Interview: HammerFall – “Alles wird anders”

Alles wird anders

Dass mit Album Nummer Acht der Erfolg von HAMMERFALL nicht gerade zurückgehen wird, ließ sich schon gefahrlos vor dem Release prognostizieren. Aber eben jener Erfolg, nachdem sich auch so viele Bands sehnen, ist nicht immer nur der pure Segen. So hetzen HammerFall in der Zeit rund um den Release von Interview zu Interview, sodass selbst „neue alte“ Mitglieder wie Fredrik Larsson ins Schwitzen kommen.

Text: David Dankert | Fotos: Nuclear Blast

„Weißt du, als ich damals 1997 HammerFall nach den Aufnahmen zu „Glory To The Brave“ verließ, war es verglichen mit heute eine ganz andere Band. Für uns war das Aufnehmen des Debüts einfach das größte und wir waren eher eine Garagenband. Jetzt ist HammerFall so groß, das bringt viele Verpflichtungen wie Promotermine, das viele Reisen und anderen Business-Kram mit sich. Zwar macht das Reisen und vor allem das Spielen unserer Musik riesigen Spaß, ich denke aber den Rest des „Geschäfts“ kann man ruhigen Gewissens als „notwendiges Übel“ bezeichnen“, ächzt Fredrik ins Telefon.
Hörbar gestresst vom derzeitigen Promo-Marathon fällt vor allem auf, wie überrascht das Gründungsmitglied nach seiner 2007er Rückkehr, wie groß die Band geworden ist. Welchen Status HammerFall mittlerweile in Skandinavien erreicht haben, wurde Fredrik erst so richtig klar, als er sich in der Zeit vor seinem Wiedereinstieg bei HammerFall mit Oscar in einem Pub traf und dieser jedoch kaum zum Reden kam, da er ständig Autogramme schreiben musste, erzählt er immer noch ein wenig ungläubig.
Musikalisch gesehen war „Infected“ alles andere als eine leichte Geburt. Wurde schon auf dem Vorgänger „No Sacrifice No Victory“ versucht, einige Veränderungen am Sound der Band vorzunehmen, ist diesmal der Umschwung auch mit Hilfe des neuen Produzenten Charlie Bauerfeind deutlich krasser ausgefallen: „Wir hatten uns auf jeden Fall vorgenommen zurück zu den Wurzeln zu gehen und unseren Stil mit etwas mehr Rock‘n‘Roll zu vermischen. Das Achtziger-Jahre-Feeling wollten wir auf jeden Fall verstärken, weswegen wir die Aufnahmen auch minimalistischer gestaltet und viele Effekte weggelassen haben damit es einfach härter klingt“.

HECTOR NUR IM BOOKLET
Nicht nur der Sound von „Infected“ überrascht, auch das Cover und Logo tanzen für HammerFalls Verhältnisse aus der Reihe. Zwar musste aufgrund der amerikanischen Hardcore-Band Biohazard das ursprünglich angedachte Cover aufgrund von Copyright-Rechten verworfen werden, dennoch sucht man das Bandmaskottchen Hector vergeblich. „Wir hatten eigentlich gar nicht geplant, das Cover ohne Hector zu machen, doch das hat sich einfach so entwickelt und letztlich ist er ja doch im Booklet zu sehen. Beim Logo ging natürlich auch schon ein Aufschrei durchs Fanlager“, berichtet Fredrik hörbar amüsiert. „Wir machen uns über so etwas eigentlich nicht so große Gedanken, ob wir das nun beibehalten werden oder beim nächsten Album wieder das alte Logo zu sehen sein wird, steht auch noch nicht fest. Wir schauen einfach mal was kommt. Fakt ist aber, dass die Musik immer noch HammerFall ist. Wir haben immer noch catchy Riffs, treibenden Bass und Drums und die Refrains bleiben sofort im Ohr, das ist doch das, worauf es ankommt oder nicht?“
Ähnlich wie der neue Stil vom Cover und Logo, kam auch der Einfall zum Abändern der Lyrics eher spontan. Sänger und Textschreiber Joacim Cans ließ sich bei der Findung der Themen genauso spontan zu Zombie-Texten inspirieren. Eine entsprechende Visualisierung sieht man im Video zu „One More Time“. „Wir haben in letzter Zeit viele Horror- und Zombiefilme gesehen. Klar ist das Video nicht ernst gemeint, wir sind ja schließlich nicht Manowar und meinen das Ganze eher mit einem Augenzwinkern. Primär geht es uns immer noch um den Spaß den wir dabei haben und der Dreh hat ziemlich viel Spaß gemacht, auch wenn wir nicht wirklich die Hoffnung haben, dass das Video jemals im TV laufen wird. Aber dafür gibt es ja mittlerweile Youtube, da können Metal Videos nicht einfach ignoriert werden wie das auf den Musiksendern heutzutage leider Standard ist“.

Apropos Standard: Das Songwriting selbst kann übrigens als eines der wenigen Sachen betrachtet werden, welches bei „Infected“ wie immer ablief. „Für den Großteil der Songs sind natürlich immer noch Oscar und Joacim verantwortlich. Pontus hat diesmal auch einen Song beigesteuert und eher durch Glück sind auch ein oder zwei meiner Riffs mitverwendet worden. Dabei dachte Oscar eigentlich zuerst, dass die Riffs auf seinem PC alle von ihm stammten, er zeigte uns also einige der Riffs und ich sagte „Hey, die sind allerdings von mir“. Oscar konnte das wiederrum im ersten Moment gar nicht glauben, ich konnte ihn allerdings doch davon überzeugen, dass sie wirklich von mir stammten.“

GEGENSEITIG VOLLSCHWITZEN
Dass auch „Infected“ bei den Fans gut ankommen wird, davon ist Fredrik und ganz HammerFall überzeugt. Die erst kürzlich gespielten und als Preview für das neue Album gedachten Clubshows in Osnabrück und Hamburg stellten sich aus Sicht der Band als voller Erfolg heraus. „Gerade die kleinen Clubshows sind immer noch was ganz Besonderes für uns und wir sollten auch auf keinen Fall vergessen, dass wir all das nur unseren Fans zu verdanken haben. Die freuen sich natürlich auch ordentlich über diese kleineren Shows wie auch schon auf der Geburtstagstour, wo man sich gegenseitig vollschwitzt und eine viel größere Energie erzeugen kann als auf großen Bühnen“.

„ICH WILL OZZY SEHEN!“
Doch was können „neue“ Heavy-Metal-Bands wie HammerFall heutzutage noch erreichen? Legendäre und stilprägende Bands wie Iron Maiden scheinen außer Reichweite zu sein, wie könnten also sonst noch die Ziele aussehen? „Ich war ja eigentlich schon nach den Aufnahmen von „Glory To The Brave“ durchweg zufrieden und dachte, dass es besser nicht kommen könnte. Wie es jetzt weitergehen wird, kann ich gar nicht sagen. Wenn wir die Chance bekommen würden, die Band auf ein Level wie Iron Maiden oder Judas Priest heben zu können, würden wir natürlich versuchen, sie zu nutzen. Doch das ist sehr unwahrscheinlich, da die alt eingesessenen Major-Bands unerreichbar sind. Ich glaube auch, dass wir für den Schritt eventuell selber noch zu sehr Fans sind. Auf Festivals versuche ich immer, so viele Bands wie möglich zu sehen. Jetzt auf dem Hellfest will ich auch auf jeden Fall wieder Ozzy sehen. Man kann von solchen Bands einfach auch noch immer superviel lernen, selbst wenn man selber schon so lange in einer größeren Band spielt wie wir.“

www.hammerfall.net

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