Interview: Amon Amarth – “Moderne Wikinger”

Moderne Wikinger

AMON AMARTH bringen mittlerweile ihr achtes Studioalbum heraus. „Surtur Rising“ wird auch dieses Mal die Fans des boomenden Genres überzeugen. Zusammen mit Schlagzeuger Fredrik Andersson will METAL MIRROR diesen Boom etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Text: Jenny Bombeck
Fotos: Metal Blade

Das Viking-Metal-Genre kann sich immer noch an einer großen Beliebtheit erfreuen. Die Möchtegern-Heiden strömen begeistert zu den Konzerten und huldigen Thor und Konsorten mit Met aus ihren Trinkhörnern. Als Fan und Mitarbeiter bei einem Magazin kann man manchmal nicht mehr den Wald vor lauter Bäumen beziehungsweise neuen Veröffentlichungen sehen. Die meisten Neugründungen an Bands verlaufen im Sand. Es sind die Urgesteine des Genres, die an der vordersten Front stehen und sich im Glanze des Erfolgs sonnen können. Eine dieser altehrwürdigen Bands sind Amon Amarth. Die aus Tumba in Schweden stammende Truppe existiert schon seit den frühen Neunzigern und veröffentlicht seit 1998 regelmäßig erfolgreiche Alben. Die Schweden haben das gewisse Etwas, das sie von den anderen Wikinger-Truppen unterscheiden lässt.

Plötzlich war es ein Genre
Dass Viking Metal zu einem eigenen Genre mutierte, ist noch gar nicht so lange her. Als Amon Amarth sich gründeten und anfingen, gemeinsam im Proberaum zu üben, spielten sie für ihre persönliche Definition lediglich Melodic Death Metal mit Texten, die vom Heidentum inspiriert waren.
„Plötzlich interessierten sich die Leute verstärkt für diese Art von Musik. Es ist schon recht cool, dass man unserer Geschichte und unseren Vorfahren so viel Aufmerksamkeit schenkt. Es ist ja auch ein spannendes Thema und nicht nur ich finde, dass dieses auch sehr gut zu Metal-Musik passt“, reflektiert Fredrik.
Für ihn als Schweden sei es schön zu sehen, dass die Geschichte dadurch lebendig bleibt und nicht in Vergessenheit gerät. Die große Beliebtheit des Viking-Genres kann aber auch zu Nachteilen für vereinzelte Bands werden. Monatlich sprießen neue Platten wie Pilze aus dem Boden. Wie will man da noch als Band die Aufmerksamkeit der Hörer auf die eigene Platte lenken, die sie eigentlich verdient hat? Der Schlagzeuger sieht dies eher als ein allgemeines Problem der heutigen Metal-Szene:
„Zum Glück haben Amon Amarth mittlerweile ein bestimmtes Level erreicht, wo jeder zumindest den Namen der Band kennt. Daher läuft die Promotion für jedes Album recht gut und wir können uns auch wirklich nicht beschweren. Als junge Band hat man es dagegen wirklich schwerer. Aber das sieht man in jedem Genre. Es gibt einfach zu viele Leute, die in Bands spielen wollen und es kann offensichtlich nicht jede erfolgreich sein. Auf den Erfolg zu warten, sollte eh nicht der Grund sein, warum man Musik macht, aber das ist ein ganz anderes Thema.“

Viking oder Death?
Johan Hegg und Konsorten waren schon immer Musiker, für die es von großer Bedeutung war, zusammen in einem Proberaum, die Songs zu schreiben und zu proben. Auch noch heute läuft der Songwriting-Prozess bei ihnen so ab. Dieses traditionelle Proben findet man nicht mehr bei vielen Bands. Als Amon Amarth in ihren Kinderschuhen steckten und sich noch als Melodic-Death-Metal-Band sahen, waren ihre Einflüsse keine Viking-Bands, sondern schwedische Genrenachbarn wie At The Gates und Entombed. Vielleicht ist gerade dies der feine Unterschied zu den heutigen Viking-Bands. Amon Amarth wirken authentisch, ihr Wikinger-Image wirkt nicht aufgesetzt oder gar erzwungen.
„Also eigentlich ist es uns nicht so wichtig, in welches Genre uns die Leute packen. Aber ich würde behaupten, dass die Musik immer mehr zu dem wird, was wir früher hörten und was uns beeinflusste. Durch Johans Growls wird es immer Death Metal bleiben. Unsere Instrumentenfraktion findet zudem die Musik wichtiger als die Lyrics. Schon alleine deshalb sehen wir uns als Death-Metal-Band an.“

BODENSTÄNDIGKEIT IST GEFRAGT
Eins ist auf jeden Fall sicher: Amon Amarth fühlen sich durch die Kategorisierung nicht eingeengt. Im Gegensatz zu vielen Kollegen will die Band ihren Stil nicht verändern, um interessant zu bleiben. Lediglich die Qualität werde verbessert. Alles andere soll bleiben wie es ist, da die bärtigen Männer mittlerweile auch einen Weg gefunden haben, die Nordische Mythologie mit persönlichen Gedanken zu verbinden. Und schließlich sollen die Hörer erkennen, dass sie gerade ein Amon-Amarth-Album in den Player gepackt haben. Den Mitgliedern ist es wichtig, dass die Alben zudem keine reinen Geschichtsstunden sind. So wie beim neuen Album „Surtur Rising“ gibt es zwar eine Hauptfigur aus der Mythologie, aber die Geschehnisse drumherum seien teilweise frei erfunden. Man wolle sich durch die Kombination von historischen Parts und persönlichen Gedanken einen Freiraum schaffen und vor allem zeige das, dass man auch als Viking-Band textlich gesehen einen gewissen Spielraum habe.
Während einige Bands auf Pseudo-Heiden machen, die auch in ihren eigenen vier Wänden die alten Traditionen leben, geben Amon Amarth gerne offen zu, dass sie damit als Privatmenschen nichts am Hut haben:
„Wir sind alle keine religiösen Menschen und geben auch nicht vor, die heidnischen Bräuche zu wahren. Wir leben in einem modernen Zeitalter, da ziemt es sich nicht mehr mit dem Pferd zum Supermarkt zu reiten.“ Bodenständigkeit ist bei dieser Band das Schlagwort: Musik oder besser gesagt Viking Metal spielen, ohne das Kalkül zu haben, dass man Geld damit verdient.
„Für uns ist und war es immer ein Hobby. Wir haben das Glück, damit jetzt unser Leben zu bestreiten, aber es war nie ein Ziel von uns. Wir wissen das zu würdigen und wissen, dass dieser Zustand nicht ewig andauern wird“, stellt Fredrik stellvertretend für die Band klar.

www.amonamarth.com

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