Interview: Korpiklaani – “Wie uns die Finnen die Polka stahlen…”

Korpiklaani, Interview mit Jarkko

“Wie uns die Finnen die Polka stahlen…

…und sie uns nun teuer (und in hoher Frequenz) zurückverkaufen.” – So ungefähr könnte die Biographie von KORPIKLAANI heißen. Ein Interview mit Bassist Jarkko.

Text: Elvis Dolff | Fotos: Nuclear Blast

Genau wie Bands á la Eläkeläiset oder (früher) Finntroll zelebrieren die trunksüchtigen Finnen in jedem Song Vodka, Tequila, Bier, Party, Rock’n’Roll und vor allem Polka beziehungsweise Humppa. Diese, so Jarkko der Bassist von Korpiklaani, habe ein findiger Finne den Deutschen in den Zwanzigern beim Oktoberfest abgeguckt. „Ein finnischer Radiojournalist war interessiert an einer Band, die dort spielte und wollte von einem Einheimischen wissen, wie diese Musik heißt. Dieser antwortete, dass er es einfach ‚Humppa, Humppa, tätärä‘ nenne.“

So kam der Begriff und die Musik nach Finnland und ist dort eigentlich Altherrenmusik. Doch seit Eläkeläiset und spätestens Korpiklaani hat sich die Zielgruppe gewandelt. Ein überwiegend junges Publikum tanzt, hüpft, singt und frohlockt seit 2003 zu den Rhythmen des Wald-Klans (so Korpiklaani zu deutsch). Dass das offensichtlich eine riesige Marktlücke und weitestgehend unbesetzt von Bands ist, haben anscheinend auch die Finnen entdeckt, veröffentlicht man in dieser relativ kurzen Zeit doch schon das siebte Album. Jarkko sieht das ganz locker: „In unserer Jugend hat jede Band in kurzer Zeit so viele Alben veröffentlicht. Iron Maiden zum Beispiel. Heute sind die Sachen alle Klassiker.“  Große Unterschiede oder eine nennenswerte Entwicklung kann man nicht erkennen. „Wir entwickeln uns generell sehr langsam. Die größte Veränderung war damals unser neuer Produzent, der auf eine ganz andere Art arbeitet und eine ganz andere Vorstellung davon hat, wie die Musik klingen soll“, so Jarkko weiter.
Die neue Scheibe „Ukon Wacka“ birgt jedenfalls viele Parallelen zu den anderen Werken, beispielsweise „Tequila“, der die Serie von Alkohol-betitelten Songs fortsetzt. Jarkko dazu: „Der Song ist nach unserer Südamerika-Tour entstanden. Es ist ein Tribut an das Land, die Leute und den Alkohol dort.“
Generell ist das Album wohl weder ein Konzeptalbum zum Opferfest Ukkos (wie der Titel es implizieren könnte), noch ein großer Meilenstein für die Band selber, so hat man das Gefühl. Interessant ist jedoch der Motörhead-Coversong „Iron Fist“. Jarkko: „Es ist ein ziemliches Rock’n’Roll- Album, was aber nicht der Grund dafür ist, dass wir den Song draufgepackt haben. Wir wollten noch einen Bonus draufpacken und hatten nach der Tour nur noch zwei Tage Zeit und konnten nicht groß proben. Als wir unsere erste Tour durch Großbritannien machten, hatten wir den Song bei jeder Show gespielt. Da ging das Aufnehmen sehr schnell.“

FINNISCHER FÜNFER
Den Plan, einmal ein Akustik-Album aufzunehmen hat die Band derweil wieder verworfen. „Wir hatten mal überlegt, unsere 2009er Akustik-Shows auf ein Album zu packen. Weiß jetzt nicht, ob das ein großes Geheimnis ist, aber da wurde eh nichts draus“, verrät der Bassist. Was den Fleißbienchen aber noch mehr am Herzen läge, wäre einmal ein Konzert mit ihren finnischen Kollegen, auf die Jarkko besonders stolz ist: „Turisas, Ensiferum, Moonsorrow und Finntroll – wir sind stolz in einem Atemzug mit diesen Bands genannt zu werden. Wir würden gerne mal ein Konzert mit diesen fünf zu machen, aber das wird wohl sehr schwierig, da wir auf verschiedenen Labels sind.“
So stolz und ehrgeizig wie das klingt, fahren sich die Finnen eventuell ja wirklich immer weiter auf ihren Stil ein und schaffen sich selbst ein ähnliches Denkmal wie ihre Vorbilder von Motörhead und Iron Maiden – wer weiß.
www.korpiklaani.com

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