Interview: Belphegor – “Bondage, Blut, Blasphemie”
Bondage, Blut, Blasphemie
Seit jeher liefern BELPHEGOR ihren konservativen Gegnern jede Menge Angriffsfläche. Auch der Wechsel zum Szeneriesen Nuclear Blast lässt Bandchef Helmuth nicht sanfter werden. Mit flacher Bandhierarchie hat der Einzelgänger „Blood Magick Necromance“ zu genau dem Album gemacht, das er von seiner Band erwartet hat. METAL MIRROR im Gespräch mit dem Banddiktator.
Text: David Dankert | Fotos: Nuclear Blast
Wechsel zu Nuclear Blast, Aufnahmen bei Peter Tägtgren im Abyss Studio und ein instabiles Line-Up der Extra-Klasse – Belphegor halten sich auch 2010 immer noch kaum an irgendwelche vorgegebenen Genre-Grenzen und -Regeln.
Dies lässt zumindest Bandchef Helmuth, der bereits seit „Bondage Goat Zombie“ das letzte verbliebene Gründungsmitglied bei Belphegor ist, unmissverständlich durchklingen: „Ich finde, es ist auch mal wichtig, dass man egozentrisch ist und sagt: ‚Das ist meine Band und ich will das so!‘ Denn das ist nun mal mein Leben und was ich damit anfange, ist meine Sache“, tönt es in stärkstem Österreich-Dialekt. Vor allem der vielseits kritisierte Labelwechsel zum Marktführer in Sachen Metal bereut der Österreicher keine Sekunde lang. Viel mehr gesteht er, dass es zudem das erste Label ist, mit dessen Arbeit er wirklich rundum zufrieden sei. Und auch der Wechsel von den Stage One Studios zu Peter Tägtgren in dessen Abyss Studios, welche oft für den klinischen und identitätslosen Sound kritisiert werden, stellt sich im Nachhinein in Helmuths Augen als wahrer Glücksgriff raus: „Peter Tägtgren hat sich angeboten und mit dem Zeitplan hat das direkt alles gepasst, da haben wir zugesagt. Belphegor werden eh nie klingen wie eine schwedische Band, deswegen ist bei uns auch nicht die Gefahr vorhanden, dass wir ins Studio gehen und er uns als Produzent seinen Stempel aufdrückt. Das passiert eher bei identitätslosen Bands. Das ist bei uns sicher nicht der Fall“, ist sich Helmuth sicher. Das neue Album sei natürlich genauso viel Belphegor wie die Vorgänger und der Sound passe wie die Faust aufs Auge denn: „da ist wirklich Druck hinter.“
FLACHE HIERARCHIE
Da kommt das durch viele Session-Musiker im Laufe der Zeit ergänzte Line-Up wie gerufen, um die Visionen von Einzelgänger Helmuth zu erfüllen. Die Band habe er sowieso schon immer alleine geführt. Vor allem das Songwriting gestalte sich dank der flachen Hierarchie viel einfacher: „Das Songwriting hab ich auch schon zu 90 Prozent gemacht, als noch Sigurd in der Band war. Ich bin halt der Boss und sehr zufrieden damit, wie die Dinge gerade laufen. Ich bin zu hundert Prozent verantwortlich für die Musik. Andere Bands sagen vielleicht, dass sie die besten Freunde untereinander sind, aber ich habe das lieber so, wie es jetzt ist und sag dann auch einfach mal, was Sache ist.“
Keine Frage: Helmuth gibt den Ton an. Und nicht nur diesen. Die Vorherrschaft im Bandgefüge zeichnet sich auch in den Texten von Belphegor ab. Wieder dominieren Helmuths Lieblingsthemen wie Sadomaso, Bondage und Blasphemie. „Provokation machen wir ja schon lange nicht mehr“, ist sich der Bandchef sicher. „Die Texte spiegeln natürlich auch meine Interessen wieder. Sachen wie Sadomaso und Bondage finde ich einfach interessant und es gehört mittlerweile fest bei Belphegor dazu. Bei dem Cover handelt es sich um eine Fotografie, da wir auf jeden Fall was anderes haben wollten. Weg von dem Photoshop-Scheiß. Natürlich spielen da für den Künstler auch die Texte eine gewisse Rolle. Wichtig für uns war, dass es realistisch aussehen soll und Musik, Texte und Cover ein Gesamtpackage abgeben. Die Musik steht zwar im Vordergrund, aber der Rest ist natürlich auch sehr wichtig für das Erscheinungsbild des Albums“, weiß der Österreicher.
UNVERBIEGBAR
Für den bevorstehenden, dicken US-Tourplan haben sich Belphegor Anfang 2011 mit ihren Blasphemie-Kumpels Deicide zusammengetan. Danach hofft Helmuth auf eine Europatour. „Wir wollen unbedingt noch nach Europa. Wir sind zwar Ende des Jahres schon an fünf Tagen dort unterwegs, aber das ist nur eine kleine Promotour für ‚Blood Magick Necromance‘. Wir wissen noch nicht, ob wir als Headliner oder Co-Headliner auf Tour kommen, erstmal stehen ja die Festivals in Europa an. Da hoffen wir noch auf weitere Angebote.“
Verbiegen werden sich Belphegor aber auch für mehr Festival- und Tournee-Termine nicht. Helmuth beruhigt abschließend alle Belphegor-Fans. „Belphegor lassen sich weder von großen Labels, namhaften Produzenten oder der BPJM verbiegen.“ Na, dann können die Fans der Band doch weiterhin beruhigt schlafen.



