Live: Shout It Out Loud Festival in Mülheim, RWE-Halle

SHOUT IT OUD LOUD FESTIVAL

18.6. – Mülheim, RWE-Halle

Text & Foto: Benjamin Gorr

Für alle Fans von Glam Rock und der neuen Sleaze-Welle, findet in der RWE-Halle, welche sonst nicht für harte Konzerte bekannt ist, das Shout It Out Loud Festival statt, welches mit einem guten Line-Up die Menschen nach Mülheim locken möchte. Der Auftakt der Veranstaltung ist dann aber im wahrsten Sinne des Wortes unterkühlt: Statt wie angekündigt um 14.30 Uhr werden die Fans erst eine halbe Stunde später in die Halle gelassen, was angesichts kühler Temperaturen vor der Halle recht unangenehm ist.

Endlich drinnen, legen auch schon Hollywood Burnout los. Die vier durchgestylten Deutschen spielen nur vor einer Handvoll Menschen, was ihnen echt unwürdig ist, da sie mit ihren schönen Refrains und der Achtziger-Optik sehr unterhaltsam sind.

Shotgun Express orientieren sich hingegen stärker am Punk. Zwar ist die Halle noch spärlich gefüllt, das macht dem hyperaktiven Sänger jedoch nichts aus. Er rennt durch die Menge, springt herum und bleibt eigentlich nie still stehen.

Streng geht es im Zeitplan mit Jaded Heart weiter. Melodiöser Rock mit Keyboard passt vielleicht nicht zum sonst vorherrschenden dreckigen Sleaze Rock, jedoch wird es vor der Bühne sichtlich voller – trotz Soundprobleme.

Am Stimmungshöhepunkt befindet sich der Abend schon früh, nämlich bei der vierten Band Kissin‘ Dynamite. Die fünf Teenager aus Reutlingen lassen wahrhaftig die Ladys in der ersten Reihe kreischen. Fast wie auf einem Tokio-Hotel-Konzert. Die Band bietet aber auch viele Hingucker: kollegiale Stage-Moves, ein Gitarrensolo auf den Schultern des anderen Gitarristen und das alles in einem durchweg professionell wirkenden Rahmen. Zur Krönung covern die Jungs noch Skid Rows „Youth Gone Wild“, was ironischer Weise vor ihrer Geburt entstanden ist.

Nach diesem Auftritt haben es die Crazy Lixx schwer. Musikalisch zwar äußerst gut, wirkt der gesamte Auftritt eher starr, was nur durch eine Cover-Jam-Einlage inklusive „Cum On Feel The Noize“ und „We’re Not Gonna Take It“ gerettet wird.

Die aus dem Fernsehen berühmten Pussy Sisster bringen hingegen wieder Action in die Halle. Leider verbraten sie mit „Hold Us Down“ schon als zweiten Song ihren größten Hit und die unprofessionellen und endlosen Ansagen des Fronters Alex Sex geben dem Auftritt einen bitteren Nachgeschmack, was nur durch die Verteilung von Pussy-Lollys an zwei Ladys und den darauf folgenden fremdschämenden Auftritt der beiden Damen auf der Bühne  an Peinlichkeit getoppt wird.

Bonfire schaffen es als erste Band nicht pünktlich anzufangen. Einmal auf der Bühne stehend,  merkt man der Band ihre Spielroutine an. Der Auftritt ist solide, aber nichts Besonderes. Zum sichtbaren Frust und Ärgernis des Veranstalters am rechten Bühnenrand überziehen Bonfire mit ihrem Hit „Ready 4 Reaction“ auch noch obendrein mit vielen Publikumsspielchen und ähnlichem Schnickschnack.

Cinderella lassen sich noch mehr Zeit als Bonfire. Der Frust im Publikum nimmt während der fast 40-minütigen Wartezeit zu. Tom Keifer strahlt obendrein geballte Arroganz aus, als er auf die Bühne kommt und bleibt wie festgewurzelt an seinem Mikrofonständer stehen. Der Roadie, der wegen technischer Probleme dauernd hin und rennt, ist die größte Performance, die es auf der Bühne gibt. Nach nur einer guten Stunde und 13 Songs ist das Festival schließlich pünktlich vorbei, auch wenn Cinderella ursprünglich 90 Minuten spielen sollten. Schlimm ist das aber eigentlich nicht. Die Hits hat man alle gehört. In Sachen Spielfreude darf sich Tom gerne zukünftig was von seinem heutigen Vorprogramm abgucken.
Im nächsten Jahr soll das Festival in die nächste Runde gehen. Angeblich sollen Poison, Hardcore Superstar und Crashdiet mit von der Partie sein.