Interview: Stephan Liehr vom Dong Open Air – “Die Dinge entwickeln sich”

Interview Dong Open Air (Stephan Liehr)

“Die Dinge entwickeln sich”

Seit Jahren ist das DONG OPEN AIR binnen kürzester Zeit ausverkauft. Das Festival scheint am Limit angekommen zu sein. Dachte man zumindest. Doch dann verkündeten die Organisatoren nicht nur, dass man mit Overkill und Iced Earth die beiden größten Headliner in der Historie der Veranstaltung verpflichtet hat, obendrein wird das Kultfestival vom Niederrhein um einen Tag verlängert. Zum Unmut mancher Fans, die sich über den erhöhten Ticketpreis ärgern und befürchten, dass das Dong seinen Charakter verliert. Wir konfrontierten Veranstalter Stephan Liehr.

Interview & Fotos: Dorian Gorr

Stephan, ihr habt dieses Jahr Overkill und Iced Earth als Headliner verpflichten können. Ich habe da zuerst meinen Augen nicht trauen können. Wie bezahlt ihr das?
Genau so wie in jedem Jahr: Durch die Ticketeinnahmen und den Bierverkauf. Mit Booking ist es nicht immer so einfach. Manchmal hat man Glück, manchmal Pech. In diesem Fall hat einfach alles zusammengepasst. Die Bands sind zwar an unserem oberen Limit, aber wir können das noch bezahlen.

Im Gegenzug ist der Ticketpreis teurer geworden. Mittlerweile wollt ihr 39,90 € für eine Karte haben. Im Gästebuch gibt es da etliche negative Stimmen, die befürchten, dass das Dong Open Air seinen Charakter verliert, nur um große Bands zu verpflichten. Ist der Gedanke berechtigt?
Diese Diskussion haben wir auch wahrgenommen. Wir freuen uns auch über die Reaktionen, das macht es uns leichter. Als die Leute befürchteten, dass wir unseren Spirit verlieren, sahen wir da Erklärungsbedarf. Deswegen haben wir ein großes Statement auf unserer Webseite veröffentlicht, in dem wir auf all die Punkte, also Zukunft, Preise, Planung und Bands, eingehen. Wir nehmen es niemanden übel, wenn er sagt, dass er wegen des erhöhten Preises nicht mehr anreist, aber die Wahrheit ist: Wir sind dieses Jahr nicht teurer, weil wir die beiden Bands gebucht haben. Es geht uns nicht darum, dass wir um jeden Preis expandieren.

Das hätte man ja durchaus vermuten können. Eure Kapazitäten sind seit Jahren ausgeschöpft. Da liegt es doch nahe, dass man vermutet, ihr würdet euch deswegen in anderen Bereichen entwickeln und eben expandieren wollen. Das ist aber nicht der Fall?

Nein. Das Festival wäre so oder so teurer geworden, weil wir in Sachen Technik nachrüsten müssen. Als wir das gesagt haben, haben die Leute auch gleich Panik bekommen, ob wir jetzt das größere Zelt holen, weil wir mehr Leute auf den Berg bekommen wollen. Aber das ist nicht der Fall. Das Zelt wird größer, weil die Bühnenfläche größer wird. Bei den Apokalyptischen Reitern hast du doch letztes Jahr gesehen, dass den halben Tag deren Kram schon auf der Bühne stand, aber eben abgedeckt. Das musste gemacht werden, weil die abendliche Umbaupause nicht gereicht hätte. Solche Abläufe wollen wir mit einer größeren Bühne und Roll-Raisern verbessern. Dann kann man schon hinter der Bühne aufbauen, während vorne noch eine Band spielt. Außerdem waren wir mit unserem Licht am unteren Minimum. Wir standen vor drei Optionen. Erstens: So weiter machen wie bisher, aber dadurch Gefahr laufen, dass Headliner unzufrieden sind. Zweitens: Die Gefahr umgehen und eher mit kleinen Bands zusammenarbeiten. Da wir das aber nicht wollten, weil für uns als Ehrenamtliche das Programm die Belohnung ist, haben wir uns für Variante drei entschieden: Die Gegebenheiten dem anpassen, was wir buchen. Nur: Das kostet eben Geld. Und als der Preis dann anstieg, dachten wir uns, dass wir den Besuchern dann wenigstens einen weiteren Tag bieten wollen. Das diesjährige Dong Open Air hat also Pilotcharakter.

Wie gespannt hast du dem Vorverkauf nach den vielen kritischen Stimmen im Gästebuch entgegengeblickt?
Ich war gespannter als im Vorjahr. Ich war aber durchaus zuversichtlich, dass wir wieder ausverkauft sein würden. Aber ich hätte nicht gedacht, dass das wieder so schnell gehen würde (Nach 16 Minuten waren alle Karten vergriffen – dg).

Letztes Jahr hast du mir angedroht, dass ihr in diesem Jahr mehr Metalcore-Bands ins Billing holen wollt. So schlimm ist das jetzt aber gar nicht geworden…
Wir haben das probiert, aber es hat nicht geklappt. Wahrscheinlich weil uns diese Szene noch nicht so auf dem Schirm hat. Für uns gehört Metalcore genau so dazu wie jede andere Richtung auch. Das würde das Billing noch bunter machen. Also schreib ruhig, dass sich die Bands im nächsten Jahr gerne bei uns bewerben dürfen.

Besteht die Möglichkeit, dass nächstes Jahr wieder alles anders wird?
Das ist natürlich möglich. Wir sammeln da jetzt erstmal die Erfahrungen. Wir werden den dritten Tag nicht um jeden Preis am Leben erhalten. Wenn wir merken, dass das nicht den gewünschten Mehrwert bringt, dann lassen wir das. Vielleicht wird der dritte Tag noch ausgeweitet, vielleicht ganz abgeschafft. Die Dinge entwickeln sich.
www.dongopenair.de

Hinterlasse einen Kommentar