Special: Manowar – Battle Hymn 2011

Manowar - Battle Hymns 2011

Tödliche Riffs brauchen kein Upgrade

Es fällt schwer hinter der Neueinspielung von MANOWARs Debütalbum „Battle Hymns“ (ursprünglich 1982 veröffentlicht) mehr als schnelle Geldmacherei zu sehen. Wenigstens hat die Band nicht nur remastered, sondern tatsächlich alle Spuren neu aufgenommen. Als jahrelanger Fan der frühen Manowar hat Dorian Gorr verglichen. Was taugen die Neuaufnahmen im Vergleich zu den Originalen von 1982? Ein Versuch mit nüchternem Ergebnis.

Text: Dorian Gorr

1. Death Tone

Wrumm-wrumm, die Harley, die das Debütalbum eröffnete, hat an Power zugelegt. Erics Stimme macht leider schon beim ersten hohen Schrei klar, dass der Gute mittlerweile fast 30 Jahre älter ist. Der Song ist dennoch immer noch eine Granate. „Hear me coming, can you hear my Death Tone?“ fragt Eric rhetorisch und lässt mich den Zeiten nachtrauern, als Manowar noch nicht nur kitschtriefende Texte schrieben.

2. Metal Daze

„I hear the sound in a metal way“ – so lautet die Eröffnungszeile von „Metal Daze“. Ja, ich höre den Sound, allerdings ist der etwas verwaschene Gitarrensound der Achtziger einem klareren Klang gewichen. Manch einer mag das toll finden, ich finde es etwas charmeraubend.

3. Fast Taker

Die Drums poltern sehr pompös aus den Boxen. Eigentlich ziemlich unnötig, denn der Song hat im Original schon immer total gekillt. Ein tödlicher Riff wie der von „Fast Taker“ braucht kein Upgrade. Wirklich nicht.

4. Shell Shock

Krass, was die Snare für einen Schall drauf hat. Erics Anfangsscream („I got it!“) ist ebenfalls recht cool. Der Anti-Vietnamkriegs-Song ist vielleicht der einzige Song, der eine Überarbeitung verdient hätte. Die bescheuerten, dunklen Vocals, die immer „Shell Shock“ im Hintergrund sagen, haben schon den originalen Song leicht kastriert. Ganz gekillt wurden diese zwar nicht, allerdings weiter in den Hintergrund gedrängt. Durchaus angenehm.

5. Manowar

Dass Manowar ihre Bandhymne tatsächlich einmal neu aufnehmen würden, hätte ich mir nicht träumen lassen. Einen Vorteil hat es: Der Song klingt mittlerweile exakt so, wie er bei Live-Shows von Manowar klingt. Sprich: Lauter Bass, nicht mehr ganz so starker Eric und ein verlängertes Outro.

6. Dark Avenger

Die mystisch angehauchte, langsamste Nummer des Albums lebte schon in der originalen Version durch den Sprecherpart von Filmgenie Orson Welles. Da Welles schon lange tot ist, sprang Manowar-Dauergast Christopher Lee ein. Ganz so cool wie Orson Welles ist das zwar nicht, aber seinen Job macht der Schauspieler trotzdem gut.

7. William‘s Tale
Ich habe noch nie verstanden, warum Joey immer seine komischen Solodinger aufs Album packt oder Live-Shows damit die Stimmung raubt. Ego-Befriedigung? Technisch mag das alles toll sein, aber „William‘s Tale“ ist auch in der Neueinspielung ein (zum Glück kurzes; ganz im Gegensatz zu den späteren Solos) unnützer Lückenfüller.

8. Battle Hymn
De Facto ist „Battle Hymn“ einer der epischsten Manowar-Songs aller Zeiten. Im Gegensatz zu dem sonst fast schon rockig ausfallenden Album gab dieser Song schon Anfang der Achtziger die weitere Marschroute für Manowar vor. Dass das Original keine kosmetische Korrektur nötig hatte, brauche ich wohl kaum zu erwähnen. Glücklicherweise schafft der moderne Firlefanz es nicht, dem Song seine noch immer tolle Atmosphäre zu rauben. Die „Battle Hymn“ ist und bleibt ein Bandklassiker, bei dem ich aber ebenfalls sehr viel lieber zum Original greife. Das hat noch mehr Charme.

Zusätzlich zu den acht Original-Songs kommt die Neueinspielung mit zwei Live-Aufnahmen aus dem Jahr 1982 daher („Fast Taker“ und „Death Tone“). Mit denen haben sich Manowar allerdings keinen Gefallen getan. Denn hier zeigt sich mehr als deutlich, was für ein Sänger Eric Adams einst war.
„Battle Hymn 2011“ macht Spaß beim Hören. Das liegt aber ausschließlich daran, dass die Songs auch nach fast 30 Jahren noch immer absolute Granaten sind; und nicht etwas an dem modernen Produktionsschnickschnack, den Joey DeMaio anpreist. Ich hoffe nur, dass die Jungs beim Aufnehmen Blut geleckt haben und sich auf ihrem kommenden Album von ihren eigenen Kompositionen inspirieren lassen. Dann bleibt uns vielleicht „Gods Of War 2“ erspart.

www.manowar.com

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