Zarte Stimme, freaky Image
DEBÜTASTISCH! In dieser Artikelserie stellen wir in unregelmäßigen Abständen talentierte Bands vor, die uns mit ihrem ersten Album beeindruckt haben. Den Anfang machen DJERV aus Norwegen.
Text: Jenny Bombeck | Foto: J. Verberg
Djerv ist ein alt-norwegisches Wort und bedeutet ‚kühn‘. War es eine kühne Entscheidung, die Band ins Leben zu rufen? In keinem Fall. Denn Djervs Debüt hat nicht nur mich, sondern auch viele Gleichgesinnte vom Hocker gerissen. Ein derartig starkes Debüt, das einen hohen Wiedererkennungswert hat, findet man nicht alle Tage. Dies ist schon Grund genug, die Band, die hierzulande noch recht unbekannt ist, näher vorzustellen. Fronterin Agnete wirkt auf Promobildern stets tough und abgedreht. Am Telefon ertönt aber ein zartes Stimmchen, das erst einmal die Bandkollegen vorstellen möchte:
„Djerv besteht aus drei festen Mitgliedern. Ich bin für den Gesang zuständig. Erlend Gjerde sitzt an den Drums und Stian Kårstad ist an der Gitarre. Wir haben einige Zeit gebraucht, bis unser Line-Up vollständig war, da unser vorheriger Bassspieler noch bei Entombed involviert ist und es für ihn schwierig war, beide Bands unter einen Hut zu bekommen. Es ist schade, dass wir uns von ihm trennen mussten, denn er ist ein großartiger Mann. Aber mit unserem neuen Bassisten sind Djerv richtig groovy geworden.“
Der Werdegang der Band ist im Gegensatz zum wilden, aber homogenen Musikstil geradezu langweilig. Dieser zeichnet sich durch eine Vielfalt an Genres aus, die zusammen Djervs Trademark ergeben. Die blonde Sängerin findet dafür ihre eigene Beschreibung:
„Ich würde unsere Musik als melodischen, groovigen Hard Rock beschreiben, der durch Einflüsse der Black-Metal-Szene düster wird. Dies betrifft vor allem die Gitarrenführung. Wir drei sind zwar sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, haben aber das gleiche Verständnis von Musik. Die beiden Jungs mögen generell Heavy und Black Metal. Ich hingegen stehe eher auf klassischen Rock. Ich liebe es, melodisch zu singen. Das kann ich auch am besten.“
Die auch von ihr gesungenen Screamo-Parts sieht Agnete eher als ein besonderes Detail von Djervs Stil an. Und dieser wirkt geradezu erfrischend neu. Das selten gewordene Gefühl, etwas komplett Neues zu hören, das in sich stimmig ist, erschafft zusammen mit der äußerlichen Erscheinung von Frau Kjølsrud ein interessantes Package. Die blonde, zierliche Person wirkt auf dem Album-Cover und auch auf der Bühne durch ihr Make-Up und ihre Frisur einfach freaky. Dick aufgetragener dunkel-schwarzer Lidschatten ziert ihre blauen Augen, ihre mittelkurzen Haare sind stark nach oben toupiert. Zusammen mit der Mimik hat die am Telefon so freundliche Person eine diabolische Aura um sich. Für Agnete ist dies aber kein bewusst gewähltes Image, um auf irgendeine Art und Weise aufzufallen. Dahinter stecken vielmehr typisch weibliche Gründe:
„Von der Seite der Jungs gibt es kein großartiges Image. Aber ich bin ein Mädchen und möchte natürlich gut aussehen. Wenn man zu einer Party geht, möchte man ja auch nicht so aussehen als ob man gerade aufgewacht sei. Wenn man auf der Bühne ist und 1000 Augen einen anschauen, möchte man sich gut fühlen. Das ausgefallene Make-Up ist ein Schutz für mich. Wenn man auf der Bühne ist, ist man verletzlich. Ich möchte eine andere Person sein, wenn ich auftrete.“
Die hauptsächlich positiven Reaktionen bezüglich des Erstlings haben die gesamte Band überwältigt, aber besonders Agnete freut sich darüber, dass sie als ein Female-Fronted-Act die voreingenommenen Meinungen der Journalisten revidieren konnten. Agnete behauptet, dass es Frauen in der von Männern dominierten Szene nicht ganz so einfach haben:
„Ich denke, dass es weibliche Fronterinnen schwerer als männliche haben. In der Metal- und Hard-Rock-Szene gibt es wesentlich mehr Männer. Ich verstehe ja, dass einige skeptisch sind, wenn sie hören, dass dies ein Female-Fronted-Act ist. Die Männer fangen schon in ihrer Kindheit an, Instrumente zu spielen. Bei Frauen geschieht das hingegen sehr viel später.“
Aber selbst dann werden die wenigsten in der Lage sein, ein so gutes Debüt wie „Djerv“ herauszubringen.









