Artikelserie “Mein bestes Stück”: Mandy – “Plektrum eines Superhelden”

Artikel Mandy

Plektrum eines Superhelden

In dieser Artikelserie stellen Musik-Fans Accessoires vor, mit denen sie eine besondere Geschichte verbinden. Nachdem Slayer-Fan Marcus Lenzen in der letzten Ausgabe über ein 40-Personen-Konzert berichtet hat, folgt diesmal das Kontrastprogramm: Die 17-jährige Mandy trägt seit einem Konzert der Grailknights das Plektrum des kürzlich ausgestiegenen Gitarristen Lord Lightbringer um ihren Hals.

Aufgezeichnet von: Dorian Gorr
Fotos: Dorian Gorr

Den Plan, mir eine Halskette aus dem Plektrum von Lord Lightbringer zu basteln, hatte ich schon, als ich hörte, dass er bei den Grailknights aussteigen wird, um nach Dublin zu gehen. Ich stand bisher bei all meinen Grailknights-Konzerten in der ersten Reihe, immer vorne rechts, direkt vor Lord Lightbringer. Doch er hat nie ein Plektrum ins Publikum geworfen, das ich dann hätte fangen können.

Auch bei seinem Abschiedskonzert, wo ich mit der festen Absicht hinging, diesmal ein Plektrum von ihm zu ergattern, warf er keines in die Menge. Also habe ich nach dem Konzert gewartet. Die Grailknights sind eine sehr fanfreundliche Band und nehmen sich nach jedem Konzert immer viel Zeit, um sich mit allen zu unterhalten und Fotos zu machen. Er kam auch nach einiger Zeit hinaus und war sofort umringt von tausend Frauen. Aber da wir uns schon einmal kurz unterhalten haben und ich ihn auch schon einmal in einem Pub getroffen habe, erkannte er mich und kam auf mich zu. Ich fragte ihn, ob er mir ein Plektrum von sich schenken würde. Er meinte, dass er gucken würde, was sich machen ließe und verschwand. Zehn Minuten später kam er tatsächlich mit drei Plektren zurück und gab sie mir mit den Worten, dass ich sie mir verdient hätte, weil ich bei den Konzerten immer in der ersten Reihe stünde. Es waren seine letzten drei Plektren, da er ja bei den Grailknights aufhört.

„Das war mein peinlichstes Erlebnis!“
Schon vorher habe ich mich ein paar Mal mit Lord Lightbringer unterhalten. Schon bei meinem  allerersten Grailknights-Konzert fiel mir nach der Show ein gutaussehener Typ in Grailknights-Jacke auf, der sich bei näherem Hingucken als Lord Lightbringer entpuppte. Damals habe ich schon ein Foto mit ihm gemacht und er unterschrieb auf meiner Karte mit „Hail to Lady Mandy!“ Daneben malte er einen kleinen Gral.

Wenig später traf ich ihn zufällig in einem Irish Pub hier in Hannover. Zuerst erkannte ich ihn gar nicht, da er seine langen blonden Haare zum Zopf gebunden hatte, eine Brille trug und natürlich ungeschminkt war. Als ich ihn ansprach, konnte er sich leider nicht an unsere vorherigen Gespräche erinnern. Vermutlich war er da nach der Show immer etwas zu betrunken.

Seitdem ich das Plektrum an ein Lederband befestigt habe und es als Kette um den Hals trage, habe ich ihn auch schon einmal getroffen. Ich war am Abend mit einer Freundin am Fährmannsufer unterwegs und sah von weitem auf einer Wiese jemanden, der ihm ähnlich sah. Da dachte ich mir aber, dass er das gar nicht sein könnte, da er ja in Dublin sein müsste. Aber scheinbar war er für ein paar Tage in der Heimat. Er sah und grüßte mich. Und anstatt zurückzugrüßen, rannte ich nur schnell weg, kämmte mir die Haare und kam dann wieder zurück. Das war das Peinlichste, was mir je passiert ist. Er hat es zum Glück mit Humor genommen und wir haben uns danach unterhalten. Dass ich sein Plektrum um den Hals trage, hat ihn geehrt. Das hat mich gefreut.

Dass Lord Lightbringer jetzt bei den Grailknights draußen ist, finde ich total schade. Zu den Konzerten werde ich vermutlich trotzdem gehen, aber bestimmt mit weniger Vorfreude. Jetzt hat man ja weniger zu gucken…