Wo sich Flammen paaren
Mit „Triune Impurity Rites“ wagten NECROS CHRISTOS die ersten Schritte raus aus dem puren Underground, „Doom Of The Occult“ hingegen bringt die Berliner Band auf ein ganz neues Level, und trotz gewisser Genre-Eingrenzungen geht es musikalisch zwei Schritte nach vorne.
Text: David Dankert | Fotos: Ván
Dass Necros Christos mehr als eine ganz normale Standard-Death-Metal-Band sind, ist spätestens seit dem Debüt „Triune Impurity Rites“ kein Geheimnis mehr in der Szene. Wie außergewöhnlich und speziell der Sound allerdings ist, lässt sich nach „Doom Of The Occult“ nicht mehr leugnen: „Die alten Songs hatten fast alle den gleichen Aufbau und das gleiche Arrangement, was aber durchaus so beabsichtigt war. Die Platte sollte dadurch einen Mantra-artigen Fluss bekommen, so dass man hinein gezogen wird und nicht mehr herauskommt. Bei „Doom Of The Occult“ ist jetzt jeder Song in einer anderen Tonart, wodurch das Material viel spannender und vertrackter ist, die Songs ähneln sich nicht mehr so stark untereinander.“ Dass angesichts der höheren Abwechslung und der dichten Atmosphäre bei Necros Christos dennoch der ein oder andere nichts mit den vielen Intros und Outros anfangen kann, ist für Sänger Mors Dalos Ra trotz des hohen Anspruchs an die eigene Kunst nicht weiter dramatisch: „Ich denke viele werden Probleme mit dem großen Akustik-Anteil auf der Scheibe haben, aber das war von vorne herein klar. Man kann es nicht jedem Recht machen, aber ich habe auch einen ganz geheimen Tipp für diejenigen, die die Akustikteile nicht mögen: Es gibt eine Skip-Taste. Auch wenn ich das Album persönlich als großes Ganzes sehe, habe ich keine Probleme damit, wenn jemand sagt, dass ihm die Metal-Songs gefallen und er sich den Rest nicht anhören kann, dann ist es nun mal so. Da kann ich auch nichts dran ändern.“
Hügel und Täler
Obwohl es also kein Geheimnis für die Band ist, dass es durchaus auch Leute gibt, die eben jene atmosphärischen Intros skippen, investieren Necros Christos und vor allem Mors Dalos Ra genauso viel Zeit in das Schreiben von Intros, wie in die metallischen Parts des Albums. „Die Zeiten, in denen Bands richtige Alben veröffentlichten, sind bedingt durch die ganze MP3- und Download-Scheiße leider vorbei. Ich bin der Meinung, wir veröffentlichen immer noch „richtige Alben“ und gerade die Intros und Gates lassen die Metal-Songs auch viel mehr an Leben gewinnen und düsterer werden. Dadurch entstehen bei uns diese Hügel und Täler, dieses Wechselspiel zwischen Orgelstücken, orientalischen Stücken und Metal-Songs macht das Ganze noch spannender. Wer ein stinknormales Death-Metal-Album hören will, sollte besser nicht Necros Christos hören.“ Dass die Texte auf „Doom Of The Occult“ dabei der besonderen Strukturierung der Musik in keiner Weise in etwas nachstehen und Mors Dalos Ra genauso viel Arbeitszeit abverlangen wie das Schreiben der Musik selbst, gerät dabei schon fast in den Hintergrund. So stellt „Doom Of The Occult“ zwar kein zusammenhängendes lyrisches Konzept dar, allerdings „basiert das Album komplett auf dem neunarmigen Chanukka-Leuchter, der somit als architektonisches Konzept für dieses Album diente.“ So werden jeweils zwei Songs als ein Flammenpaar zusammengefasst, abgesehen von der mittleren großen Flamme, die durch einen einzelnen Song repräsentiert wird.
„Die ersten beiden Flammenpaare sind „Baal Of Ekron“ und „Hathor Of Dendera“ und handeln von alten Götzen und Gottheitein, nämlich Baal, die Stadtgötze von Ekron, einer Stadt im alten Palästina. Dort wurde Baal angebetet und später ist daraus auch „Beelzebub“ im Christentum entstanden. „Hathor Of Dendera berichtet von der alten ägyptischen Göttin Hathor, die die Göttin der Liebe und zugleich die Hüterin der Unterwelt war. „Necromantique Nun“ und „Invoked From Carrion Slumber“ handeln wiederrum von der Hexe En-Dor, das ist eine ganz finstere Geschichte aus der Bibel, da geht es darum, dass Leute zu der Hexe kamen, um die Toten zu befragen. Die nächste Flamme ist die große in der Mitte in Form von dem fast 10-minütigen Song „Doom Of Kali Ma-Pyramid Of Shakti Love-Flame Of Master Shiva“ welcher von der indischen Dreifaltigkeit Kali, Shakti und Shiva handelt. Flammen sechs und sieben befassen sich aus der alt-ägyptischen Sicht mit der Vergänglichkeit des Fleisches und die letzten beiden Flammen handeln von den Grabstätten der Pharaonen im alten Ägypten.“
Logisch, dass solche Texte den ein oder anderen Fan, der einfach „nur“ Death Metal hören will, nicht ansprechen. Dennoch kann Mors Dalos Ra sich keine anderen Texte für seine Musik vorstellen: „Das ist eine Passion, eine Leidenschaft. Ich befasse mich mit solchen Dingen seit fast 20 Jahren, für mich persönlich steht fest, dass ich immer so etwas machen werde.“ Doch auch der Rest von Necros Christos nimmt die lyrische Seite der Band keineswegs auf die leichte Schulter. Zwar spricht Mors Dalos Ra davon, dass jeder eigene spirituelle Ansichten hätte und es somit keine „gleichgeschalteten Geister“ sind, Schwierigkeiten bereitet dies der Bandharmonie allerdings nicht.
Keine Verbindung
Komplizierter hingegen gestaltete sich die Suche nach Gastmusikern für die Zwischenstücke auf „Doom Of The Occult“: „Beim Chor war das schon nicht einfach, da ich kein Blatt vor den Mund genommen habe und klar gesagt habe, worum es geht. Bei Zweien aus dem Ensemble lief es darauf hinaus, dass die gesagt haben: ‚Wir finden deine Musik toll, wir respektieren dich als Künstler, aber wir möchten nicht mit den Inhalten in Verbindung gebracht werden.‘ Deswegen stehen von zwei Leuten nur die Initialien in den Credits. Das respektiere ich.“
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