Interview: Helrunar – “Superstars abgehängt”
Superstars abgehängt
Lange Zeit verging seit „Baldr Okk Iss“, ein Gründungsmitglied verließ die Band und zwischendurch kursierten im Web Gerüchte, die Band würde sich auflösen. Doch passend zum 10-jährigen Jubiläum melden sich HELRUNAR gleich mit dem neuen Doppelalbum „Sól“ zurück.
Text: Carolin Teubert | Foto: Prophecy
Skald Draugir lacht förmlich, als man ihn auf den Charteinstieg von „Sól“ anspricht. Es ist der erste der Band und gerechnet hatte damit niemand. „Wir fanden das ziemlich bekloppt und verrückt, denn ich persönlich finde, es ist das unkommerziellste Album von uns. Es ist sehr roh und schwer zugänglich. Dennoch waren wir natürlich auch amüsiert darüber, als wir in den Newcomer-Charts irgendeinen DSDS-Kram überholten.“ Recht scheint Skald Draugir damit zu haben, dass „Sól“ schwer zugänglich ist. Mit über 90 Minuten Spielzeit, vollgepackt mit lyrischen Details und versteckten Botschaften, ist es fast eine Herausforderung. Zum Ende der Studioproduktion wurde im Web folgendes Statement veröffentlicht: „‚Sól‘ wird das düsterste und nihilistischste sowie spirituellste Werk von Helrunar sein“. Skald Draugir erklärt die Schlagworte.
„Ich denke der Begriff ‚düster‘ erklärt sich von selbst. Mit nihilistisch und spirituell befinden sich zwei Gegenpole in unseren Texten, mit denen sich das lyrische Ich stets auseinander setzt.“ Gemeint ist damit, dass sich diese Gegenpole in der Gesellschaft immer mehr manifestieren würden, zum Beispiel Oberflächlichkeit und Materialismus gegen Gedanken und Individualität. Doch man könne die Botschaft auch noch viel weiter auslegen. „Es ist sicher auch ein Statement, dass ich so wie es ist, nicht zufrieden bin.“ Und selbst damit sei eine genaue Interpretation nicht gegeben. „Wir haben bewusst die Struktur von Mythen genommen. Mythen sind offene Stücke. Es sind meistens bizarre Geschichten und unlogische Sachen, die sich erst durch Symbole entschlüsseln lassen. Das erfolgt bei jedem individuell.“
Frost, Eis und Stein
Dennoch befinden sich einige Motive auf „Sól“, die bereits auf allen anderen Alben vorhanden sind. So zum Beispiel Frost, Eis oder Stein. „Eis und Frost verwende ich gerne für einen seelischen Zustand. Es hat etwas starres, genau so wie der Begriff Stein, sprich man stagniert im Leben.“
Da stellt sich die Frage, ob man nicht Angst hat, den Zuhörer zu überfordern, doch Skald Draugir sieht es gelassen. „Das kann natürlich passieren, doch da stellt sich natürlich auch die Frage, wem man damit verpflichtet ist. Wir überlegen uns nicht, wen wir erreichen wollen, sondern es muss ein für uns stimmiges Kunstwerk sein. ‚Sól‘ ist sicherlich eine Herausforderung, da wir einen hohen Anspruch an unser literarisches Niveau haben, doch das muss auch der jeweilige Hörer bewerten.“
Sól wird auch als Wendepunkt von Helrunar gesehen. Nicht nur, dass man vielleicht versuchte, wieder einen Schritt weg vom Pagan Metal zu gehen, sondern es ist sicherlich auch eine positive Weiterentwicklung im Vergleich zum Vorgänger-Album „Baldr Okk Iss“. Interessant ist auch der Aspekt, inwiefern sich der Ausstieg von Gründungsmitglied Dyonisos auf „Sól“ auswirkte. Immerhin leistete dieser einen erheblichen Teil beim Songwriting. Es ist also berechtigt anzunehmen, dass mit seinem Weggang ein Stück Helrunar verloren gegangen sein könnte. Doch Skald Draugir zeigt, dass sich nicht viel verändert hat: „Wir hatten früher das Songwriting unter uns Dreien aufgeteilt, nun haben eben ich und Asvarte vorwiegend die Texte geschrieben. Verändert hat sich vielleicht die Arbeitsweise. Wir arbeiten geplanter, indem wir auch zuhause Ideen aufnehmen können und somit stets ein Ziel vor Augen haben. Wir haben nach wie vor Proberaum-Sessions, doch da entstehen die Songs eher spontan.“ Auch wenn Dyonisos mit seiner neuen Band selber bereits ein Album herausbrachte und einige Konzerte spielte, so befürchtet Skald Draugir nicht, dass sich Fans von Helrunar abwenden werden.
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