Interview: Skindred – “Befreie deinen Geist”
Befreie deinen Geist
SKINDRED spiegeln das Zusammenleben der verschiedensten Kulturen wider. Und das nicht nur innerhalb der Band und ihres Lebensraums, sondern auch musikalisch: Reggae und Metal. Eine Ausnahmeerscheinung.
Text: Elvis Dolff | Foto: Skindred
Skindred sind etwas ganz Besonderes. Während einen heutzutage wohl kaum noch eine Kombination musikalischer Stile überraschen kann und man als Old School gilt, wenn man nur zwei Genres oder gar nur ein einziges bedient, befinden sich Skindred in der soliden Position, sich selbst ein eigenes Genre geschaffen zu haben: ihren Ragga Metal. Dass dieses Genre-Geschwafel nicht nur jedem ernstzunehmenden Fan aus den Ohren hängt, bestätigt der Eindruck und die Einstellung von Front-Skindred Benji Webbe: „Fans aus den verschiedenen ‚Szenen‘ und ‚Gangs‘ werden uns nur mögen, wenn sie nicht blind von ihren ganzen Genres sind. Das ist Musik für Leute, die frei davon sind und sich nicht davon versklaven lassen. Befreie deinen Geist und dein Arsch wird folgen! Wir sind auch kein Crossover oder Teil irgendeines Trends. Das ist Musik, die alle Dinge übersteigt.“
Die Wurzeln sind unter anderem im Reggae zu finden. Eine gewisse Verbindung zu dieser Szene kann die Band nicht von sich weisen. „Ich mag das ältere Zeug. Persönlich denke ich, dass Reggae seine Richtung verloren hat und Jahr für Jahr das Gleiche herausbringt, nur eben mit modernerer Technik. Ich bin ehrlich gesagt kein Fan von den heutigen Reggae-Künstlern.“
„…außer deutscher Techno.“
Die Idee eine Band in diesem Stile zu etablieren, dazu habe er sich irgendwann berufen gefühlt. „Ich liebe Rock’n’Roll, Punk und Metal genauso wie jede Art von Dancemusic. Außer vielleicht dem deutschen Techno. Ich bin in den Siebzigern aufgewachsen. Als ich Bands wie The Specials, The Clash oder die Beastie Boys hörte und sah, wie sie verschiedene Stile verbinden, wusste ich, dass ich eine Band kreieren musste, die das auch herüberbringt. Keine erzwungene Musik machen, sondern eine, die ganz natürlich kommt. Wenn du etwas liebst, musst du es nicht erzwingen.“
Leben im Schmelztiegel
Das neue Album „Union Black“ schlägt in jedem Fall wieder in typischer Skindred-Manier, unverwechselbar und mehr als partytauglich in die Plattenläden ein. Der Titel hat sogar eine besondere Bedeutung. „Das ist mehr oder weniger eine Zelebration des Schmelzpunktes und des kulturellen Zusammenlebens, das in Großbritannien mittlerweile Einzug gehalten hat. Reich an Kultur und Leuten aller Nationen und Nationalitäten. Ich weiß nicht, ob man das für jede Ecke dieses Landes sagen kann, aber hier in Newport kommen wir mehr als nur gut zurecht – und leben zusammen!“
Und nicht nur darauf, sondern auch auf das Album selber ist Benji sehr stolz: „Es ist das erste Album, das wir hier in Großbritannien gemacht haben. Es fasst unsere musikalische Vielfältigkeit brillant ein. Ich bin glücklicher mit dem Release als ich am Anfang dachte.“
Wieviel Glück die Musik live versprüht, können unter anderem Wacken-Besucher in diesem Jahr erleben. „Wacken ist schon was ganz besonderes. Da haben wir lange drauf gewartet. Ich habe mal gehört, dass man sobald man in Wacken gespielt hat, ein wirklicher Heavy Metal-Act ist. Bring it on!“
In diesem Sinne: One love, brotha!



