Interview: Legion Of The Damned – “…also haben wir einfach weitergemacht.”

“…also haben wir einfach weiter gemacht”

Im populären Thrash Metal gab es in den vergangenen Jahren keinen bedeutenderen Aufsteiger als LEGION OF THE DAMNED. Im Rahmen der „Neckbreaker‘s Ball“-Tour promoten diese ihr neues Album „Descent Into Chaos“. Tourstop in Hannover: Gitarrist Richard Ebisch und Bassist Harold Gielen haben es sich im Tourbus bequem gemacht. Sänger Maurice Swinkels denkt erst gar nicht dran, sich dazuzusetzen. Mit dem Laptop unterm Arm grunzt er irgendwas auf holländisch und verschwindet aus dem Bus. Egal. Sind es doch eh Richard, Harold und Schlagzeuger Erik, die die Musik schreiben.

Interview: Dorian Gorr | Fotos: Massacre Records

Jungs, da soll noch einer sagen, Legion Of The Damned würden nie etwas ändern: Ihr habt für das neue Album den Produzenten gewechselt. Statt bei Andy Classen aufzunehmen, habt ihr euch diesmal in Peter Tägtgrens Abyss Studios einquartiert. Warum?
Harold: Wir wollten etwas Neues probieren und mal schauen, was der Peter aus Legion Of The Damned herausholen kann. Peters Produktionen fanden wir alle immer schon sehr gut. Immortal, Hypocrisy, Pain – die Produktionen haben uns immer überzeugt.

Es gibt aber auch etliche Metal-Fans, auch in unserer Redaktion, die Peter dafür kritisieren, dass er stets den gleichen Sound auffährt und dadurch bisweilen etwas klinisch klingt.
Harold: Nun, man kann einem Album anhören, dass es von Peter ist. Aber das ist eben sein Produzenten-Stil, den man da heraushört. Wir haben allerdings auch unsere eigenen Instrumente mit ins Studio gebracht, sodass wir ganz in unserem Element waren. Dass man bei dem Album unverkennbar Legion Of The Damned heraushört, haben uns bereits alle Fans bestätigt.

Das ist ja auch klar. Immerhin gibt es diesmal wieder musikalisch keine Experimente. Wird euch das nicht langsam selbst langweilig?
Harold: Nein, gar nicht. Wir machen nur Musik, wie wir sie lieben. Jeder Song, der uns selbst nicht packt, den schmeißen wir sofort wieder heraus.
Richard: Es gibt ja viele Leute, die sagen uns immer wieder, dass wir einen zweiten Gitarristen brauchen, dass wir mehr Solos spielen sollen oder experimentieren sollen. Dieses Gerede nervt uns mittlerweile schon.
Harold: Man kann es ja eh nicht jedem recht machen. Wenn wir experimentieren würden, würden die Fans auch meckern. Wir haben uns vor langer Zeit dazu entschlossen, nur die Musik zu machen, die wir lieben. Der Rest ist egal.
Richard: Ich liebe diese einfache Musik eben. Es ist außerdem viel schwerer, einen einfach klingenden Riff zu schreiben, der sofort hängen bleibt und mitreißt. Nur weil ein Riff komplex ist, ist er noch lange nicht gut.

Nochmal zu dem Produzentenwechsel: Was sagt denn eigentlich der Andy Classen dazu? Übermäßig gefreut wird er sich nicht haben, immerhin habt ihr in der Vergangenheit sehr erfolgreich zusammengearbeitet.
Harold: Er war natürlich nicht begeistert. Aber man darf das nicht falsch verstehen. Wir waren immer sehr zufrieden mit Andy Classen. Mit ihm zu arbeiten, macht sehr viel Spaß. Und dass „Cult Of The Dead“ in vielen Magazinen so abgefeiert wurde, ist zu weiten Teilen auch sein Verdienst gewesen. Aber jede Band möchte auch mal Neuland betreten. Deswegen haben wir für dieses Album den Produzenten gewechselt.

Was viele Fans nicht wissen: Eure Texte schreibt eine externe Person, nämlich Tony Manero. Wieso macht ihr das nicht selbst und wer ist besagter Tony?
Harold: Tony ist ein guter Freund von uns, insbesondere von Maurice. Der kennt den schon seit seiner Kindheit. Die waren Nachbarn. Und Tony weiß genau, was Maurice ausdrücken möchte. Maurice steht vollkommen hinter den Texten, die Tony schreibt.

Kann Maurice seine eigenen Gedanken nicht selbst ausdrücken oder wozu braucht er Tony?
Harold: Das hat viel mit nicht vorhandener Zeit zu tun. An den Texten muss lang gefeilt werden, das kann Tony gut. Er passt sie dem Rhythmus an und schreibt sie auf die Songs drauf.

Zusammengefasst: Ihr anderen drei macht die Musik, Tony Manero macht die Texte. Was macht Maurice, der ja euer eigentliches Aushängeschild als Fronter ist? Füße hochlegen?
Richard: Der macht viel PR. Er kümmert sich um alle Anfragen, um die Business-Kontakte, die Zusammenarbeit mit dem Label. Dafür verbringt er viel Zeit am Computer.

Als ihr 2007 eure ersten wirklich großen Erfolge in der Szene gefeiert habt, spieltet ihr quasi auf jedem namhaften Festival. Hattet ihr da nicht auch Angst, dass das irgendwann mal zuviel wird und man sich totspielt?
Harold: Ehrlich gesagt haben wir das durchaus zwischendurch gedacht. Aber unser Management sagte uns, dass die Leute noch nicht genug von uns hätten, also haben wir weitergemacht. In Deutschland kann man das aber auch machen, da das Land viel größer ist als beispielsweise Holland.

Werdet ihr dauerhaft ein solches Veröffentlichungstempo, wie ihr es bisher an den Tag gelegt habt, halten können, ohne dass es euch und den Fans irgendwann langweilig wird, weil neue Ideen fehlen?
Richard: Wir versuchen schon, unseren Rhythmus beizubehalten. Ideenmangel gab es bisher noch nie, dafür lieben wir diese Musik vermutlich zu sehr. Bis es soweit ist, dass wir keine Ideen mehr haben, wird noch viel Zeit vergehen.
www.legionofthedamned.net

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