Interview: Illdisposed – “Wo ist das Licht?”

Interview Illdisposed (Jacob Batten)

Wo ist das Licht?

Die sonst so fröhlichen Dänen geben sich 2011 missmutig und depressiv. Die Verkaufszahlen sinken, die Musikindustrie bricht auseinander. ILLDISPOSED fragen sich: Wo ist das Licht geblieben?

Text: Elvis Dolff | Fotos: Massacre

„There Is Light (But It‘s Not For Me)“ ist der Titel des neuen Illdisposed-Albums, das einige neue Pfade, der sonst so fröhlich wirkenden Dänen einschlägt. Allein der Titel fasst die Tonalität der Lyrics des gesamten Albums ganz gut zusammen. „Die Texte sind sehr depressiv und negativ. Es geht darum, dass das Leben manchmal ziemlich scheiße sein kann – und das trifft der Titel ganz gut“, so Gitarrist Jacob Batten. Musikalisch untermalt das ein ganzer Schub Neuheiten, weiß er zu berichten: „Das Album ist härter, schneller und besser produziert als das letzte. Es ist gleichzeitig Old School und modern. Und wir haben noch nie so viele Synthesizer benutzt. Außerdem wurden die Drums in einem leeren Swimmingpool aufgenommen und die Gitarren in einer Sauna. Das ist definitiv neu.“

„Der Rest ist scheiße!“
Generell werfen Illdisposed nicht nur auf ihrem Album einen kritischen Blick auf das Leben – auch die Metal-Szene (besonders in Dänemark) ist in ihren Augen nicht das Wahre. „Die dänische Metal-Szene ist mies. Wir sind nur eine Handvoll von Bands, die man außerhalb von Dänemark kennt. Der Rest ist einfach scheiße. Viele Bands nutzen einfach nicht die Chance mal herauszukommen.”
Illdisposed waren schon immer besonders –  die lustigen, verrückten Dänen. „So sind wir einfach. Typisch dänisch ist das nicht – zumindest nicht in der Metal-Szene. Uns gehen die ganzen Bands auf den Sack, die vorgeben, was zu sein, was sie nicht sind. Und die Leute scheinen das zu glauben. Den überdurchschnittlichen IQ findest du im Heavy Metal nicht“, wettert Jacob weiter.
Aber bei all dem Ärger rundherum gibt es auch was zu feiern: Illdisposed werden dieses Jahr zwanzig! In den zwei Jahrzehnten lief es nicht immer rund. Vor rund zehn Jahren stand die Band kurz vor der Auflösung. „Wir hatten viele Line-Up-Wechsel. Die Struktur der Band veränderte sich.“ Auf die Frage, ob man denn nun da ist, wo man hinwollte, trübt sich die Stimmung wieder: „Die ganze Musikindustrie geht gerade kaputt, unsere Verkaufszahlen gehen runter und kein Mensch scheint mehr CDs zu kaufen – also nein, wir sind nicht wirklich, wo wir hinwollten. Aber wir machen Musik seit über 20 Jahren, wir können nicht mehr ohne. Und uns verbinden eine enge Freundschaft und schöne Erinnerungen – so schlimm ist es am Ende also nicht“, schließt Jacob.
Es gibt also doch noch Licht – auch für Illdisposed.
www.illdisposed.dk