Interview: Uriah Heep – “Teleportierte Dinosaurier”

Interview mit Uriah Heep (Russel Gilbrook)

Teleportierte Dinosaurier

Nach über 40 Jahren Karriere im Rock-Business zählen URIAH HEEP zweifellos zu den ältesten noch aktiven Rock-Dinosauriern. Ihre Songs „Easy Living“ und „Lady In Black“ gehören zur Musik-Allgemeinbildung für jeden, der auch nur ansatzweise Interesse an Gitarrenmusik hat. Umso größer die Erwartungen also, wenn ein neues Album der Band erscheint. Doch Schlagzeuger Russel Gilbrook sieht‘s gelassen.

Text: Dorian Gorr | Fotos: Frontiers

Als kleiner Knirps hätte er es sich bestimmt nicht träumen lassen, dass er eines Tages bei der Band trommeln würde, die gerade in aller Munde war. Russel Gilbrook war nicht einmal in der Pubertät, als sich Uriah Heep auf dem Höhepunkt ihrer Karriere befanden. Die Rocknummer „Easy Living‘“ und das etwas langsamere „Lady In Black“, das sich dreizehn Wochen lang auf Platz 1 der deutschen Charts hielt, verhalfen der Band damals zu weltweitem Ruhm und sorgten dafür, dass die Band bis heute über 30 Millionen Alben verkaufen konnte.  An die ganz großen Erfolge, die sie Mitte der Siebziger feierten, konnten die Briten nie wieder anknüpfen, für die Arbeitsmoral schien das jedoch auch nie entscheidend zu sein. Mit „Into The Wild“ steht ein weiteres Album der Kultband in den Regalen. Es ist das 23. Uriah-Heep-Album und die dritte CD, auf der man Russel Gilbrook hört. Seit 2007 ist er ein festes Mitglied der Band. Mit Mitte-Ende Vierzig ist der Glatzkopf das jüngste Mitglied im sich ewig drehenden Bandkarussell.

Eine einzige verrückte Welt
Es wirkt fast surreal, wenn man sich durch das neue Album hört. Man lauscht einer alternden Rockformation, die wie in die heutige Zeit teleportiert wirkt. Stets darum bemüht, sich den äußeren Umständen anzupassen, um in der neuen Welt nicht orientierungslos vor die Hunde zu gehen, aber auch gewillt, nicht das eigene Erbe zu verraten. „Das Musik-Business ist derzeit eine einzige verrückte Welt“, ist sich auch Russel über die Veränderungen im digitalen Zeitalter im Klaren. „Die Kids, die heute auf Rockmusik stehen, haben eine ganz andere Musikperzeption. Die sind es gewohnt, dass sie mit einem einzigen Klick alles für ihren iPod besorgen können.“

Neue Techniken erfordern neue Maßnahmen – auch (oder auch ganz besonders) als Band. Dass sie sich im Internet nicht verloren fühlen, bewies die Band mit einem eigens für youtube gedrehten Studioreport, bei dem man den Rockern bei ihrer zugegebenermaßen unspektakulär wirkenden Arbeit zuschauen darf. „Das Internet bietet viele Vorteile. Nie zuvor war es einfacher, Promotion-Arbeit zu leisten. Mit nur wenigen Handgriffen kann man die ganze Welt informieren. Das ist doch ein fantastischer Vorteil für Bands.“

Und auch im Studio wollte man sich den modernen Arbeitsmethoden nicht verschließen. „Klar, wir benutzen noch immer gerne alte Verstärker, aber früher musste der Produzent stundenlang Bänder zusammenschneiden und man nahm 50 Takes auf, damit mal alles richtig passte. Durch Pro-Tools spart man da viel Zeit.“

Es kann also nicht alles schlecht sein im 21. Jahrhundert. Auch nicht als Teil der angeblich sterbenden Musikindustrie. „Solange es noch die Live-Shows gibt, läuft alles wunderbar, auch wenn die Verkaufszahlen der Alben stetig sinken“, ist sich Russel sicher. „Das Live-Erlebnis lässt sich nicht kopieren und am PC oder bei Guitar Hero auf der Spielekonsole erleben. In der Realität mit tausend anderen Fans eine echte Band, mit echten Instrumenten und echter Show zu erleben, wird immer einmalig bleiben.“

www.uriah-heep.com

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