Interview: Krypteria – “Marketingplan Schönheit”

Interview Krypteria (Ji-In)

Marketingplan Schönheit

KRYPTERIAs aktuelles Album hört auf den schönen, aber direkten Namen „All Beauty Must Die“. Die aus Köln stammende Power-Gothic-Band ist momentan schwer damit beschäftigt, ihr Schätzchen zu promoten. Da kann es schon einmal vorkommen, dass Sängerin Ji-In ein Interview via Handy auf der Autobahn führen muss.

Text: Jenny Bombeck | Foto: Martin Höhne

Die Verbindung ist nicht gerade die Beste. Ji-Ins Stimme ertönt nur sehr leise aus der Hörmuschel, aber dennoch kann man recht schnell heraushören, dass die asiatisch-stämmige Sängerin nicht nur dank des guten Wetters in bester Laune ist. Sie erfreut sich am Release des neuen Albums „All Beauty Must Die“, das wie eine kleine Kampfansage herüberkommt. Ji-In klärt aber schnell auf, dass der neue Output vielmehr den Hörern Kraft und Mut geben soll, schwierige und harte Situationen zu überstehen: „Auch wir selbst mussten bereits durch dunkle Zeiten gehen und dieses Album soll zeigen, dass stets das Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist. Daher haben wir auch den Titel ‚Victoria‘ auf unserer Platte. Bei diesem Song geht es nicht um eine Person, sondern um den Sieg, den man schließlich erringen wird, wenn man nicht aufgibt. Bei diesem Titel hat uns auch Doro Pesch unterstützend unter die Arme gegriffen.“
Jedoch sind nicht nur prominente und beliebte Metal-Kollegen eine gute Strategie, um die Hörerschaft auf sich aufmerksam zu machen.

Nur mit Rosen bekleidet
„All Beauty Must Die“ ist gerade für Krypteria ein recht interessanter Titel. Schließlich gilt Ji-In als eine der hübschesten Sängerinnen in der Szene. Auf Promobildern spielt die sympathische Frontdame mit ihrem Aussehen und ist stets mit als sexy geltende Kleidung ausgestattet und perfekt in Szene gesetzt. Privat sähe dies aber ganz anders aus, erklärt Ji-In, nachdem sie sich verlegen für das indirekte Kompliment bedankt hat:
„Wenn ich mit meinen Jungs auf der Bühne stehe, dann achte ich schon auf ein gutes Bühnenoutfit. Mir macht es Spaß, mich so zu kleiden. Aber dort spiele ich verschiedene Rollen und will unsere Songs an den Zuschauer transportieren. Wenn ich zuhause bin, lebe ich eher wie ein Einsiedler, der bequeme Klamotten bevorzugt. Nach einer langen Tour oder Aufnahmesession höre ich auch keine Musik. Ich konzentriere mich dann ganz auf mich.“
Die zierliche Frontelse interessiere sich generell nicht für irgendwelche Beauty-Trends und wirkt bodenständig. Während auf dem Vorgänger-Album „My Fatal Kiss“ Ji-In noch das Cover zierte, hat die Band dieses Mal sehr bewusst darauf verzichtet. Stattdessen kann man einen leicht asiatisch angehauchten Totenkopf passend zum Titel sehen. Vielleicht ist Krypteria mittlerweile bewusst geworden, dass ihre Sängerin eindeutig im Mittelpunkt des Geschehens steht und die Musik ein wenig in den Hintergrund rücken lässt. Dies wäre eine mögliche Entscheidung für diesen Schritt.
Die Konkurrenz ist in diesem Genre generell groß, von daher ist es wahrscheinlich auch von Vorteil, eine gutaussehende Sängerin zu haben. Promobilder, die eine Sängerin lediglich mit ein paar Rosenblüten bedeckt zeigen, werden wohl nicht ohne entsprechende Hintergedanken veröffentlicht werden. Kaum jemand würde diese Marketingstrategie als verwerflich betiteln. Zumal seitens Krypteria auch noch die Musik an sich stimmig ist und beide Stränge ein homogenes Bild ergeben, das eine professionelle Band zeigt. Auf der Suche nach Erfolg ist fast alles erlaubt und zur Professionalität gehören auch Strategien, die zum gewünschten Ziel führen. Selbst wenn das heißt, dass man mit den Reizen der Frontdame spielen muss.

www.krypteria.de