Interview: Kyuss Lives! – “Heiligt der Zweck die Mittel?!”

Kyuss Lives! Interview mit John Garcia

Heiligt der Zweck die Mittel?

Nach der überaus erfolgreichen Tour mit Garcia Plays Kyuss war es abzusehen, dass John Garcia es dabei nicht belassen würde. KYUSS LIVES! heißt die neue Spin-Off-Band, die Anfang 2011 durch Europa touren wird. John zu erreichen gestaltet sich als Hürdenlauf. Beim Erstversuch wirkt er verwirrt und legt nach einer Minute einfach auf, um danach nicht mehr heranzugehen. „Schlechte Verbindung“ ließ er noch nuschelnd verlauten. Eine Woche später ist er jedoch besser drauf. John steht gerade im Proberaum. „Kannst du kurz dranbleiben? Ich will nur noch einmal den Refrain probieren.“ Ohrenbetäubender Lärm. Zwei Minuten später kommt John wieder ans Telefon. „Hey, bist du noch da?“ Das Interview kann starten. John Garcia offenbart im Gespräch die nicht ganz uneigennützigen Gründe für die Reinkarnation der Stoner-Legende.

Interview: Dorian Gorr
Fotos: Alex Solca Photography

John, lass uns zu Beginn einige Jahre zurückspringen. 14 Jahre ist es her, dass sich Kyuss augelöst haben. Rückblickend: Was waren die Gründe für den Split?
Nun, darüber habe ich nie wirklich gesprochen. Ich möchte mich da eigentlich nicht zu äußern. Das geht einfach nicht. Alles was ich sagen kann: Eines Tages saßen Josh (Homme, Gitarrist bei Kyuss, heute sehr erfolgreich mit Queens Of The Stone Age unterwegs – dg) und ich in einer kleinen Bar in Palm Deserts. Die Bar heißt „The Red Bar“. Wir orderten beide einen Drink, setzten uns hin, unterhielten uns und fünf Minuten später war die Band Geschichte und wir beide prosteten uns auf die gute alte Zeit zu. Das ist alles, was ich dazu sagen werde. Es war einfach an der Zeit. Es war Zeit, dass sich unsere Wege trennten.

Und jetzt ist es Zeit, Kyuss wieder aus der Versenkung zu holen, wenn auch ohne Josh Homme?
Es ist an der Zeit… warte… lass mich anders anfangen. Was jeder verstehen sollte: Ich mache diese Sache nur, um mein Soloalbum „Garcia Vs. Garcia“ zu promoten. Ich war lange draußen, hatte nur noch wenig mit Musik zu tun und muss nun zur Musik zurückfinden. Und Kyuss helfen mir dabei.

Also geschieht diese Reunion nur aus Promotion-Gründen?
Das ist korrekt.

Du benutzt also den Ruf von Kyuss, um deine Solokarriere in Schwung zu bringen. Glaubst du, die Fans von Kyuss werden das verstehen?
Das ist ein großartiges Sprungbrett für „Garcia Vs. Garcia“. Ich war lange kein Teil der Musikindustrie, mal abgesehen von einzelnen Projekten, aber ich möchte wieder mehr. Ich möchte wieder Vollzeitmusiker werden. Und dabei werden mir Kyuss helfen. Es ist wie damals, als Josh kurz nach dem Kyuss-Split eine EP mit seiner neuen Band Queens Of The Stone Age herausbrachte. Er fragte mich, ob es okay sei, wenn er ein paar Kyuss-Songs draufpacken würde. Kyuss waren damals riesig, Queens Of The Stone Age kannte keiner. Die Leute kauften die Split-EP wegen Kyuss und wurden auf Joshs neue Band aufmerksam. Das half ihm enorm. Ich mache exakt das gleiche, nur eben nicht mit einer CD, sondern mit Live-Shows.

Da wird es aber doch bestimmt etliche kritische Stimmen geben von Fans, die es nicht cool finden, wenn ihre einstige Lieblingsband als Marketinginstrument benutzt wird…
Ja klar. Ich kann das verstehen. Das ist ihr gutes Recht. Sie dürfen ihre Meinung sagen, nicht mit mir und meinen Taten übereinstimmen. Ich respektiere das und werde mich da bestimmt nicht auf einen Streit einlassen. Wenn die Leute die Show nicht besuchen wollen, dann bitte. Für mich macht das keinen Unterschied. Aber die Leute, die nie die Gelegenheit hatten, uns zu sehen, bekommen  dadurch noch einmal die Chance. Näher an die originalen Kyuss wird keine Band mehr herankommen. Nehmt es als das was es ist. Wir haben durchaus erwartet, dass wir dafür Schelte einstecken müssen. Ich respektiere die Meinung der Fans, aber wir werden diese Sache trotzdem durchziehen.

War diese Aktion von langer Hand geplant oder eher eine kurzfristig gefällte Entscheidung?
Das ist ein langjähriger Plan, den ich gerade umsetze. Ich hatte schon lange die Idee, „Garcia Vs. Garcia mit Kyuss zu promoten, das Biest anheizen und zeigen, dass ich noch immer da bin. Erst waren es nur ein paar Shows, damals ja noch unter dem Banner Garcia Plays Kyuss. Als dann plötzlich Nick (Oliveri, Kyuss-Bassist – dg) und Brant (Bjork, Kyuss-Drummer – dg) beim Hellfest mit mir auf der Bühne standen, war das einfach ein geiles Gefühl. In dem Moment beschloss ich, noch einmal mit diesen Jungs auf die Bühne zu gehen.

Besteht denn die Chance, dass du nach dieser Tour Blut geleckt hast und doch weiter mit Kyuss machen willst? Oder hat das Promotionwerkzeug Kyuss nach der kommenden Tour seinen Dienst erfüllt und wird aussortiert?
Ich weiß es nicht. Nicht jetzt. Wir erforschen selbst noch unsere Emotionen. Wir werden sehen was passiert und gehen nur einen Schritt nach dem nächsten. Das ist die Route, die wir gewählt haben: Keine Pläne schmieden. Der einzige Plan ist bisher, dass wir im März in Europa touren und im Mai dann in Australien. Das war‘s. Aber ich kann natürlich nicht absehen, was auf der Tour passieren wird. Wir versuchen uns da gar keine Gedanken drum zu machen.

Fast alle Mitglieder von Kyuss sind am Start. Allerdings fehlt Josh Homme. Bestand die Option, ihn dazuzuholen oder ist er dafür einfach zu erfolgreich mit Queens Of The Stone Age?
Das stand eigentlich nie zur Debatte, weil jeder weiß, wieviel Josh mit Queens Of The Stone Age und Them Crooked Vultures zu tun hat. Ich hätte es natürlich gerne gesehen, aber mir war das von Anfang an klar, dass das nichts wird. Ich mache ihm da bestimmt keine Vorwürfe. Ich liebe Josh. Er ist ein großartiger Songwriter, Sänger und Gitarrist. Für mich ist er wie ein Bruder, aber natürlich zu beschäftigt, um nach hinten zu schauen. Josh ist jemand, der guckt nur nach vorne.

Die Band, die nächstes Jahr auf die Bühne gehen wird, nennt sich nicht Kyuss, sondern Kyuss Lives! Ist das eine rechtliche Entscheidung gewesen oder geschah das aus Respekt vor dem alten Line-Up?
Wir können es nicht Kyuss nennen, weil es nicht Kyuss ist. Ohne Josh gibt es Kyuss nicht. Das geht nicht und das möchte ich auch nicht. Aber Kyuss Lives! kommen verdammt nah an die originalen Kyuss heran.

Bei der vergangenen Tour mit Garcia Plays Kyuss konnten die Fans im Vorfeld über die Songs, die gespielt werden sollten, abstimmen. Wird es diese Möglichkeit wieder geben?
Nein, diesmal nicht. Das war beim letzten Mal schon ganz cool, aber diesmal haben wir uns im Vorfeld eine Setlist zusammengestellt mit 20 Songs, die wir seit Wochen durchgehend proben.

Du machst Kyuss Lives! eigentlich nur, um deine Solokarriere in Schwung zu bringen. Möchtest du vielleicht zum Abschluss ein paar Worte zu deinem Soloalbum erzählen? Wird es musikalisch in eine ähnliche Kerbe wie Kyuss schlagen?
Ja, ein bisschen schon. Aber ich versuche mich auch ein bisschen vom Kyuss-Sound zu lösen. Ganz auslöschen kann ich ihn jedoch nicht – selbst wenn ich es versuchen würde, könnte das nicht klappen. Mein Soloalbum wird definitiv ein Rock-Album. Dieses Album will ich schon seit Jahren aufnehmen. Es wird viele Melodien, aber auch sehr viel hartes Zeug enthalten. Mehr möchte ich aber noch gar nicht verraten. Nächstes Jahr um diese Zeit soll das Album erscheinen, hoffe ich.

www.kyusslives.com

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