Artikelserie: “Heavy Metal Locations” – Papidou’x

Artikelserie "Heavy Metal Locations": Papidoux

Wo Lemmy sein Bier trinkt

Nach dem in der Artikelserie „Heavy Metal Locations“ bereits das Helvete und das Turock porträtiert wurden, stellen wir diesmal einen Laden vor, in dem keine Bands spielen, die Stimmung aber umso ausgelassener ist. Nicht ohne Grund hat das PAPIDOU‘X Fans in ganz Deutschland und lockt sogar Motörhead-Chef Lemmy an den Tresen.

Text: Jenny Bombeck
Fotos: Dorian Gorr

Die Altstadt ist das pulsierende Herz Düsseldorfs. Nicht nur am Wochenende drängen sich die feierwütigen Massen durch die engen Gassen zu den vielen Pubs, Bars und Tanzclubs. Wer einmal dort gewesen ist, kann bestätigen, dass hier nicht nur an Karneval die Stimmung an ihrem Siedepunkt ist. Ein wenig abseits, am Rande dieser Party-Hochburg, befindet sich eine von außen unscheinbar wirkende Lokalität namens Papidou‘x. Hinter dem französischen Namen versteckt sich ein angesagter Treffpunkt für Hard-Rock- und Metal-Fans.

EINST EIN BISTRO

Der Laden hat nicht nur durch den eigenwilligen Namen seinen ganz eigenen Charme, auch die Einrichtung versprüht einen Hauch von Gemütlichkeit und einfacherer Kneipenatmosphäre: Die Holztische haben ihre besten Zeiten schon hinter sich, wirken aber zusammen mit den tiefroten Polstersitzbänken aus Leder einladend. Auch die Wände sind dunkelrot gestrichen und an einer Ecke ist ein Kamin angedeutet. Nur die Totenkopfleinwand lässt vermuten, dass hier keine französischen Chansons gespielt werden, sondern verteufelte Musik zur Tagesordnung gehört. Wer sich jetzt fragt, wie man einen Metal-Laden nur so ungewöhnlich taufen kann, für den gibt es eine simple Erklärung: Besitzer Klaus hat den Namen vom Vorgänger übernommen. Papidou‘x bedeutet ‚Liebes Väterchen‘ und war vorher ein Bistro. Und vielleicht ist es gerade das Unkonventionelle, das das Papidou‘x so beliebt macht, dass Leute aus der gesamten Bundesrepublik den Weg zu Düsseldorfs einziger Metal-Kneipe finden. Als kleines Gimmick werden auf einem Fernseher Fotos abgespielt, die beweisen, wie gut und ausgelassen die Stimmung in der Kneipe regelmäßig ist. Da tanzen die Besucher auf den Tischen, andere lassen sich in ihren Papidou‘x-Shirts vor Pyramiden und der Freiheitsstatue ablichten und einige Schnappschüsse später taucht plötzlich ganz unerwartet Lemmy Kilmister von Motörhead auf. Und ja, man hat ganz richtig gesehen: er und Mikkey Dee trinken das ein oder andere Mal ganz gerne ihr Feierabend-Bierchen im Papidou‘x, wenn sie in der Düsseldorfer Philipshalle aufgetreten sind. Klar, dass dieser ehrenwerte Besuch des Altmeisters die Runde gemacht hat und unter anderem für den guten Ruf der Kneipe verantwortlich ist. Doch den Hauptteil trägt Besitzer Klaus Jantz dazu bei, der seit Juni 1986 der Besitzer der Kneipe ist. Auf 24 Jahre Kneipengeschichte kann er mittlerweile zurückblicken und hat quasi die Entwicklung der Metal-Szene am eigenen Leib mitbekommen. So plaudert er gemütlich bei einem Bierchen aus dem Nähkästchen: „Früher waren wir eine reine Hard-Rock-Kneipe und haben jede Menge Iron Maiden und Judas Priest gespielt. Mittlerweile geht es aber doch eher in Richtung Metal.“ Mitarbeiter Rocco, der im Laden das Mädchen für alles ist, fügt hinzu: „Wir haben keine Genre-Grenzen, da wir auch ein sehr gemischtes Publikum haben. Für Black-und Death Metal haben wir unseren speziellen Dienstag und am Wochenende wird wirklich alles gespielt.“

Das Besondere an dieser Metal-Institution ist auch, dass sie wochentags geöffnet hat. Nur Sonntag und Montag herrscht Ruhe in der Liefergasse. Ansonsten wird immer lustig weitergefeiert und Alt aus dem Fass ausgeschenkt sowie diverse Flaschenbiersorten verkauft. Um den Laden über solch einen langen Zeitraum am Laufen halten zu können, steckt Klaus immer noch viel Herzblut hinein. Der selbsternannte Workaholic hat noch neben der Kneipe einen regulären Job als Verwaltungsleiter in zwei Altenheimeinrichtungen.

„In mir steckt dennoch immer noch ein Rocker. Und gerade diese Leidenschaft für das alte Genre lässt mich auch noch heute das Papidou‘x weiterführen. Selbst im Auto drehe ich noch die Musik so richtig auf “, erzählt Klaus.

HIP HOPPER, ANWÄLTE, METAL!

Die Kneipe übernahm er damals von einem Freund, um ihm auszuhelfen. Ohne sein professionelles Personal würde er es aber gar nicht zeitlich schaffen, seinen Laden, der eine Nichtraucherkneipe ist, ordentlich zu führen. Trotzdem hat er als Chef natürlich immer noch die letzte Entscheidungsgewalt und ist auch täglich in seinem Laden anzutreffen.

Um die zahlenden Gäste auch unter der Woche ins Lokal zu locken, hat sich Klaus ein paar spezielle Angebote ausgedacht: Mittwoch und Donnerstag gibt es spezielle Bierangebote und der Dienstag ist der sogenannte Blackie-Abend. Und dank des guten Standortes scheinen sich die Öffnungszeiten unter der Woche zu lohnen, auch wenn natürlich das Wochenende am meisten einbringt. Da kann es dann schon einmal passieren, dass sich eine Anwaltskanzlei im Papidou‘x einfindet und die Sekretärin alles zahlen lässt. So erzählt Rocco: „Es kann sogar passieren, dass Hip Hopper zu uns in den Laden kommen, um zu feiern. Die erzählen dann, dass sie zwar die Musik nicht mögen, aber gehört haben, dass die Stimmung so einmalig sei, dass sie diese mal live erleben wollten.“
Das Papidou‘x hat sogar einen Nürnberger-Fanclub, der sich vorher anmeldet, damit genügend Alkohol im Haus ist, wenn sie angereist kommen. Und dann wird das gesamte Wochenende durchgefeiert. Immerhin ist Klaus‘ Kneipe auch die letzte Metal-Lokalität in Düsseldorf. Und Klaus war auch der Erste in der Altstadt, der Musik vom Rechner abspielte. „Das war eine krasse Aktion. Wir haben tagelang Alben auf den Rechner gespielt bis endlich mal eine sehenswerte Sammlung zusammenkam. Heute läuft das alles zum Glück über ein sehr komfortables DJ-Programm“.

Der Metal-Treffpunkt hat eher eine beschauliche Größe, deshalb sind Live-Gigs nahezu unmöglich, auch wenn das in der Vergangenheit schon ausprobiert wurde. So musste Midwinter-Sänger Mordan auf dem Tresen singen, damit ein Konzert gespielt werden konnte. Aber auch das war nicht schlimm, denn das Papidou‘x ist ein Unikat, in dem schon seit zwanzig Jahren nichts mehr geändert wurde und in dem sich wie gesagt sogar Lemmy wohlfühlt. Aber auch andere Musiker haben schon im ‚Lieben Väterchen‘ gefeiert. So verrät Klaus: „In den Achtziger-Jahren saß auch Udo Dirkschneider bei uns und hat Skat gezockt. Das werde ich nie vergessen. Doro war bei uns mit einem Interviewpartner vom Express und auf die Frage was sie mit fünf Mark machen würde, hat sie geantwortet, dass sie damit ins Papidou‘x gehen würde. In den Achtziger Jahren war hier echt viel los, was das anbelangt. Eine große schwedische Band zum Beispiel wollte damals nach ihrem Konzert in der Philipshalle bei uns mit ihrem ganzen Gefolge Party machen. Aber leider gab es zu dieser Zeit noch eine Sperrstunde und so musste das Licht ausgemacht werden und es konnte bis zum nächsten Morgen nur heimlich durchgefeiert werden. Das war eine lustige Angelegenheit. Schade ist nur, dass mir nicht mehr der Name der Band einfallen will.“ Auch Rocco könnte stundenlang lustige Anekdoten erzählen: „Auf Geburtstagsfeiern wird öfter auf dem Tresen getanzt. Während des Song-Contests mit Lordi gab es sogar Crowdsurfer und Headbanger auf dem Kicker.“
Im Papidou‘x ist eben einfach alles möglich.

www.papidoux.com