Live: Finntroll & Samael

Samael & Finntroll live in Essen, Turock

FINNTROLL
(+ SAMAEL + ROTTING CHRIST + METSATÖLL + NOTHNEGAL)

27.11. – Essen, Turock

Text & Foto: Elvis Dolff

Eine Nacht voller schwarzer Melodie, teils derbem Folk-Einschlag und viel Epik steht am heutigen Samstag auf der musikalischen Speisekarte des Turocks in Essen. Trotzdem schlagen hier ungemein unterschiedliche Bands auf, die man maximal durch eine heidnische Grundeinstellung auf einen Nenner bringen könnte.

Den Anfang machen NOTHNEGAL – eine schwarz-tödliche Mischung mit Ursprung auf den Malediven. In einer knappen halben Stunde kämpft man engagiert und mit vollem Einsatz um die Gunst des noch müden Publikums. Der Sänger sogar etwas zu sehr, sodass er sich beim Headbangen die Nase am Werkzeug des Bassers blutig schlägt. Aber der Notarzt-Einsatz bleibt aus und die Band spielt konsequent weiter. Und auch wenn der Sänger nach einem verlorenen Kampf aussieht, haben die Jungs bei einigen im Publikum punkten können. Melodischer Black-Death mit Luft nach oben!

Die zweite Station der heutigen musikalischen Weltreise führt uns nach Estland. METSATÖLL spielen ernstzunehmenden Folk Metal, der keinesfalls albern, sondern authentisch rüberkommt. Schon vom ersten Song an wird diese Marschrichtung deutlich. „Feast Of Fire“ oder „Tuletalgud“ rocken das Turock. Begleitet von hypnotischem Flötenspiel glaubt man beim Mittelalter-Markt um die Ecke zu sein. Neben Flöte spielt Universaltalent Lauri auch noch Dudelsack und Männerchor. In den stimmen seine Bandkollegen aber beherzt ein. Der wohl folkigste Vertreter heute kann überzeugen.

Auf Startplatz Nummer 3 dengeln uns die griechischen Black-Metal-Urgesteine ROTTING CHRIST entgegen. Melodische Schwarzkunst mit jeder Menge Eigenheit stand schon immer für die Truppe um die Tolis-Brüder Sakis und Themis. Mit Songs wie „Ealo“, „Fire Death And War“, „King Of A Stellar War“, „Demonon Vrosis“ oder „Noctis Era“ liegt der Fokus zwar sehr auf der neusten Veröffentlichung der Band, aber sie kann trotzdem mehr als nur überzeugen. Wer diese Band noch nicht auf dem Schirm hat, hat heute Abend wieder die Chance verpasst, sie in guter Form ihr jetzt schon 23-jähriges Ich zu präsentieren.

Der mutmaßliche Co-Headliner des Abends steht auf dem Programm: SAMAEL. Die Schweizer Industrial-Schwärze spaltet augenscheinlich die Gemüter. Seien es die eingefleischten Trolle oder die einfache Unkenntnis der Band, in jedem Fall fehlt Samael der berühmte Link zum Publikum. Der sehr elektronisch geprägte Stil und das Genre-typische Auftreten der Band tut sein Übriges, dass mal als Außenstehender nicht direkt dazu findet. Nichtsdestotrotz überzeugen Vorph und Co. mit Songs wie „Rain“, „Antigod“, „Baphomet’s Throne“ oder „Slavocracy“.

Zeit für den Headliner des Abends: FINNTROLL sind die trollisch unbeschwerte Erlösung dieses Abends – zumindest teilweise, denn so Humppagetränkt wie ganz früher sind sie ja nicht mehr. Das merkt man auch heute wieder. Vreth ist eine starke Präsenz auf der Bühne bringt die Songs so bitterböse und roh rüber wie ein Troll sonst nur sein kann, wenn er nichts zu essen greifbar hat. Mit viel Biss sorgen zum Beispiel „Nedgang“, „Nattfödd, „Jaktens Tid“, „Solsagan“ und „Under Bergets Rot“ für ein eindrucksvolles Schauspiel. Finntroll gefallen auch 2010 und schlagen auch mit der neuen Platte wieder einen etwas trolligeren Weg ein, der ihnen besser steht als die vollkommene Verdunklung gen Black Metal. Der Genre-Rekordmeister verteidigt auch live seinen Titel!

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