Erlebnisbericht: Metalcamp 2011

Erfahrungsbericht Metalcamp

Metal-Urlaub im Paradies

Metal-Festival trifft auf Erholungsurlaub: Drei Jahre lang dachte unser Mitarbeiter Elvis Dolff darüber nach, endlich einmal das METALCAMP zu besuchen. Dieses Jahr hat es endlich geklappt. Seine Erlebnisse hat er für uns zusammengefasst.

Dieses Jahr hat es endlich geklappt: Metalcamp! Seit drei Jahren immer im Hinterkopf gehabt, aber meist aus Zeit-, Geld- und Gründen organisatorischer Faulheit nie wirklich in Angriff genommen. Nun war es doch Wirklichkeit, dass wir zur rund 1100 Kilometer langen Reise in die slowenischen Berge und an die schöne Soca fahren sollten. Eine Woche Metal, eine Woche Camping, aber noch mehr: eine Woche Urlaub im Paradies. „Hell Over Paradise“ – so betitelt es das Festival selber – oder auch knackig „Headbangers Holidays“. Ja, das galt es zu testen. Anstrengendster Teil der Woche: die Hinfahrt. Satte 14 Stunden dauerte die Autofahrt vom Niederrhein bis auf den vom Morgengrauen erhellten Camping-Platz bei Tolmin. Zwei Stunden, das haben wir danach erfahren, hätten wir früher hier sein können, wenn wir nicht den anstrengenden Weg quer über den Triglav-Nationalpark genommen hätten. Dort mussten wir nämlich mitten in der Nacht endlose Serpentinen rauf und wieder runter bewältigen. Immer in der Hoffnung, dass uns kein rasanter Einheimischer auf diesem unbekannten Terrain entgegenkommt. Das kostete Zeit, brachte uns aber genau richtig zu den bereits angesprochenen ersten Lichteinheiten des Montagmorgens an unseren Aufenthaltsort für die nächste Woche.

Untermalt von den ersten Sonnenstrahlen, welche sich über die Bergkuppen zu wälzen begannen, standen auch alsbald Zelte, Pavillon und das erste Angekommen-Bier auf dem Tisch. Von der Fahrt aber gänzlich zermürbt, gönnten wir uns eine kurze Siesta, nach welcher wir eine Entdeckungstour starteten. Auf kleinsten Pfaden entlang der Soca, dem Fluss, der das Festival tangiert, begrüßten uns weghuschende Eidechsen, in verzweigtesten Gebüschen zeltende Metaller aus aller Welt und natürlich der Fluss selber in schönstes Wetter getaucht und einladend genug, um uns zu weiteren Badegästen zu machen.

„Hübsch Busen!“
Auch die nächsten Tage boten uns das gleiche Szenario, welches man nur allzu gerne zum geregelten Tagesablauf hat werden lassen. Morgens von der üblen Hitze (um die 30°) geweckt und um 8 Uhr raus, kurz gefrühstückt, kurz in den Ort einkaufen, dann Campingstuhl geschnappt und mit genug Bier (was man in dem kühlen Nass ja perfekt kühlen konnte) immer sechs bis sieben Stunden im Wasser. Abends wenn es kühler wurde entweder am Zelt chillen oder auch mal eine Band schauen. Die werden bei dieser Umgebung echt egal. Ich habe in den fünf bandgefüllten Tage vielleicht 10 bis 12 Bands gesehen. Obwohl sich das prinzipiell beim Metalcamp lohnt. Denn geht man – am besten ne halbe Stunde vor Ende der letzten Band rüber zur Beach-Bar (ein kleines Partyzentrum an der Landspitze, wo ein anderer Fluss in die Soca mündet), bekommt man noch einen guten Platz zum Gaffen bei der allnächtlichen Striptease-Show. Die haben wir dann an zwei Tagen auch tittsächlich mitgenommen und wurden beide Male von zwei – mutmaßlich slowenischen – Schönheiten verzückt. „Prijeten Dojka“ war spätestens dann eins der neuen Schlagbegriffe der Woche. Heißt so viel wie „Hübsch Busen“.

Kalt und ungenießbar
Um neben den ganzen Bergen und den tollen Sachen da mal kurz die negativen Sachen zu subsumieren, sei als allererstes das Bier genannt. Lasko und das andere dessen Namen ich schon verdrängt habe, gaben sich mit Hamburger Import-Bier die Ehre im Supermarkt. Beides auch kalt äußerst ungenießbar. Zu spät entdeckten wir den Supermarkt, der auch Staropramen im Angebot hatte. Die anderen Tage stiegen wir auf Wodka/Energy und Rotwein/Sprite um. Glücklicherweise hatten wir anfangs auch noch belgische Geschmacksperlen aus der Liga Grimbergen/Leffe dabei.

Zweites Manko waren die Preise, die im Supermarkt, einer italienischen Kette namens Eurospin, gemäßigt bis deutschen Standard hatten, im anderen Markt aber deutlich zu teuer waren. Auf dem Gelände herrscht gewissermaßen europäischer Festivalstandardpreis. Leider keine günstige slowenische Überraschung hier. Der sattmachende Schnapper waren hier die megagroßen Pizzastücke für 3,50 €.

Ach, Bands gab es ja auch…
Wo wir grad beim Festivalgelände sind, sei auch mal – in ebenso großer Proportion wie wir es auch in der Woche besucht haben – geschildert, wie die Bands waren. Airbourne – toprock! Arch Enemy – standardstark. Winterfylleth – gute Band! Slayer – Slayer. Wintersun – na ja & Mastodon – jo! Vanderbuyst – Vandertastisch! Blind Guardian – kein Valhalla! Amorphis – gut wie eh und je und Accept einfach übermächtig! Geil, mir fällt gerade auf, dass ich keine zehn Bands gesehen habe, so geil war einfach das Drumherum.

Zum Beispiel ein Wandertrip der ganz besonderen Art. Direkt am ersten Tag entdeckten wir einen nicht gar so hohen Berg, direkt bei Tolmin. Auf ihm war eine ominöse Mauer zu erkennen, die eine sehr gute Aussicht auf das Tal, die Stadt und das Festival samt Fluss zu bieten schien. Nach ein-zwei Tagen Rumgescherze, dass wir das bestimmt mal machen, war es unser fester Plan für den Donnerstag. Der sich dann jedoch als schlechteste Tageswahl entpuppte: Erstmal war es schon am Morgen so schwül wie nie zuvor. Es hatte das erste Mal etwas geregnet, aber zwei unseres Trupps wollten unbedingt wandern, auch mit den drei noch hartnäckigen Flaschen Wodka vom Vorabend in den Adern, ganz zu schweigen von den anderen vier Tagen Alkohol in unserem Hinterschädel. Hätte man vielleicht am ersten Tag machen sollen. Na ja, so war es umso männlicher, das erste Bier des Tages schweißgebadet auf der Burgmauer des alten Forts Tolmin bei herrlichem Sonnenschein zu öffnen.

Umso befreiender wirkte anschließend das Bad in der Soca, um die nächsten vom Metalfluss getauften Bierdosen zu entheiligen. An diesem Tag starteten wir unsere Wall Of Wet und das Circle Wet. Was das ist, mag sich jeder selbst ausmalen.

Unorganisierte Security
Die letzten zwei Tage und besonders der Freitag zeigten Slowenien aber auch einmal von seiner wetterlich anderen Seite. Auch wenn es wohl ein harmloser, schauerdurchsetzter Tag war, zwangen uns die unberechenbaren Windböen dazu, unseren Pavillon auf der kleinen Anhöhe abzubauen. Eine sumpfige Dauerregenschlacht, wie es wohl 2009 der Fall war, blieb uns zum Glück erspart. Da konnten uns unsere österreichischen Freunde noch ein Lied von singen. Ein im Übrigen sehr lustiger Haufen von über 30 Leuten aus Graz, Wien, der Steiermark, aber auch aus Bayern und sogar einem Menschen aus dem Oman, der mehr als nur eine abenteuerliche Geschichte über Metal in seiner Region und seine ewigen Touren in unsere Hemisphären für die unterschiedlichsten Bands zu erzählen hatte.

Diesem sympathischen Trupp wurde ein weiteres Minus dieses Metalcamps zum Verhängnis: Die Security. Diese war in den ersten Tagen auf dem Campingplatz nicht existent bis chaotisch und unorganisiert, später zumindest etwas präsenter. Doch das half vielen nicht mehr. Mehr als hundert Leuten wurde Geld gestohlen. Zum Teil sogar, während sie schliefen.
Abgesehen von dieser unschönen Anekdote war der Trip aber der wohl geilste Urlaub seit langem – denn mit einem Festival, wie man es typischerweise in Deutschland kennt, hatte das nichts mehr zu tun. Nicht stressig auf zwei oder drei Tage gepresst, sondern locker und entspannt Urlaub machen, mit der Zusatzoption auch mal ein paar namhafte Metal-Acts zu sehen. Nächstes Jahr definitiv wieder! Nur eins sei angeraten: eine ganze Woche ohne Luftmatratze und nur mit Isomatte sollte man sich gut überlegen. Meinen Rücken spürte ich jedenfalls noch auf der Rückfahrt…

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