Die Opas an der Front
Für STATUS QUO scheint es besser denn je zu laufen. Neues Album, ständig prall gefüllte Konzerthallen und dann war da noch die Sache mit der Adelung seitens der Queen. Bandchef Francis Rossi über die Motivation des Weitermachens, neue Arbeitsweisen und das soziale Engagement für verletzte Veteranen.
Text: Dorian Gorr | Fotos: Status Quo
Wenn uns das aktuelle Status-Quo-Album etwas beweist, dann dass Rock‘n‘Roll eine Musik ist, die tatsächlich zeitlos zu sein scheint. Es ist das Jahr der alten Garde, die widerspenstiger denn je zu sein scheint und einfach keinen Platz für Neulinge und junge Rock-Recken machen möchte. Oft wirken diese Versuche hilflos und verzweifelt, beispielsweise bei Nazareth. Es sind die wenigen Ausnahmen im Rock-Business, die mit ihren neuen Alben ganz oder zumindest halbwegs an ihre früheren Großtaten anschließen können. Uriah Heep beispielsweise. Oder eben auch Status Quo. Na klar, deren neues und mittlerweile 29. (!!!) Album „Quid Pro Quo“ ist an manchen Ecken und Kanten etwas zahnlos, aber das macht bei dieser Band nichts. So klangen Status Quo nämlich schon immer.
Die Band aus England hat sich nicht aus Altersgründen anpassen müssen. Ihr butterweicher Sound, die tanzbaren Songs, die Gute-Laune-Stimmung und der Rock‘n‘Roll – all diese Elemente machten Status Quo früher aus und all diese Elemente machen Status Quo auch heute noch aus. Frisch klingt das neue Album nicht, aber eben auch nicht altbacken. Es ist kein Album einer Band, die stehen geblieben ist und nur verklärt an die gute, alte Zeit denkt, aber es ist auch kein Album, das davon zeugt, dass die Band sich zu weit vom Strom der Zeit hat mitreißen lassen. Es ist ein Album, das nur davon zeugt, dass Status Quo immer noch Status Quo sind und vermutlich auf ewig bleiben werden.
Francis Rossi, Chef, Gitarrist, Gründer und Sänger von Status Quo entpuppt sich sogleich als Scherzkeks, der seine Interviewpartner gerne auf den Arm nimmt. „Hier ist Sammy‘s Sandwich Shop, wie kann ich ihnen weiterhelfen?“, erklingt es in so einem gelangweilt-routinierten Ton aus dem Hörer, dass man hundertprozentig davon überzeugt ist, sich verwählt zu haben. Francis Rossi? Status Quo? Interview? „Nein, entschuldigen Sie bitte. Sie sind hier mit dem Sandwich-Shop verbunden“, knarzt es weiter aus dem Hörer, bevor Francis in neckisches Gelächter ausbricht. „Sorry, ich kann selten widersehen, die Interviewer, die mich anrufen, zu verarschen. Du hast dich aber gut geschlagen. Andere legen oft panisch auf, weil sie denken, sie hätten sich verwählt.“ Das Eis ist danach jedenfalls gebrochen. Und irgendwie fühlt man sich auch nicht mehr ganz so schuldig, Francis direkt mit der provokanten These zu konfrontieren, dass es ein Zeichen für Altersschwäche sein könnte, dass die Zeitspanne zwischen zwei Quo-Alben nie länger gewesen sei.
„Es ist ein Mythos, an den die Leute glauben, dass wir irgendetwas planen würden. Als wir ‚Rocking All Over The World‘ herausbrachten, sagte uns jeder, dass das ein großartiges Timing sei und das Album genau zum rechten Zeitpunkt erscheinen würde. Fuck that! Wir haben nie irgendwas geplant. Die Dinge kommen, wie die Dinge kommen. Diesmal hatten wir einfach andere Sachen um die Ohren, deswegen kamen wir nicht vorher zum Aufnehmen“, bleibt Francis gewohnt cool und entspannt.
Überhaupt wohnt dem Quo-Sänger eine überraschende Ruhe inne. Allumfassende Entspanntheit, die beinahe abfärbt und zum Plaudern einlädt. Francis‘ Lieblingsthema: das neue Album. Denn diesmal habe man anders gearbeitet als zuvor. „Im Gegensatz zu früher haben wir nicht, sobald einer eine Kernidee für einen Song hatte, diese in der Band hin- und hergeschmissen und daran gewerkelt, sondern der Urheber behielt die Fäden in der Hand, entwickelte alles in eigener Arbeit. So haben wir es geschafft, den individuellen Charakter jedes einzelnen Songs zu konservieren und zu bewahren. Ich glaube, dass die Songs deswegen so geil klingen“, behauptet der Sänger und man erahnt die stolzgeschwollene Brust.
Hilfe für Helden
Auf dem Album gibt es auch ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten: „In The Army Now“, einer der größten Status-Quo-Hits aller Zeiten, hat es in einer neu aufgenommenen Version auf die CD geschafft. Als Bonustrack, wie Francis betont. Denn geplant war die Nummer ursprünglich nicht. Vielmehr resultierte sie aus einem karitativen Zweck.
„Wir nahmen den Song ursprünglich neu auf und veröffentlichten ihn als Single, um Geld für Help For Heroes zu sammeln“, erklärt Francis.
Help For Heroes ist eine Organisation, die sich um verwundete britische Soldaten kümmert. Ein Thema, das laut ihm zu wenig Beachtung bekommt.
„Ich bin kein großer Fan einer Armee, aber solange wir eine solche haben, müssen wir uns auch um die Männer und Frauen kümmern, die in ihr dienen. Diese Leute werden teils schwer verwundet, verlieren Gliedmaßen und können danach vom Staat kaum Hilfe erwarten. Da läuft etwas falsch“, verliert Francis erstmals die Fassung.
Im Rahmen ihrer Aktion besichtigten Status Quo auch einen Militärstützpunkt und spielten für die Soldaten vor Ort. „Ich könnte nicht diesen großen Machotypen gehorchen und wäre obendrein ein viel zu großer Feigling für die Armee. Aber wenn man einmal dort ist, schaut man auch hinter die Kulissen und sieht die Menschlichkeit und die Tragik der verwundeten Soldaten. Einer kam ohne Beine wieder zurück nach England und seine Frau konnte das nicht ertragen und verließ ihn. Das sind Schicksale, mit denen man nicht tauschen will. Das sind mutige Menschen. Was wir für sie taten, war nicht viel, aber immerhin etwas“, so Francis.
Queen Pro Quo
Nicht zuletzt wegen ihres Engagements wurden Francis Rossi und sein Status-Quo-Kollege Rick Parfitt von der Queen 2010 zum Order Of The British Empire geschlagen. Francis bleibt bescheiden: „Ich glaube eigentlich nicht, dass wir das wirklich verdient haben, aber natürlich fühlt man sich da enorm geehrt. Und ich war von der Art und Weise, wie die Queen ihren Job macht, beeindruckt. Viele halten von ihrem Status nichts und glauben, sie habe null Interesse am Volk, aber das stimmt nicht. Dann hätte sie uns längst verlassen und würde von ihrem Geld leben. Sie erledigt ihren Job mit religiösem Eifer“, erinnert sich der 62-Jährige.
Und hier tut sich eine interessante Parallele auf. Denn auch Status Quo sitzen längst auf so viel Geld, dass sie sich beruhigt zur Ruhe setzen könnten. Doch das kommt nicht in Frage. „Ich habe immer Hummeln im Hintern. Ich mache Musik seitdem ich zwölf bin, damit kann man nicht einfach aufhören. Ich bin süchtig nach dem Gefühl des Live-Auftretens. Richtig entspannt bin ich nur direkt nach einem Auftritt. Dieser ganze Rock‘n‘Roll-Zirkus rechtfertigt meine Existenz.“
Nichts sei furchtbarer als nichts zu tun zu haben, versichert der Fronter. „Die Leute glauben, es sei der Traum, in der Lotterie zu gewinnen und für den Rest des Lebens die Füße hochzulegen. Aber da liegen sie falsch. Jeder Mensch braucht etwas, was ihn morgens aus dem Bett bringt. Für mich sind das meine acht Kinder, meine Musik, eine Show, der tägliche Sport oder eben auch ein Interview mit dir. Diese Dinge lassen mich morgens aufstehen.“
Und sei es nur, um den Interviewer zu verarschen…









