Interview: Vintersorg – “Der Pulsschlag der Erde”

Interview Vintersorg

Der Pulsschlag der Erde

Von der Natur beeinflusst zeigen sich heute viele Bands, doch kaum einer nimmt man das so sehr ab wie VINTERSORG. Die progressive Folk-Band spürt auch 2011 den Erdpuls.

Text: Elvis Dolff | Fotos: Napalm

Andreas Hedlund alias Vintersorg ist bekannt dafür, jede Sekunde seiner Zeit für durchweg professionelle Musik hinzugeben und in mehr als nur einem Projekt die verschiedensten musikalischen Stile und Elemente zu streifen. Bork-nagar, Fission, Otyg, Waterclime und Cronian stehen für sehr unterschiedliche Herangehensweisen, die wohl einzig der schreiberische Genius Vintersorg dahinter verbindet. Sein eigentliches Hauptprojekt Vintersorg besticht zudem in sich schon durch seine Lebendigkeit und Wandlungsfähigkeit. Herrschten auf den ersten Alben anno 1994 noch Folk und Black Metal, kamen seit „Cosmic Genesis“ immer progressivere Elemente zum Einsatz. Die Lyrics wandten sich vom Heidentum zu kosmisch-philosophischen Betrachtungen, die Musik wandelte sich zu progressivem Avantgarde-Rock. Er selber sieht diese Entwicklung als natürlichen Fluss der Dinge: „Ich befasse mich gar nicht mit der ganzen Sache – ob das nun unser Metal-Album oder Folk-Album ist. Jedes Album steht für das Kapitel, in dem wir uns befinden. Natürlich gibt es eine Entwicklung zwischen den Alben. Wir sind sehr aufgeschlossen als Menschen und als Musiker und wollen immer neue Felder betreten. Wir versuchen immer neue Seiten unseres musikalischen Wesens zu entdecken.“
Das neue Album schließt stilistisch gewissermaßen einen Kreis. „Jordpuls“ kehrt wieder zurück zu vielen folkigen Elementen, gepaart mit Black Metal und Vintersorgs unvergleichlicher Stimmenvielfalt. „Diese Entwicklung war keineswegs bewusst. Wenn ich Songs schreibe, mache ich das aus einer bestimmten Emotion und Inspiration heraus. Hier waren es wieder der Folk und die harschen Klänge. Dabei fühlten wir uns gut und schrieben weitere Songs auf diese Weise. Am Ende ist es ein flüchtiger Blick zurück, aber ein Sprung vorwärts“, so Hedlund. Die Kombination dieser musikalischen Elemente war zur Zeit der ersten Alben noch etwas Besonderes, erinnert er sich: „Damals empfand ich es als sehr interessante Art sich auszudrücken. Der Kontrast zwischen dem Derben und dem Melodischen. Ich habe es immer geliebt experimentelle Musik zu machen. Viele konnten sich Black Metal nicht mit akustischen Gitarren vorstellen, aber darauf hab ich nie etwas gegeben.“

Natur – mein bester Freund
Eine besondere Beziehung hat Vintersorg auch schon immer zur Natur gehabt. „Ich bin auf dem Land groß geworden. Die Natur war mein bester Freund und ich habe immer eine starke Verbindung zu ihr gespürt. Für mich ist es ein Platz der Erholung, des Denkens und der Inspiration. Ich versuche auch mein Leben so zu leben, dass ich ihr so wenig wie möglich schade. Sie war immer ein großer Teil meines Lebens – auch im Bezug auf meine Musik“, so Hedlund. Die Beziehung zwischen Natur und Musik sieht er ebenfalls sehr deutlich: „All diese Klänge sind einfach da draußen. In den verschiedenen Ecken der Natur findest du das ganze Spektrum. Elementarer Klang wie der Wind oder die Flüsse oder die Tiere. All das war schon da, bevor wir da waren und deshalb haben Klänge wohl auch einen so großen Einfluss auf uns. Manche können dich beruhigen, manche jagen dir Angst ein. Ganz einfach weil es eine Art Urkraft ist.“
Musik könne man auch als Werkzeug nutzen. „Wenn ich Musik schreibe, dann aus einer sehr emotionalen Sichtweise heraus. Trotzdem kann man sich mit Musik überlisten. Manche Leute hören traurige Musik, wenn sie traurig sind. Manche fröhliche, um sich selbst zu manipulieren“, so Vintersorg weiter. Ob er seine Musik als Werkzeug verwendet und ein gewisses Ziel verfolgt, weiß er aber zu korrigieren: „Ein Ziel haben wir nicht wirklich. Wir nehmen unsere Kunst sehr ernst. Wir sind nicht da, um zu unterhalten. Die Musik hat eine tiefere Bedeutung und wir wollen, dass man uns auf unserer emotionalen Reise begleitet. Unser Ziel ist es, unserer Vision treu zu bleiben – wir wollen keine Rockstars sein.“

Der Vision treu bleiben
Die starke Verbindung zwischen Musik, Natur und Vintersorg findet auch gerade auf „Jordpuls“ (Erdpuls ihren Ausdruck. „Mit jedem Atemzug als Mensch bis du ein Teil der Natur. Du kannst den Jordpuls also mit jedem Herzschlag auf Erden spüren. Für mich persönlich ist es auch wiederum diese starke Verbindung und Nähe, die ich zur Natur empfinde.“ Generell beschreibe das Album die Beziehung zwischen der Menschheit und der Natur und den größeren kosmischen Ereignissen. „Es ist ein endloses Feld, das man erforschen kann. Ich habe es schon von den verschiedensten Blickwinkeln beleuchtet. Dieses Mal liegt der Fokus mehr auf der Natur und der romantischen und philosophischen Betrachtung der Umgebung und wie Menschen davon bereichert werden können. Aber auch, wie wir der Natur sehr viel Schaden zufügen.“
Das beschreibt beispielsweise der Song „Världsalltets Fanfar“: „Es geht um das gute Gefühl, das man hat, wenn man die Natur als einen guten Freund behandelt. Wenn du dich schlecht gegenüber einem Freund verhältst, verhält er sich auch schlecht zu dir.“ Etwas beschreibender ist hingegen „Klippor Och Skär“: „Der Song beschreibt die Gegend, in der ich hier lebe, nahe dem Archipel. Ganz weit im Norden von Schweden. Die ganze Atmosphäre gibt mir so viele gute Ideen für meine Musik. Diese ruhige Umgebung, die aber auch Gefahren birgt, wie die Unterwasserinseln, die eine Gefahr für Boote auf See sind.“
Die volle Vereinnahmung durch die eigenen Projekte, die hier mitschwingt, zeigt sich auch in den Zukunftsplänen. „Wir haben schon einige neue Songs geschrieben, die sehr vielversprechend sind. Ich denke aber, die werden sich noch sehr ändern. Im Moment sind wir auch nicht wirklich ein Live-Act. Ich und Matthias haben auch noch normale Jobs und kaum Zeit für irgendwas anderes.“
Das liegt wohl in der Natur von Vintersorg.
www.myspace.com/vintersorganic

Ein Kommentar zu “Interview: Vintersorg – “Der Pulsschlag der Erde””

  1. Jordpuls interviews - Page 2 - Ultimate Metal Forum:

    [...] someone dares to read an interview and isn't bothered by German, then here's [...]

Hinterlasse einen Kommentar