Interview: Vreid – “Metallische Schulstunde”

Interview mit Sture Dingsoyr (Vreid)

Metallische Schulstunde

VREID feiern ihr erstes kleines Jubiläum. Ihr fünftes Album „V“ steht zum Verkauf bereit und bringt das ein oder andere Novum mit sich. Bassist Jarle erzählt dem METAL MIRROR von seinem zweiten Standbein und seiner zweiten großen Leidenschaft.

Text: Jenny Bombeck | Fotos: Indie

Vreid sind keine 08/15-Black-Metal-Band. Die Norweger haben einen unverkennbar eigenen Sound, auf den sie aber nicht stur beharren. Ihr fünftes Studioalbum strotzt nur so vor musikalischen Überraschungen. Aber keine Angst: Vreid sind immer noch sie selbst. Sie sind lediglich kreativer geworden, auch wenn der Titel für den neuen Silberling nicht gerade ein Paradebeispiel dafür ist. Bassist und Bandgründer Jarle „Hváll“ Kvåle erzählt, was hinter der römischen Zahl „V“ steckt:
„Das V steht natürlich für unser fünftes Album und für unseren Bandnamen Vreid. Das können wohl die meisten Fans selbst entschlüsseln. Aber das V steht auch noch für etwas anderes, das ich jetzt nicht weiter erklären möchte. Die Leute können sich gerne ihre eigenen Gedanken dazu machen und über die Interpretation nachdenken.“
Zwar gibt sich Jarle bezüglich des Titels ein wenig geheimnisvoll, aber wenn es um seine Texte und um seine zweite große Leidenschaft geht, dann wird der etwas wortkarge Norweger zu einer mittelgroßen Plaudertasche.

GESCHICHTE MAL ANDERS
Bei Vreid hat sich seit jeher alles um diverse Themen der Geschichte gedreht, besser gesagt um Norwegen während des Zweiten Weltkrieges. Dieser Bezug zum Krieg und das Militär spiegelt sich auch im Riffing der Band wieder. Und auch das neue Album hat wieder eine Brücke zur Geschichte gebaut.
„Besonders das letzte Album „Milorg“ war vom Zweiten Weltkrieg beeinflusst. Das Besondere an unserer neuen Scheibe ist, dass ich zum ersten Mal Geschichte mit meinen persönlichen Erfahrungen und Gefühle verbinde. Diese Art, die Lyrics zu schreiben, war zu Beginn noch etwas ungewohnt für mich, aber es war auch zeitgleich spannend“, erzählt der sympathische Norweger.
Die neue Vorangehensweise erkennt man schließlich auch an den Titeln der Lieder. Diese klingen nämlich weniger militärisch, denn dieses Mal hat Jarle mehr die Antike verschiedener Kulturen betrachtet – ein Experte in Sachen Geschichte, der viel recherchiert, wenn es um die exakte Darstellung vergangener Geschehnisse geht. Die meisten Inhalte habe er zwar während seiner akademischen Laufbahn gelernt und auch behalten, aber alles bleibe eben nicht detailliert hängen.

BLACK METALLER ODER LEHRER?
Dass die meisten Black Metaller keine bösen Menschen sind, sondern ganz normal ticken, beweist der Bassist mit seiner Berufwahl als Pädagoge beziehungsweise Lehrer an einer Schule. Diesen Job hat Jarle auch jahrelang mit viel Freude ausgeübt.
„Ich habe den Beruf vor kurzem erst einmal an den Nagel gehängt, um mich auf die Musik konzentrieren zu können. Aber ich bin gerne Lehrer und wer weiß, ob ich nicht nochmal an einer Schule arbeiten werde.“
Im Gegensatz zu seinem deutschen Kollegen dem Debauchery-Sänger Thomas Gurrath hat sich während seiner Schullaufbahn niemand dafür interessiert, dass er nebenbei Musiker in einer Black-Metal-Band ist. Wahrscheinlich ist man in Norwegen diesbezüglich einfach schon ein wenig toleranter als hier in Deutschland. Toleranz lässt auch Jarle walten, was die musikalische Weiterentwicklung von Vreid betrifft. Diese sind nicht nur von den Vocals her böser geworden, sondern auch ein wenig melodiöser: Jarle hat keine Angst vor cleanen Vocals.
„Wir hatten Glück und konnten das Album komplett selbst aufnehmen und so entspricht „V“ einzig und allein unseren Vorstellungen.“
www.vreid.no

METAL MIRROR #50 herunterladen