Live: Kyuss Lives! in Hannover, Capitol
KYUSS LIVES
(+ BURDEN)
28.6. – Hannover, Capitol
Text & Foto: Dorian Gorr
Ursprünglich stand Hannover gar nicht auf dem Tourplan der Reinkarnation von Kyuss. Als dann jedoch fast alle Shows schon Monate vor Tourbeginn ausverkauft waren, entschieden sich Booker und Band dazu, weitere Shows zu buchen. Dass das keine schlechte Idee war, beweist eine schier endlose Masse an Menschen, die sich vor dem Capitol dicht an dicht drängen. „Hast du noch was zu dampfen?“, fragt ein Dreadlockträger. Na, das kann doch nur ein super Abend werden.
Doch bevor sich die Großmeister des Stoner-Rocks die Ehre geben, dürfen Burden ran. Wie schon bei vielen vorherigen Shows, trifft die Musik der Jungs den Geschmack vieler Besucher, aber etliche scheinen auch sichtlich gelangweilt zu sein. Das sind vor allem diejenigen, die mit der härteren musikalischen Ausrichtung der Band nicht viel anfangen können. Sänger Thorsten schafft es leider obendrein nicht, eine Bindung zum Publikum aufzubauen. Fast tollpatschig stammelt er sich konzeptlos durch seine Ansagen. Wirklich folgen kann man dem Gerede nicht. Selbst wenn man nicht weggedampft ist.
Ewig lange wirkt die anschließende Umbaupause. Das ist besonders dann ärgerlich, wenn auf der Bühne akut nichts passiert. Alibimäßig schleicht immer wieder ein Roadie zum Drumset, dreht ein paar Schrauben fest, bevor es in die nächsten fünf Minuten Wartezeit geht, nach deren Ende der Roadie abermals dran muss – gegen Ende gar unter den Pfiffen der Kyuss-Fans. Als es dann schließlich soweit ist, setzt John Garcia abermals alles daran, sich für die Auszeichnung des arrogantesten Fronters der Welt zu qualifizieren. In den fast zwei Stunden Konzert gibt es eine einzige Ansage, die da lautet: „Thanks for coming. Goodbye.“ Bis zu diesen finalen Worten, die wie üblich nach „Green Machine“, einzige Zugabe und Überhit zugleich, erklingen, bleibt John stumm. Zumindest zwischen den Songs, die aber auch oft fließend ineinander übergehen. Während der Songs zeigt er jedoch sein geballtes Können. Stimmlich hat der Wüstensohn kein bisschen nachgelassen. Nur bei sehr schnell gesungenen Passagen kommt John heute ein oder zwei Mal nicht hinterher und verheddert sich. Ansonsten ist das mustergültig – ganz im Gegensatz zu seiner sonstigen Performance. Sobald sein Gesang nicht gefordert ist, dreht er sich mit dem Rücken zum Publikum und starrt den großen Marshall-Verstärker an. Ab und an starrt er emotionslos durch seine große Sonnenbrille in die Menge, die zu den schweren Bassklängen tobt und schwitzt. Ein leichtes Mitwippen mit der Hüfte, das ist alles, was John an Stageacting zu bieten hat.
Man würde sich fast wünschen, dass man ihm das als Schüchternheit auslegen kann. Vielleicht würde die unterkühlte Performance dann etwas sympathischer rüberkommen. Andererseits: Irgendwie muss ein John Garcia ja auch unantastbar, arrogant und eben scheißcool wirken. Zumal man sich an dem Gehabe nicht so sehr stören könnte, dass es einem den Spaß an dem ansonsten hervorragenden Auftritt verderben könnte. Die Setlist ist mit „Gardenia“, „Thumb“, „Freedom Run“ und „El Rodeo“ absolute Spitzenklasse, Bruno Feveris Selbstbewusstsein scheint in den vergangenen Monaten auf ein gesundes Level gewachsen zu sein und Bass-Monster Nick Oliveri ist ohnehin einer der coolsten Bartträger unter der Sonne. Da kann nicht viel schief gehen. Nicht mal mit einem Fronter, der fast durchgehend so wirkt, als sei er gerade lieber woanders.



