vor sich hin und erweckt Szenen norwegischer Landschaften vor dem inneren Auge zum Leben.
Ausschlaggebend ist dabei stets die unverkennbare Stimme von Shagrath, der mal maschinell verzerrt, mal mit geballter, hasserfüllter Kraft erklingt und zuweilen sogar überraschend klar und besessen erscheint („Perpetual Night“), fast so, als wolle er, dass ein bestimmtes Gaahl-Element in der Musik nicht verloren geht. Ob das Album mit Gaahl genau so überzeugend ausgefallen wäre, bleibt wohl leider spekulativ, an der Qualität von „The Underworld Regime“ gibt es jedoch nichts zu rütteln. Wenn sich die fähigsten Musiker des Genres zusammentun, kommt scheinbar zwangsläufig eine tolle Scheibe heraus, ganz egal, was die Fraktion der Pseudo-Elite dazu sagt.
9 / 10 (Dorian Gorr)

Hinterlasse einen Kommentar