Artikelserie: “Heavy Metal Locations” – Festung Bitterfeld

Im Herzen der Festung

In unserer Artikelserie „Heavy Metal Locations“ ging es bisher hauptsächlich um Läden in Westdeutschland. Für den fünften Teil unserer Serie hat es METAL MIRROR in den Osten von Deutschland verschlagen. Carolin Teubert besuchte die FESTUNG BITTERFELD. Hier organisiert der Metal-Club „United Metal Manics“ regelmäßig Konzerte und veranstaltete in den vergangenen Jahren das Festung Open Air.

Text: Carolin Teubert
Fotos: Festung Bitterfeld

Bitterfeld ist garantiert keine Metropole Deutschlands, noch weniger würde man in einer solchen Kleinstadt eine Metal-Location vermuten. Doch genau das ist die Festung Bitterfeld. In einer Seitenstraße liegt sie versteckt. Vor allem Nachts sieht man am Straßeneingang keine Anzeichen von Gebäuden. Erst wenn man mehrere Schritte gegangen ist, tauchen plötzlich ein paar Lichtschimmer am Ende der Straße auf und noch ein paar Schritte weiter erscheint ein Tor, hinter dem sich ein großes Geländer mit Auftrittshalle, Clubhaus und Proberäumen befindet.
Auftritt Olle (27) und Tonne (32), die beide in einem Wagen vorgefahren kommen. Die beiden langhaarigen Herren gehören zum Vorstand der „United Metal Maniacs“ und Tonne ist dem ein oder anderen als Sänger von Trimonium bekannt. Als Konzertbesucher sieht man eigentlich nur den Platz vor der Halle und natürlich das Gebäude von innen. Das Clubhaus bleibt den Normalbesuchern verschlossen und dient bei Konzerten als Backstagebereich. Drinnen gibt‘s Metal-Club-Atmosphäre. Sämtliche Poster und Bilder von Mitgliedern hängen mit Liebe zum Detail an der Wand und einige lustige Ideen, wie zum Beispiel das „h“ im Wort „Waschraum“ mit einem umgedrehten Kreuz auszuschmücken, machen den Raum doch sehr Metal-idyllisch. Man sieht, dass man hier bereits eine Menge Arbeit hineininvestiert hat. Im Clubraum stehen Sofas, ein Ofen, eine Bar, geschmückt mit noch mehr Metal-Postern. Jeden Donnerstag ist hier Clubabend.

VOM BUND ZUM VEREIN
Die Festung gibt es schon seit 1997. Damals noch auf einem anderen Gelände war es zunächst ein loser Bund von 10-15 Personen aus der Region. Man begann einige Konzerte zu organisieren, die vor allem Underground-Metal-Bands zu Gute kamen. „Wir haben vor allem Bands zu uns eingeladen, die wir selber kannten und auch hörten“, so Olle. Irgendwann wechselte man zur heutigen Location und aus dem Bund wurde 2004 ein eingetragener Verein, der sich immer mehr zum Geheimtipp in der Black-Metal-Szene etablierte. Es kamen neue Mitglieder dazu, einige gingen, doch viele der ersten Stunde sind auch heute immer noch dabei. Wie viele Bands schon in der Festung gespielt haben, können die Mitglieder gar nicht mehr genau sagen. Eine grobe Schätzung von Tonne beläuft sich auf rund 100 Konzerte und 300-400 Bands.

GEHEIMREZEPT: BESONDERHEIT
Anders als viele Metal-Locations wirft die Festung keinerlei Gewinn für die Mitglieder ab. Tonne erklärt warum: „Wir haben immer aus freien Stücken und ohne kommerzielle Hintergründe organisiert.“ Alle Mitglieder haben Jobs oder studieren und füllen ihre Freizeit mit den Clubangelegenheiten. Vorschläge kann jeder einbringen und es herrsche stets eine ziemlich lockere Stimmung. Die Organisation und Finanzierung erledigt ein Vorstand – mit Erfolg, denn die Festung hat es geschafft, viele Black-Metal-Bands für ihr allererstes Live-Konzert in Deutschland zu gewinnen – Urgehal, Taake oder Kampfar sind nur ein paar prominente Namen. Wie genau sie das geschafft haben, verraten die Organisatoren nicht. Fest steht aber: Die Festung hat sich vor allem dadurch etablieren können, dass sie einige Größen nach Deutschland gebracht hat, die dafür sorgten, dass Fans aus ganz Deutschland anreisten.

ESKAPADEN UND PROBLEME
Wenn man vom Untergrund und Black Metal spricht, sind politische Diskussionen meist nicht weit. Auch die Festung war in den Anfangstagen häufig davon betroffen. Von Seiten linker Gruppierungen gab es mehrfach (teils vielleicht berechtigte) Proteste gegen die Konzerte. Beim Konzert der kontroversen Black-Metal-Band Inquisition vor einigen Jahren ging eine Bombendrohung ein, woraufhin 400 Konzertbesucher vom Gelände evakuiert werden mussten. Kritik an der Band mag aufgrund des Labels, das hinter ihr steht, vielleicht gerechtfertigt sein, doch nicht in dieser Form. Glücklicherweise nahm der Abend ein friedliches Ende. Drei Stunden später konnte das Konzert doch noch stattfinden. Ein weiteres Inquisition-Konzert im Dezember 2009 konnte hingegen ohne Vorfälle stattfinden und auch bei der Taake-Tour im letzten Jahr wurde der Auftritt der umstrittenen Black-Metaller in der Festung als einer der wenigen nicht abgesagt.
Rechtes Gedankengut wird in der Festung Bitterfeld nicht toleriert. „Mittlerweile haben wir eigentlich gar keine Probleme mehr in dieser Art. Solange man seine politische Gesinnung zu Hause lässt und damit keinen belästigt, ist hier jeder willkommen. Es geht hier um die Musik und um das Konzert. Wer Stress machen will, soll zu Hause bleiben, ansonsten fliegt er bei uns raus.“
Glücklicherweise überwiegen die positiven Momente bei den veranstalteten Konzertabenden. Tonne erinnert sich an ein Konzert von Skyforger im Jahre 2004. Damals sprangen plötzlich Bestial Mockery nackt – „dem Alkohol sei Dank“ ertönt es aus dem Hintergrund – bei dem Gig der Letten auf die Bühne und Skyforger hatten alle Mühe, nicht aus dem Konzept zu fallen. Solche lustigen Ereignisse überwiegen in der Geschichte der Festung Bitterfeld.

DAS ENDE EINER ÄRA
Neben den heimischen Konzerten auf dem Gelände veranstaltete der Verein von 2003 bis 2010 jährlich das Festung Open Air, das aber nicht länger stattfinden wird. Ziel war es, ein Festival nach eigenen Vorstellungen zu gestalten, also das gleiche Konzept wie bei den Konzerten anzuwenden und Wert auf Qualität statt Quantität zu legen. Der Plan ging auf. Aus anfänglich 300 Besuchern wurden schließlich 1500. Warum also entschied man sich, das Festung Open Air zu begraben? Ein wesentlicher Grund sei gewesen, dass die Bands die einen reizen, immer weniger würden, während es immer mehr Festivals geben würde, denen es nur um möglichst viel Profit gehe. Ein ausführliches Statement vom Verein gibt es auf ihrer Homepage. Eine Hoffnung, dass man vielleicht doch nochmal über eine Weiterführung des Festivals nachdenkt, gibt es vorerst nicht.
Sie haben scheinbar alles erreicht, was sie wollten. Auf die Frage, mit welchen Bands sie gerne noch zusammenarbeiten wollen, fallen Tonne und Olle kaum welche ein. „Wir haben dank des Festivals erreicht, was möglich ist.“ Konzerte wird es dennoch auch in Zukunft geben. Bereits am 4. Februar wird eine Judas-Priest-Revival-Band ein Konzert in Bitterfeld geben. Eine interessante Abwechslung zu den sonstigen, meist eher im Black Metal angesiedelten Konzerten. Weitere Termine stehen noch nicht fest.
Olle: „Die Angebote sind im Moment nicht so gut, da muss man zwischendurch etwas flexibler sein.“ Geplant wird trotzdem und sobald genauere Infos feststehen, so werden diese auch öffentlich bekannt gemacht. Man darf sich also überraschen lassen.
www.united-metal-maniacs.de

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