Interview: Saxon – “Wir haben keine Angst”

Wir haben keine Angst

Schwere Zeiten für Newcomer: Die alten Rock- und Metal-Recken schlagen im Frühjahr 2011 mit vereinten Kräften zurück. Nazareth, Uriah Heep und jetzt auch SAXON möchten sich auch nach Jahrzehnten selbst beweisen, dass sie das Rocken nicht verlernt haben. Biff Byford, ergraute Sänger-Eminenz der NWOBHM-Legende, hat eine simple Erklärung für den Fortbestand seiner Band: „Ich habe das einfach im Blut“.

Text: Dorian Gorr | Fotos: Saxon

Bedenkt man den Lebensstil, den die meisten Rock-Legenden teils über Jahrzehnte gelebt haben, erscheint es umso verwunderlicher, dass längst nicht alle irgendwann auf der Strecke geblieben sind. Sex, Drogen und das Leben im Tourbus haben es nicht geschafft, Bands wie Uriah Heep, Nazareth oder eben auch Saxon zu zerschlagen. Zumindest nicht ganz. Im anfänglichen Line-Up musiziert keine der Bands mehr. Doch während beispielsweise Uriah Heep mit Ken Hensley ihren wichtigsten Songwriter an eine Solokarriere verloren, ist es bei Saxon noch immer Biff Byford, der mit langer, silberner Mähne an der Sachsenfront steht und damit nicht nur Sänger, sondern auch Markenzeichen der Band ist.

Weniger ist mehr
Seinem Selbstbewusstsein haben die Jahrzehnte als Sänger einer der wichtigsten Bands der NWOBHM-Bewegung keinesfalls geschadet: „Die Welt braucht ein neues Saxon-Album, weil dieses Album schlichtweg brillant ist“, schallt es aus dem Telefonhörer mit einem Alibi-Lachen, das aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass Peter Rodney „Biff“ Byford das durchaus ernst meint. Und der seit Anfang des Jahres 60-Jährige führt gleich in allen Details aus, warum „Call To Arms“, das mittlerweile 19. Saxon-Album, toll, besser und sowieso ein Pflichtkauf für alle Saxon-Fans, ach was, für jeden Heavy-Metal-Liebhaber ist. Von großen Veränderungen wird gesprochen, von seiner eigenen Arbeit als Co-Produzent und davon, dass Charlie Bauerfeind diesmal „nur“ als Sound Engineer dabei war. Das Ergebnis sei ein dynamisches Saxon-Album, das beim Aufnehmen mehr Spaß gemacht hätte, als die meisten anderen Saxon-Alben. Mehr Spaß? Tatsächlich? Biff zögert einen Moment und korrigiert sich dann selbst. „Anderen Spaß. Ich liebe jedes unserer Alben. Diesmal sind wir in die Achtziger zurückgereist. Unsere vorherige Scheibe war sehr bombastisch und hatte viele Keyboards. Diesmal haben wir uns im Vorfeld gefragt, was es war, dass die Achtziger-Alben so geil gemacht hat. Und wir kamen auf die Erklärung, dass damals weniger mehr war.“
Die Konsequenz: Auf „Call To Arms“ sollte der Rock‘n‘Roll der Anfangstage wieder verstärkt fokussiert werden. Dass sich Saxon auf ihre Frühwerke konzentrieren, erscheint nur logisch: Auch wenn die Band konstant im Zwei-Jahres-Rhythmus neue Scheiben herausbrachte, konnte sie nie an die frühen Erfolge und Alben wie „Denim & Leather“, „Strong Arm Of The Law“ oder „Wheels Of Steel“ anschließen. Der Fluch der einstigen Hits, unter dem auch die anderen, heute noch aktiven Rock-Legenden zu leiden haben. Biff sieht‘s gelassen: „Uns hat das nie gestört. Unsere alten Songs sind toll, aber wir haben so talentierte Songschreiber und Musiker in der Band, dass wir auch heute noch große, unsterbliche Hits schreiben können.“ Ein Pendant zu „Princess Of The Night“ oder eben „Denim & Leather“ findet man auf dem neuen Album zwar nur schwerlich, aber Biffs Gelassenheit ist echt. „Wir haben keine Angst davor, neue Musik zu veröffentlichen, nur weil wir bereits ein paar Hits geschrieben haben. Sieh dir mal Twisted Sister an. Seit über zehn Jahren gibt es da kein neues Album. Und wieso? Die Band hat Angst, dass sie das verliert, was sie derzeit hat. Dabei ist das totaler Blödsinn. Uns hat keines der neuen Alben geschadet. Ich würde mich total freuen, endlich mal neue Musik von Twisted Sister zu hören. Hey Dee, kümmere dich mal um eine neue Platte von euch!“, lacht Biff zum Abschied.

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