Viva El Tio
MATT ROEHR – Vollblutmusiker, Auswanderer und Böhser Onkel a.D. geht schon lange seinen eigenen Weg. Nach zwei besonders in Amerika erfolgreichen, englischsprachigen Soloplatten zieht es ihn mit „Blitz & Donner“ zurück zu den Wurzeln. Der vielen als Gonzo bekannte Gitarrist und neuerdings auch Sänger plaudert über seine aktuelle Arbeit und stellt klar, dass es völlig in Ordnung ist, ein Böhser Onkel zu sein.
Text: Miriam Görge | Foto: M. Roehr
Zwei Stunden nach Termin berichtet ein völlig beschämter Wahl-Uruguayer, dass er beim Proben schlichtweg die Zeit vergessen hat. Beim Thema Musik ist Matt einfach in seinem Element. Die Zeit nach Trennung der Onkelz hat er genutzt, um auszuwandern und in musikalischer Hinsicht egoistisch zu sein. Der Erfolg, besonders in Amerika, bestärkt ihn. „Ich habe mit den beiden englischen Alben einfach mal die Sau raus lassen und auf den Spuren meiner eigenen Vorbilder wandern können. Sich dem internationalen Markt zu öffnen, stieß damals bei der Band auf taube Ohren. Jetzt konnte ich das selbst verwirklichen und genau das machen, was ich wollte.“
Mit „Blitz & Donner“ meldet sich Gonzo allerdings nun mit einem deutschen Album zurück, einer Punk-Rock‘n‘Roll-Platte, wie viele sie schon lange von ihm erhofft oder gar erwartet hatten. „Anfangs war ich skeptisch, schließlich lief hier alles gut und ich hatte Spaß bei der Sache. Doch sowohl Fans als auch Freunde traten an mich heran mit dem Wunsch, ein deutsches Album von mir zu hören. Nach den ersten zwei geschriebenen Songs merkte ich, wie unglaublich viel Spaß mir das Ganze macht, und dass ich doch eigentlich was vermisst habe. Das Album floss mir förmlich aus den Fingern. Was ihr da hören könnt, ist Gonzo pur, da wo er vor vielen Jahren aufgehört hat.“
Einmal Onkel, immer Onkel
Doch nur weil gerade alles rund läuft, heißt das nicht, dass früher alles schlecht war und Fragen zum Thema Böhse Onkelz gehören für ihn einfach dazu: „Es war eine lange und eine richtig tolle Zeit, die wir hatten. Warum sollte es mich nerven, darüber zu sprechen, wenn ich gefragt werde. Die Band gehört einfach zu meinem Leben dazu, und ich denke auch heute noch sehr gern an die Zeit zurück.“ Leugnen hätte auch keinen Sinn, schließlich sind es nicht nur Interviewer, die Matt auf seine Ex-Band ansprechen. Auch wenn es um seine eigene, ganz persönliche Arbeit geht, trifft er nicht immer nur auf alte Freunde: „Natürlich gibt es nach wie vor Menschen im Musikbusiness, die dich kategorisch ablehnen, wenn sie den Namen „Böhse Onkelz“ hören, im Vertrieb ebenso wie im Printbereich. Aber es ist okay, dass deshalb jemand deinen Song nicht im Radio spielen will. Da lache ich mittlerweile nur noch drüber.“
Entfernte Verwandtschaft
So allgegenwärtig ist die Ex-Band dann aber doch nicht. Sicher, jüngste Ereignisse um Kevin Russell lassen auch den Kollegen nicht kalt und Gonzo hat sich über alle Entwicklungen genau informieren lassen, blickt gar von Herzen traurig auf die Geschehnisse und fühlt mit seinem Freund, der jedoch auch in Matts Augen den Kampf gegen die Drogen verloren hat. Kontakt haben die Männer untereinander kaum noch. „Wir sind alle unsere eigenen Wege gegangen und hier in Südamerika kommst du kaum dazu, in die neuen Alben der Jungs reinzuhören.“ Man schaut heuer für sich selbst nach vorne, genießt die Freiheit, sein eigener Herr zu sein. „Geht nicht, gibt es nicht. Ich kann meine Ideen zu 100 Prozent umsetzen. Und solange es mir Spaß macht, werde ich das auch weiterhin tun!“
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