Interview: Forgotten Tomb – “Verpisst euch doch alle!”

“Verpisst euch doch alle!”

FORGOTTEN TOMB lassen mit „Under Saturn Retrogade“ erneut äußerst depressive Töne anklingen. Dass Bandchef und Kontroversling Herr Morbid trotzdem kein Kind von Traurigkeit ist und vor allem für alle Kritiker keine sanften Worte übrig hat, stellt er beim Interview mehrfach lautstark unter Beweis.

Interview: David Dankert | Foto: Forgotten Tomb

Herr Morbid, ihr habt weiterhin euren Sound verändert und euch etwas mehr am Rock und Doom Metal orientiert. Haben eure Fans den Wandel akzeptiert?
Es gibt immer Leute, die sich über irgendetwas bei neuen Alben beschweren. Wir können nicht alle glücklich machen. Wichtig ist, dass wir mit uns selbst zufrieden sind. Wenn andere das neue Album mögen, ist das großartig. Wenn nicht, dann verstehen sie unsere Entwicklung nicht. Die meisten Leuten fangen sowieso erst an, unsere Alben drei Jahre nach dem Release zu mögen, das war auch schon bei „Negative Megalomania“ so.

Wieso habt ihr euren Stil so stark verändert?
Forgotten Tomb war schon immer eine Band, die sich konstant verändert und weiterentwickelt hat. Ich habe schon immer viele unterschiedliche Bands gehört, weswegen es für mich normal ist, die ganzen Einflüsse miteinander zu vermischen. Ich denke nicht, dass wir unsere Black-Metal-Wurzeln komplett verloren haben. Klar, wenn jemand ein reines Black-Metal-Album hören will, muss er sich nach was anderem umsehen, aber wir haben nie „reinen“ Black Metal gespielt, wir haben nur unseren Stil weiterentwickelt und perfektioniert.

Die Songs sind deutlich kürzer geworden und einfacher anzuhören. Wieso sind die Songs nicht mehr so episch?
Diesmal wollten wir alles eher in Richtung „in-your-face“ drücken und klassische Rock-Strukturen verwenden. Dadurch sind die Songs etwas mehr am Mid-Tempo orientiert, allerdings sind die Songs auch deutlich abwechslungsreicher als auf vergangenen Alben. Ich bin davon überzeugt, dass die neue Platte killer ist. Ich mache Interviews, um die Platte zu promoten und nicht, um mir Vorwürfe von Leuten gefallen zu lassen, die ich nicht mal persönlich kenne. Jedes Album hat seine eigene Geschichte und ist einzigartig, denn es würde keinen Sinn machen, immer und immer wieder dasselbe Album zu veröffentlichen. Früher haben sich Leute beschwert, die Songs seien zu lang, jetzt sind sie zu kurz. Wieso verpisst ihr euch nicht einfach alle? Wenn ihr denkt, ihr könnt es besser machen, dann nehmt euch eine Gitarre und nehmt euer eigenes Album auf, dann reden wir mal darüber!

Offensichtlich bist du auch großer Black-Sabbath-Fan, wie groß ist der Einfluss anderer Bands auf dich beim Songwriting?
Jede Metal-Band, die sagt, sie wäre nicht von Black Sabbath beeinflusst, sollte ihre eigene Scheiße fressen und sich selbst töten! Klar, bei manchen Bands hört man den Einfluss etwas mehr heraus als bei anderen, aber im Grunde ist jede Band von Black Sabbath beeinflusst! Abgesehen davon fließt auch viel Old-School-Punk und Post-Punk sowie Dark Wave aus den Achtzigern mit ein. Als „Songs To Leave“ herauskam, gab es nicht mal den sogenannten „Depressive Black Metal“. Das sollten die Leute anerkennen, bevor sie meine Band kritisieren. Wir haben das Genre mitgegründet.

Vor zwei Jahren ward ihr für das Ketzer Fest bestätigt, wo ihr aber kurz vorher vom Line-Up genommen wurdet, angeblich wegen eurer politischen Einstellung. Was ist da wirklich passiert?
Der wahre Grund ist, dass der Veranstalter einfach bescheuert ist! Eine Woche vor dem Festival waren weder Flüge noch Hotel für uns gebucht, ich habe ihn so oft angemailt und entweder kam gar nichts zurück oder nur eine knappe Antwort, dass er alles regeln wird. Nach etlichen Warnungen haben wir dann das Festival gecancelt, aber er hat dann einfach diesen Nazi-Scheiß erfunden, um unsere Absage in ein anderes Licht zu rücken. Glücklicherweise hat ihm niemand geglaubt, wir haben mittlerweile einige Shows in Deutschland gespielt und von dem Idioten hört man nix mehr.

www.myspace.com/darknessinstereo