Slayer vor 40 Leuten
Wer kennt es nicht? Manchmal können ganz normale Merchandise-Artikel, die man auch heute noch überall kaufen kann, zu den größten Raritäten werden. Nämlich dann, wenn man sie in einem bestimmten Kontext ergattert hat. Meist wird einem diese Bedeutung erst Jahre später wirklich klar. So weiß auch Marcus Lenzen eine ganz besondere Geschichte zu seiner „Hell Awaits“-LP zu erzählen. Ein fast genauso wichtiges Andenken ist eine gewisse Eintrittskarte.
Aufgezeichnet von: Elvis Dolff
Fotos: Marcus Lenzen
Slayer kenne ich schon seit der ersten Platte. Das war damals vergleichsweise sehr harter Sound. Es war etwas Besonderes, als die „Hell Awaits“ herauskam. Das war schon das Kaputteste, was man bis dato gehört hatte. 1985 sollte in Duisburg ein Club aufmachen – in den Räumlichkeiten des ehemaligen Bahnhofskinos. Da kursierten Gerüchte, dass die Metallica gebucht hätten. Doch irgendwie hat sich das dann doch zerschlagen und plötzlich sollten Slayer spielen. Das war natürlich riesig und wir haben uns direkt Karten besorgt. Slayer waren damals auf „Hell Awaits“-Tour und das erste Mal in Europa.
Mit dem Bus nach Oberhausen
Als wir dann an dem Abend an dem Club ankamen, stellte sich heraus, dass das Ordnungsamt den Laden gar nicht erst aufgemacht hat. Um die Gründe ranken sich bis heute Gerüchte. Ich denke mal, das war so eine Feuerschutzgeschichte oder wegen fehlender Notausgänge. Jedenfalls war das ganze Ding in Duisburg damit gekippt. Der Veranstalter hatte aber einen Bus gechartert und karrte die ganzen Fans, die das vorher nicht mitbekommen haben, nach Oberhausen zu einer neuen Location. Ich glaube, dass das in irgendeiner Fabrikhalle auf dem heutigen Gelände des Zentrum Altenberg war. Da war damals noch nichts. In die Halle haben die eine Bühne reingebaut, dann noch einen Kühlschrank mit Bier und eine Ecke mit Merchandise. Aus meiner Erinnerung heraus würde ich sagen, dort waren rund 40 Fans. Eröffnet haben die Show die großartigen Roy Bean aus Duisburg. Außerdem spielten noch Destruction, deren Outfit damals einfach einmalig war – so wie auf dem Cover ihrer Scheibe.
Hanneman Bier weggesoffen
Und dann haben Slayer ein komplettes Set vor 40 Leuten gespielt. Da flog dermaßen die Kuh. Ich stand natürlich in der ersten Reihe, war schweißgebadet von der Hitze und durstig wie sonst was. Und es gab nichts außer dem Bier, das zwischen den Boxen aufgereiht war. Da hab ich dann dem Hanneman einfach die ganzen Biere weggesoffen. Der hat einfach nur gegrinst, denn der bekam ja immer neues angereicht. So hab ich dann quasi während des Konzerts mit ihm Bier getrunken. Am Ende hab ich mir die Platte geholt, weil ich nicht genug Geld für ein T-Shirt übrig hatte.
Die Platte selbst ist keine Sonderauflage. Groß ist einfach der ideelle Wert, denn immer wenn ich die auflege, muss ich an die Geschichte denken und grinsen. Ein Jahr später haben Slayer dann auf der „Reign In Blood“-Tour vor ausverkauftem Haus in der Grugahalle gespielt. Eine Band von der Größenordnung, die später ganze Festivals headlinet, noch vor 40 Leuten gesehen zu haben, war schon etwas anderes. Das war schon großartig, die Anfänge der Band und die ersten Deutschland-Gigs mit den Spinnern mitzunehmen! Zu keiner anderen Scheibe habe ich auch so präsent ein Live-Event im Kopf. Die LP trägt definitiv noch ein paar Schweißtropfen von dem Abend mit sich. Und dazu noch dieses Blatt Papier. Das war die offizielle Eintrittskarte. Auf der Rückseite ist sogar noch ein Stempel von der Konzertkasse Lange, die es auch heute noch in Duisburg gibt.










Januar 13th, 2012 at 12:08
Moinsen,
bei dem Gig war ich auch. War sowas von geil, die Show. Die sollten damals aber nicht im BAKI spielen, sondern im alten Wartesaal, da wo heute Burger und Zeitungen verschärbelt werden. Nach meiner Erinnerung war damals der local promoter mit der Vorverkaufskohle abgehauen und SLAYER saßen im Novotel um die Ecke und wollten gar nicht mehr spielen. Zentrum Altenberg hat die Sache dann übernommen.
Geil auch die Erinnerung, als Araya den Rest der Show 4-5 Songs ohne Bass die reine Frontsau rausgelassen hat. Es wurden keine neuen Saiten aufgezogen, da es die letzte Show der Tour war. Oder Dave Lombardo bei der letzten Zugabe im Nebel von 2 kg Mehl, das die Roadies über ihm ausgeschüttet haben.
Mein persönlicher Overkill war aber, daß Slayer mir vor der Show mein “Haunting…”-Poster mit Autogrammen zurückgaben. Das hatte ich zwei Tage vorher in Bochum gekauft und den Jungs nach der Show ins Auto gereicht, als die Karre plötzlich mit Band und Poster losfuhr.
Jaja damals …
Schön so eine Story, die wahrlich nur wenige erzählen können, nach 27 Jahren im Netz zu finden. Und tschüß…