Interview: Suidakra – “Im Kilt zum Musikantenstadl”
Im Kilt zum Musikantenstadl
Wir schreiben das Zeitalter der unbegrenzten Möglichkeiten. Nichtsdestotrotz beschreiten SUIDAKRA mit ihrem neuen Album konsequent lange zuvor eingeschlagene Wege und stellen klar, warum weder Schottenrock noch Karl Moik eine ernsthafte Option sind.
Text: Miriam Görge | Foto: AFM
Die Kritiker überschlagen sich mit Lob, die Fanbase ist treu und trotzdem sind Suidakra auch nach zehn Alben alles andere als des Deutschen liebstes Kind. Warum weiß keiner so genau, auch Fronter Arkadius nicht. „Deutschland hat ein ganz komisches Verhältnis zu Suidakra“, muss er ratlos feststellen. Während die USA innerhalb weniger Jahre quasi im Sturm erobert wurden, kämpft das Trio hierzulande nach wie vor um die gebührende Aufmerksamkeit. „In Deutschland ist das manchmal schwierig, weil die Leute sich denken ‚Heute regnet’s, da geh ich nicht hin.’ Die Menschen hier sind übersättigt, während beispielsweise die Südländer noch total heiß drauf sind, dich live zu sehen. Die nehmen schon mal 300 Kilometer Anfahrt in Kauf.“ Speziell von großen Magazinen fühlt man sich etwas vernachlässigt.
Zeit, das Konzept zu überdenken? Schließlich ist „Folk“ ein dehnbarer Begriff und Deutschland hat seine ganz eigene Art der Volksmusik. Warum also nicht mal Pauken und Trompeten auspacken und zum fröhlichen Schunkeln einladen? So schnell wie die Idee im Raum steht, stößt sie auf kategorische Ablehnung. „Selbst volltrunken unvorstellbar!“ Die Vorzeichen für ein solches Unterfangen stünden eh schlecht, muss Arkadius doch zugeben, „nicht so der Blastyp“ zu sein, weshalb er selbst vom Dudelsack die eigenen Finger lässt und Saiten- sowie Tasteninstrumenten den Vorzug gibt. Die Faszination für die Sackpfeife bleibt jedoch.
Mythologie ohne Mythos
Doch warum eigentlich? Welch glorreicher, wahrlich mystischer Moment verbirgt sich hinter der Entscheidung, Suidakra keltischen Geist einzuhauchen? Wer nun ein weltbewegendes Ereignis, wie eine Begegnung mit dem Ungeheuer von Loch Ness erwartet, muss feststellen, dass solche Entwicklungen oftmals ganz unspektakulär von statten gehen. „Wir suchten damals ein Ventil, um etwas anderes als eine reine Melo-Death-Platte machen zu können. Wir wollten unseren Sound bereichern.“ Nicht unbedingt verwunderlich, dass die Wahl schnell auf Folklore fiel, denn all jenes begab sich zu einer Zeit, als Pagan Metal und seine Gefährten noch seltene Phänomene waren. Neben dem Klangspektrum schätzt Arkadius, der von je her großes Interesse für das Thema Geschichte an den Tag legt, besonders die vielen Facetten der keltischen Mythologie und die sich dadurch ergebenden Möglichkeiten, verschiedene Emotionen zu erzeugen. Mit „Book Of Dowth“ zum Beispiel widmet sich das Trio der düsteren Seite der Thematik. Auf das Ergebnis dieser Arbeit ist man fernab jeglicher Plattitüde schlichtweg stolz, vereint das Album doch „sämtliche Stärken von Suidakra“. Das bedeutet für den Fronter in erster Linie, eine Metalband zu sein. Zwar eine, die sich folkloristischer Stilmittel bedient, jedoch primär die harte Gangart braucht, um sich in ihrer Haut so richtig wohl zu fühlen.
KILT? Nein danke!
Ein Schottenrock gehört zum Wohlfühlerlebnis unter gar keinen Umständen, obwohl die Bewegungsfreiheit unterhalb der Taille durchaus seinen Reiz hat. Arkadius versichert, dass es nicht seine unrasierten O-Beine sind, die gegen ein solches Accessoire sprechen: „Wir wollen diese Folk-Geschichte auch nicht zu sehr auf die Spitze treiben. Deswegen wollen wir auch nicht mit irgendwelchen Sachen auf die Bühne gehen, die etwas repräsentieren, was wir nicht sind!“ Schade für die Damenwelt, aber ein klares Statement, was besonders die an das Suidakra-Live-Brett gewöhnten Fans freuen dürfte. Die bekommen übrigens zeitnah die Möglichkeit, die Band auf ihrer Europa-Tour zu besuchen.
www.suidakra.de



