Interview: Debauchery – “Aus dem Lehren in die Vollen”
Aus dem Lehren in die Vollen
Das Lehrerdasein hat Thomas Gurrath an den Nagel gehängt. Mittlerweile konzentriert er sich nur noch auf seine Musik. Mit DEBAUCHERY bringt er nicht nur ein neues Album raus, er castet auch gleich Models.
Text: Elvis Dolff | Foto: AFM
Durch wie viele Medien ist die Geschichte letztes Jahr nicht alles gegangen. Thomas Gurrath, Sänger und Gitarrist der blutigen, deutschen Death-Metal-Combo Debauchery musste seinen Job als Lehrer niederlegen, weil sein berufliches Umfeld daran zweifelte, ob ein Mensch, der privat solch eine provokante Band habe, Kinder unterrichten könne. Da fielen Begriffe wie „mental instabil“ und sogar Spiegel Online berichtete diesen ach so großen Streitfall „Künstlerfreiheit vs. Kindersicherheit“. Doch Thomas hat mit dem Thema heute abgeschlossen. Auch wenn ihn die Medien immer noch darauf ansprechen, ist das Lehrerding für ihn durch. Die rechtlichen Schritte, die er gegen die Entscheidung prüfen wollte, sind ebenfalls eher von den Medien aufgebauscht worden. „Ich wollte das mal prüfen, aber das lohnt sich nicht. Man hört immer wieder von den Leuten, die das machen und dann ewig Stress damit haben. Das macht einen nur mürbe“, so Thomas zu der Angelegenheit. Eine Lehrerposition in irgendeiner anderen, beispielsweise privaten Form schließt er ebenfalls aus: „Das ginge bestimmt irgendwie, aber dafür hab ich auch nicht ganz die Ausbildung und jetzt bin ich halt Musiker!“ Und genau das stellt er mit Debauchery dieser Tage wieder unter Beweis.
So natrlich wie möglich
„Germany’s Next Death Metal“ erscheint und überzeugt wieder mit typischen Debauchery-Elementen und einem etwas roheren Sound. „Ja, das ist ein deutsches Ding. Ich fand es immer schon geil, alles so steril zu haben, so dass es stampft, so wie bei Rammstein. Aber auch Rick Rubin gefällt mir. Der versucht immer die Essenz der Band einzufangen. Das hab ich auch versucht. Auf dem letzten Album habe ich viele Samples benutzt und jetzt hab ich mir gedacht: ‚Wozu das alles?‘ Das Album ist sehr minimalistisch. Im Gegensatz zu sonst haben wir nur zwei statt vier Gitarren aufgenommen. Es ist der Versuch, alles so natürlich und roh wie möglich zu halten“, so Thomas.
Und genauso roh und klar klingt auch die Ansage des ersten Songs „The Unbroken“. Doch eine Verbindung zu den Ereignissen des letzten Jahres schließt er aus: „Es ist generell die Ansage, dass man nicht ganz kaputt ist. Man ist halt immer noch da. Das mit dem Lehrerding ist jetzt ja nicht so der dramatischste Schicksalsschlag.“
Aber das ist nicht das einzig bemerkenswerte an der neuen Platte. Allein der Titel lässt Wortspielerherzen höher schlagen. „Germany’s Next Death Metal“ scheint anfangs nur ein gelungener Zufall gewesen zu sein, der aber immer mehr zum Konzept heranwächst. Thomas dazu: „Ja, ich hatte da ein Poster von Germany’s Next Top Model gesehen und da ist mir das Wortspiel eingefallen. Nach einem halben Jahr war das dann immer noch der beste Titel und wir haben den genommen. Das Ganze sagt aber noch mehr aus: Wir sind eine deutsche Death-Metal-Band, kein Tampa- oder Schweden-Death – das ist ein deutsches Ding.“
Germany’s Next Death Mädel
Im Endeffekt hat sich daraus aber sogar noch mehr ergeben: Debauchery suchen derzeit in Kooperation mit einigen Medienpartnern das „Blood Babe“. „Aus der anfänglichen Gag-Idee ist wirklich mehr geworden. Passt ja auch wunderbar zu uns, jetzt auch mal eine zu casten“, so Thomas weiter. Der Siegerin winkt ein Fotoshooting und ein Auftritt im neuen Video. Ob sie auch mal mit auf Tour mitkommt, bleibt noch offen. „Hängt natürlich von der Gewinnerin ab. Wenn sie darauf Bock hat, kann man da bestimmt was arrangieren“, fügt er hinzu.
Debauchery scheinen alles im Griff zu haben und sich nun voll und ganz auf Musik zu konzentrieren. Viele Pläne haben sie auch, so erklärt Thomas enthusiastisch: „Ich persönlich habe ja auch noch Big Ball und würde gerne Hard Rock machen. Ich plane aber auch etwas mit so Horror- und Fantasyfiguren.“
Die Jungs stehen also voll im Saft… äh…Blut.
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