Interview: Ulver – “Aus dem Exil und wieder zurück”
Aus dem Exil und wieder zurück
ULVER waren und sind ein Phänomen und mit jedem Album aufs Neue eine Wundertüte. Von Black Metal bis Ambient und Trip Hop ist in der Diskographie schon alles mal vorgekommen. Doch ein weit größeres Mysterium ist die 15 Jahre lange Live-Abstinenz bis 2009. Und nun auch noch eine neue Platte. Kris „Garm“ Rygg nimmt Stellung.
Text: Elvis Dolff | Foto: Ulver
Manche Fans mochten den musikalisch mehr als unberechenbaren Ulver bis vor zwei Jahren noch gerne nachsagen, dass die einzigen Konstanten von Ulver sind, dass sie bestimmt niemals live spielen werden, und natürlich ihr Name. Doch am 30. Mai 2009 änderte sich das schlagartig. Die Band trat im Rahmen des norwegischen „Festivals Of Literature“ in Lillehammer auf und begang einen neuen Weg. Mehrere Live-Auftritte folgten. Anfang dieses Jahres spielte man dann auch in Deutschland – mit einem neuen Album im Gepäck. Kristoffer Rygg alias „Garm“ oder „Trickster G“ (auch bekannt von Borknagar, Arcturus und Aethenor) zum Schritt, wieder live aufzutreten: „Verschiedene Dinge brachten uns dazu. Notwendigkeit war das eine. Die Musikwelt ändert sich und die Menschen kaufen keine Alben mehr. Auf der anderen Seite haben wir das so lange herausgezögert und ich fühlte mich dazu gezwungen, diese ‚selbst kreierte mythische Bestie‘ zu überwinden. Diesen persönlichen Triumph über uns selbst brauchte ich. Hinzu kam, dass auch die Rahmenbedingungen einfach stimmten.“
Weg vom fertigen Pfad
Die neue Platte „Wars Of The Roses“ ist das erste Studio-Album nach diesem Schritt und hat einen ganz besonderen Charakter: „Viele Faktoren beeinflussen das neue Album. Zum einen haben wir unseren Drummer Thomas, den wir schon live dabei hatten, mit im Studio. Wir wollten die Drums diesmal nicht programmieren. Das brachte auf einmal eine Lebendigkeit in unsere Musik, die neu war. Auch dass wir unterbewusst wussten, dass wir das Album irgendwann mal live spielen würden, spielte eine Rolle. Persönlich denke ich, dass der Vorgänger „Shadows Of The Sun“ einen sehr fertigen Pfad beschritten hat und wir uns ändern mussten.“
Dieser Drang nach Neuem war schon immer Teil von Ulver. Zudem schlug die Band für viele eine Brücke vom Black Metal hin zu ganz anderen Ufern. „Am Black Metal habe ich damals die Andersweltlichkeit geliebt. Diese Geburt einer Identität, die sich von allem Konventionellen und der Gesellschaft gelöst hat, faszinierte mich. Doch irgendwann gab es zu viele Bands und es war nichts Neues mehr daran. Ich war immer darauf aus, etwas ganz Neues zu erschaffen.“ Und so entstand eine gewisse Magie des Immerneuen, die die Band bis heute umgibt.
Unberechenbar bleiben
Eine Magie, die man nun ja auch sogar live mit der Band teilen konnte, wie jüngst in Bochum. Das Set dort bestand aus der gesamten neuen Platte und dem Song „Hallways Of Always“ als Zugabe, so dass sich die Frage nach weiteren Shows und anderen Sets auftut. Garm hält sich mysteriös: „Eventuell, wenn wir in den Staaten spielen. Einige andere Leuten sollten noch die Chance haben, uns live zu sehen. Aber ich glaube auch, dass wir ein bisschen zu viel gespielt haben und wir nächstes Jahr nicht spielen sollten. Ich denke manchmal, dass wir uns selbst ins Knie schießen, dadurch dass wir etwas zu sichtbar sind. Vielleicht sollten wir in die Dunkelheit zurückkehren. Ich hab aber auch Pläne für Material, welches wir bei einigen Shows exklusiv live spielen werden. Ich denke, das ist der ursprüngliche Gedanke von Live-Musik. Ich grüble im Moment viel über diese Dinge. Nach den letzten Shows werden wir uns wohl erstmal etwas zum Nachdenken zurückziehen.“
So bleiben Ulver zwar erst einmal unberechenbar, aber unsichtbar hoffentlich nie ganz – ob auf dem nächsten Album oder live.



