Interview: Samael – “Stille Crossover-Helden”

Interview mit Samael (Vorph)

Stille Crossover-Helden

SAMAEL sind aus dem Metal-Genre nicht mehr wegzudenken. Die Schweizer sind bereits seit über zwanzig Jahren im Geschäft und noch lange nicht müde, die Fan-Gemeinde mit neuem Material zu versorgen. „Lux Mundi“ ist aber dennoch nicht der von manchen erhoffte Rückzug zum einstigen Old-School-Black-Metal. Zusammen mit Vorph wirft METAL MIRROR einen Blick auf die Vergangenheit und Gegenwart.

Text: Jenny Bombeck | Fotos: Nuclear Blast

Wir schreiben das Jahr 1987: Samael wurden gegründet und hatten durch Tape-Trading gute Kontakte zur norwegischen Black-Metal-Szene. Die rohe, schnelle Art Metal zu spielen, faszinierte Vorph, der zu diesem Zeitpunkt noch das Pseudonym Vorphalack trug. Die damaligen Kontakte gingen sogar so weit, dass Euronymous von Mayhem sein Interesse an der Band für sein Label bekundete. Gerüchte gehen sogar so weit, dass Euronymous der Band damals Teile von Deads Hirn zuschickte, nachdem sich dieser mit einem Gewehr in den Kopf geschossen hatte. Vorph möchte diesen Mythos weder bestätigen, noch dementieren:
„Ich weiß nur, dass unser Bassist Mas damals etwas in einem Briefumschlag aus Norwegen bekam. Aber ich kann mir nur schwer vorstellen, dass das wirklich Teile seines Hirns waren“, erklärt der Schweizer.

Gewagter Stilbruch
Etwa acht Jahre später fand der große Stilbruch statt, der zwar einige Fans verprellt haben mag, aber der auch von vielen anderen geschätzt wird.
„Ich hatte damals das Gefühl, etwas kreativeres auf die Beine stellen zu müssen. Beim Genre Black Metal hat man musikalisch doch schnell seine Grenzen erreicht. Ich sehe Samael als spirituelle Band, die nicht ein Leben lang über Satanismus die Provokationsschiene fahren kann. Als damals die Veränderungen vonstatten gingen, habe ich auch ehrlich gesagt nicht über die Reaktionen der Fans nachgedacht“, resümiert der Sänger.

Dass seit dem Album „Passage“ ein Drumcomputer das Schlagzeug übernahm, wird heutzutage wohl niemanden mehr stören. Samael sind die stillen Helden des Industrial-Metal-Crossovers, die sich nicht davor scheuen, Grenzen zu überschreiten und aufzubrechen. Da kann es schon einmal passieren, dass sich leicht technoartige Züge in die Songs mischen. Dies und die spirituellen, predigenden Funken, die diese Band versprühen, machen Samael genreübergreifend interessant. „Wir haben mittlerweile viele Hoch-und Tiefpunkte erlebt und sind dankbar, dass wir damals mit ‚Passage‘ unseren großen Durchbruch erlebt haben. Wir werden auch weiterhin unseren eigenen Weg gehen und uns in Bezug auf Kreativität nicht einengen lassen.“ Es gibt also keinen Grund, den alten Zeiten hinterherzutrauern.

www.samael.info

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