Aus Liebe zur Freundschaft
Tom Englund hat in den vergangenen beiden Jahren viel mit EVERGREY durchgemacht. Mit der Veröffentlichung des neuen Albums „Glorious Collision“ kann er nun eine alte, problembehaftete Ära abschließen und sich sicher sein, eine Freundschaft gerettet zu haben.
Text: Jenny Bombeck | Foto: SPV
2009 war kein leichtes Jahr für die Progressive-Power-Metal-Band Evergrey. Die Schweden haben sich Mitte der Neunziger gegründet und führten bis dato ein ziemlich ruhiges Bandleben. Doch dies sollte sich mit einem Schlag ändern. 2010 verließen gleich drei Mitglieder die Band. Darunter ein enger Freund des Sängers Tom Englund. Ihn schmerzte der Weggang des Gitarristen Henrik Danhage sehr, aber dies war für beide ein notwendiger Schritt, um ihre Freundschaft zu retten.
So erzählt der dunkelhaarige Vokalist: „Die Zeit vor der Entscheidung uns voneinader zu trennen, war recht schwierig, da wir es nicht mehr genossen, zusammen in einer Band zu spielen. Wir schätzten den anderen einfach nicht mehr Wert. Wenn man wie wir so viel von Zuhause weg ist, dann muss einem das Tour-und Bandleben Spaß machen, ansonsten ist es gesünder, einen anderen Job auszuüben.“
EIN FESTER ENTSCHLUSS
Das Gefühl, das sich etwas innerhalb des Bandgefüges ändern muss, trug Tom bereits seit einigen Jahren mit sich herum. Und das Gefühl wuchs schließlich zu einem festen Entschluss. Der Gedanke, seinen Gitarristen quasi loszuwerden war nicht schlimm, der Gedanke dabei Henriks Freundschaft zu verlieren jedoch schmerzvoll. Doch diese wurde durch den großen Schritt gerettet.
„Henrik und ich können jetzt wieder zusammen Bier trinken und einfach Spaß haben, ohne all den Balast, den wir vorher mit uns herumtrugen. Ich bin froh, dass es so gekommen ist. Und mit einem starken, neuen Album im Gepäck fühlt sich momentan alles großartig an“, freut sich Tom.
Evergrey komplett auf Eis zu legen, kam dabei aber nie für ihn infrage. Schließlich sei er sowieso als letztes Gründungsmitglied zu 85 Prozent für die Musik zuständig. Daher war der dreiköpfige Austausch kein komischer Akt für ihn.
„Ich glaube auch nicht, dass es die Fans stört, dass es Evergrey in neuer Besetzung gibt. Ihnen geht es, genauso wie mir, nur um die Musik. Wir sind keine Band, die seit über vierzig Jahren ohne Wechsel auskommen. Wenn man mal ehrlich ist, gibt es das heutzutage auch nur noch sehr selten. Viele Freundschaften zerbrechen daran, gemeinsam in einer Band aktiv zu sein.“ Schuld daran sei vor allem eine mangelhafte Kommunikation. Bei Evergrey sei man anstatt miteinander zu reden, einfach gegangen oder saß alleine für sich im Tourbus. Und gerade dieses Verhalten finde man oft bei Bands.
Die drei neuen Musiker waren lediglich drei Anrufe weit entfernt und schnell gefunden. Das gab Evergrey weiterhin Aufwind. Tom vergleicht dies gerne mit dem Ende einer Beziehung:
„Wenn man in einer Beziehung unglücklich mit dem Partner ist, dann ist man schließlich auch froh, ihn los zu sein und etwas Neues gefunden zu haben. Das gibt einem Kraft.“
Der Sänger gibt auch schließlich zu, dass er es beim Sonwriting-Prozess zum neuen Album „Glorious Collision“ sehr genossen habe, auf niemanden mehr großartig Rücksicht nehmen zu müssen. Er und Keyboarder Rickard waren „nur zwei Typen, die komponiert haben, ohne sich dabei fragen zu müssen, was die anderen Mitglieder darüber denken.“ Früher musste Tom alle vier fragen, wie sie den Song finden und natürlich gab es da immer jemanden, der etwas verändert haben wollte. Das habe unter anderem das Bandleben recht schwierig für ihn gemacht. Die Erlebnisse der vergangenen Jahre hat der Sänger schließlich in seinen Texten zum aktuellen Silberling verarbeitet. Seine Gedanken kann man während der ersten fünf Songs hören und interpretieren.
www.evergrey.net








