Artikelserie “Mein bestes Stück”: Alex Kreit – “Das Plektron und die Freundschaft”

Artikelserie: Alex Kreit

Das Plektron und die Freundschaft

In dieser Artikelserie stellen Musik-Fans Accessoires vor, mit denen sie eine besondere Geschichte verbinden. Diesmal berichtet Alex Kreit von einem Plektron, das ihn gleichermaßen an eine tolle Band und an Freundschaft erinnert.

Aufgezeichnet von: Dorian Gorr
Foto: A. Kreit

Ich war schon immer Fan von The Cult. Auch wenn die seit zehn oder fünfzehn Jahren nichts vernünftiges mehr herausgebracht haben, sind ihre frühen Alben einfach richtig geil. Die konnten Gothic Rock, Heavy Metal oder AC/DC-Rock machen, bei denen kam immer etwas Hörbares heraus. Als ich die Band das erste Mal live sah, das war 1990, war das deswegen für mich etwas ganz Besonderes. Ich war 16 Jahre alt und The Cult spielten im Vorprogramm von Aerosmith, die damals eher eine Band für alternde Hippies waren.

Ich und mein Kumpel Lutz, der später Gitarrist bei Such A Surge wurde, gingen also nur wegen The Cult auf dieses Konzert und feierten die Band ab wie Schmitz‘ Katze. Als Billy Duffy irgendwann sein Plektron ins Publikum warf, stand für uns beide fest: das Teil müssen wir haben. Also gingen wir auf Tauchstation. Lutz war an dem Abend schon vorher einige Male zusammengeklappt, während wir unsere Plätze in der ersten Reihe verteidigten. Die Luft war sehr schlecht und ihm war unfassbar heiß. Dennoch stürzte er sich in den Kampf um das Plektron, musste sich fast deswegen prügeln, aber irgendwann tauchte er wieder auf, hatte es tatsächlich bei sich und klappte wenige Minuten später erneut zusammen. Aber das war egal. Er hatte ja das Plektron und ich war ziemlich neidisch darauf.

Ich hatte auch versucht, an das Pick zu gelangen, war aber wohl nicht durchsetzungsfähig genug. Lutz war schon immer etwas kräftiger und rücksichtsloser. Dem war es in dem Moment scheißegal, ob er gleich eins auf die Fresse bekommt, weil er jemandem aus Versehen seinen Ellbogen ins Gesicht gerammt hat. Es zählte nur das Plek. Vom Material her war es gar nicht besonders. Ein hellblaues Stück Plastik, aber verdammt, das war von Billy Duffy und obendrein ein Signature-Stück. Das The-Cult-Logo prangte auf ihm und auf der Rückseite war die stilisierte Unterschrift von Billy Duffy unter einem „Best Wishes“ zu sehen. Außerdem stand dort „MC/FC“, was für Manchester City Football Club, Billys Lieblingsverein, steht. Das Teil war echt geil und mein Neid umso größer.

Verspätetes Wiedersehen
Ein paar Jahre später sah ich das Plektron wieder. Es war mein Geburtstag. Ich und Lutz waren beide so gut wie fertig mit der Schule, mein Umzug in eine andere Stadt schon beschlossene Sache und irgendwie war klar, dass sich die Wege zukünftig trennen werden. Also schenkte er mir als Andenken und gleichzeitig zum Geburtstag das Plektron, das er damals beim The-Cult-Auftritt im Vorprogramm von Aerosmith ergattert hatte. Er hatte es eingerahmt, zusammen mit einer unterschriebenen Autogrammkarte von Billy Duffy. Ich habe keine Ahnung, wie er an dieses Autogramm gekommen ist…

Seitdem hatte das Plektron immer einen Ehrenplatz bei mir sicher. Momentan zieh ich wieder einmal um und derzeit befindet es sich in einem meiner vielen Umzugskartons, aber vorher hing es im Flur, wo es jeder, der zu Besuch kam, sehen konnte. Einen solchen Platz wird es auch in meiner neuen Wohnung bekommen.

Lutz wohnt mittlerweile in Oslo und reist als hauptberuflicher Backliner mit den großen Stars quer durch die ganze Welt. Ich habe The Cult noch ein Dutzend Mal gesehen, aber nie waren die so geil, wie damals in der Eilenriedenhalle, im Vorprogramm von Aerosmith. Und daran wird mich das eingerahmte Plektron immer erinnern.

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