Interview: Amorphis – “Melancholie, die Freude macht”
Melancholie, die Freude macht
1991 erschien die erste AMORPHIS-Demo und auf sie folgte u.a. das für Death-Metaller immer noch legendäre „Tales From The Thousand Lakes“-Album. Nach einigen experimentellen Alben hat sich der Stil besonders nach dem 2006er-Einstieg von Sänger Tomi Joutsen stark verändert und gewissermaßen manifestiert. Gründungsmitglied und ehemaliger Sänger Tomi Koivussari sprach mit uns über den Stand der Dinge und das neue Album „The Beginning Of Times“.
Text: Elvis Dolff | Foto: Nuclear Blast
Seit „Eclipse“ hat sich im Hause der Finnen Amorphis schon einiges getan und die „Ära Joutsen“ hat sich mit jedem Release mehr etabliert. Tomi Koivussari erinnert sich: „Bei den ersten beiden Alben haben wir schon ganz verschiedene Stile gemocht und gehört, aber wir wollten was einzigartiges und wollten uns nicht von Genres limitieren lassen. Mit „Tuonela“, „Am Universum“ und „Far From The Sun“ verließen wir dann auch das Folkige und wurden etwas psychedelischer. Seitdem dann Pasi ausgestiegen ist und Tomi dazu kam und den Gesang übernommen hat, haben wir einen ganz neuen Spirit.“
Der Titel des neuen Releases „The Beginning Of Times“ scheint wie eine Rückbesinnung oder ein Neuanfang zu sein, doch ist es nur ein Hinweis auf das lyrische Konzept des neuen Longplayers. „Es ist die Geschichte des größten Charakters in der finnischen Mythologie und darüber, dass die mythologische Welt aus einem Ei geboren wurde. Worauf auch das Albumcover hinweist”, so Tomi weiter. „Es ist weiterhin die Kalevala (finnische Mythologie – Red.), die uns beschäftigt. Bevor Tomi Joutsen bei uns eingestiegen ist, haben wir das Thema etwas vernachlässigt, aber jetzt sind wir wieder da. Es gehört schon gewissermaßen zu uns und da steckt ja auch einfach viel drin. Aber wir werden die Arbeiten mit Pekka Kainulainen fortsetzen und ein anderes Thema ist jetzt nicht ausgeschlossen.“
Der Song „You I Need“ wurde filmisch in Szene gesetzt, ist laut Tomi aber nicht der beste Song, um das Album zu repräsentieren: „Ja, es ist nicht immer einfach, einen Song zu finden, der das aussagt. Das Video haben wir in Berlin gedreht, im olympischen Dorf und das Skript kam von der Produktionsfirma und wir fanden es gut. Wir waren sehr zufrieden, besonders bei dem geringen Budget, dass auch in einem Tag zu schaffen. Wir hatten nicht immer so viel Glück mit unseren Videos.“
„Mag keine fröhliche Musik!“
Ein weiterer Song auf dem Album ist „My Enemy“. Bei diesem Song, so Tomi, gab es unabhängig voneinander zeitweise ein fast identisches Riff auf dem neusten Release von Children Of Bodom. Alles in allem gibt sich Tomi sehr zufrieden mit dem neusten Album und dem Status Quo im Hause Amorphis: „Ich hätte nicht gedacht, dass es uns nach 20 Jahren und zehn Alben noch geben würde, aber wir hatten verschiedene Phasen, die wichtig waren und die uns dahin geführt haben, wo wir jetzt sind.“
Eine Inspirationsquelle für diese gewaltigen melancholischen Meisterwerke war auch schon immer die Natur, so Tomi: „Die Natur und softe Drogen (lacht – ed). Für mich ist Musik eine andere Realität und das versuchen wir zu kreieren. Die Natur hilft uns, mit der Musik Landschaften zu malen. Die Melancholie steckt auch etwas in unserer finnischen Natur. Und ich persönlich mag keine fröhliche Musik.“
Das klingt nach soliden Amorphis. Fast schon langweilig, wenn nicht sogar paradox, wenn man die Bedeutung des Bandnamens bedenkt.



