Live: Neckbreaker’s Ball in Hannover, Musikzentrum

Kataklysm live in HannoverNECKBREAKER‘S BALL
(KATAKLYSM + LEGION OF THE DAMNED + EQUILIBRIUM + MANEGARM + MILKING THE GOAT MACHINE)

19.1. – Hannover, Musikzentrum

Text & Fotos: Dorian Gorr

Manch ein Heavy-Metal-Hardliner unkte im Vorfeld über das bunt gemischte Billing. Die populären Bands aus Thrash, Death und Viking Metal wollten für viele nicht zueinander passen. Doch der Plan der Veranstalter scheint aufzugehen: 500 Besucher zieht das Paket in Hannover an, die von MILKING THE GOAT MACHINE und ihrem äußerst bekloppten Ziegen-Death-Grind begrüßt werden.
Der Kontrast folgt binnen weniger Minuten: Mit MANEGARM steht die zweifellos melodischste Band des Abends auf den Bühnenbrettern. Der Sound ist anfangs zwar zu sehr vom Bass dominiert, die paganen Hymnen wärmen trotzdem gut auf, können aber trotz ulkig herumtapsenden Wuschelkopf-Geiger nicht mit dem Partyfaktor von EQUILIBRIUM mithalten. Deutschlands derzeit populärste Viking-Metal-Band lässt die Besucher hüpfen, tanzen und die Fäuste gen Decke richten. „Blut Im Auge“, „Der Sturm“, „Der Ewige Sieg“ und „Unbesiegt“ versorgen die Anwesenden mit teils beschämend viel Pathos, treffen aber damit den Nerv der Zuschauerschaft, die zu „Met“ fröhlich im Kreise tanzt und der es egal ist, dass alle Synthesizer und Keyboards komplett vom Band kommen.
Wirklich interessant wird es allerdings erst, als LEGION OF THE DAMNED die Bühne unter dem okkulten Intro des neuen Albums „Descent Into Chaos“ entern. Maurice Swinkels und seine Thrash-Truppe mögen auf Platte ab und zu etwas zu monoton wirken, live entfachen die Niederländer allerdings ein Feuerwerk, das einem die Sprache verschlägt. Wie eine Dampfwalze überrollt einen der aufgedrehte Bass und setzt die Nackenmuskulatur in Bewegung. Maurice gibt dazu die charismatisch-okkulte Rampensau und ist sich für keine Pose zu schade, während „Cult Of the Dead“, „Killzone“, „Death Heads March“ und „Son Of The Jackal“ die Nacken brechen. Der Funke springt schnell über: Binnen weniger Minuten startet eine Welle aus (teils nervig betrunkenen) Stagedivern, die im Sekundentakt auf die Bretter klettern, um anschließend wieder in die Menge zu segeln – manch eine unsanfte Landung inklusive.
Eigentlich müssten sich KATAKLYSM nach einem derartig aufgeheizten Thrash-Spektakel kampflos geschlagen geben. Tun sie aber nicht. Und sie tun gut daran, denn der Hyperblast-Death-Metal der Kanadier räumt nach nur wenigen Minuten alles ab. Klar, die Drums sind getriggert, aber lässt man dieses technische Hilfsmittel einmal außer Acht, liefert die Band um Frontkante Maurizio Iacono eine astreine Show ab. Der Sound knallt, Maurizio zeigt sich fanfreundlich, begrüßt jeden Stagediver auf der Bühne mit Handschlag und schreit sich ganz nebenbei die Lungenflügel während Songs wie „In Shadows And Dust“, „Serenity And Fire“ und „As I Slither“ wund. „Hannover, you‘re on fire“, ist der breitschultrige Kanadier scheinbar selbst von dem leidenschaftlichen Zuspruch überrascht. Als Dank gibt es „The Night They Returned“, einen Song, den die Band noch nie live gespielt hat, der allerdings nicht ganz so gut ankommt, wie die eingespielten Bandklassiker der Marke „Crippled And Broken“. Angriffsfläche lässt der Auftritt kaum zu – sieht man einmal von den Trigger-Drums ab. Spielfreude, Hits, euphorische Fans – Kataklysm sind in der Form ihres Lebens.

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