Artikelserie “Debütastisch!”: A Pale Horse Named Death – “Die Finger schmutzig machen”
Die Finger schmutzig machen
DEBÜTASTISCH! In dieser Artikelserie stellen wir in unregelmäßigen Abständen talentierte Bands vor, die uns mit ihrem ersten Album beeindruckt haben. Diesmal dabei: Die Type-O-Negative-Nachfolgeband A PALE HORSE NAMED DEATH.
Text: David Dankert | Foto: SPV
Entspannt und spürbar von sich selbst überzeugt sitzt Sal Abruscato im Biergarten des Kölner Undergrounds. Noch während der Begrüßung fängt der Mann, der in der Musikwelt besser als Drummer von Type O Negative und Life Of Agony bekannt ist, mit halb offenen Augen an, einen Joint zu drehen und gerät in einen Laberflash:
„Weißt du, mir ging es eine Zeit lang echt dreckig. Meine Frau hatte sich von mir getrennt und ich war richtig down. Ich hab sogar darüber nachgedacht, keine Musik mehr zu machen. Aber dann lag ich auf der Couch und habe den History Channel geschaut. Und da lief dieser ganze Scheiß über die Bibel, den Teufel, die Kriege. Dann kamen die vier Reiter, die Rede war von einem „Pale Horse“, welches den Tod bringt. Da schoss es mir sofort durch den Kopf: „A Pale Horse Named Death“, ich wusste sofort, dass das DER Name für mein neues Projekt war. Noch bevor auch nur der erste Song aufgenommen wurde, ließ ich mir „A Pale Horse Named Death“ auf die obere Brust tätowieren.“
Nimmt man Sals Aussage über seine schwere Zeit, so könnte man leicht auf die Idee kommen, dass Songs wie „Heroin Train“ oder „Pillhead“ eventuell Auszüge seines Lebens sein könnten. Angesprochen darauf erklärt Sal jedoch fix: „Das ist zum Teil Fiktion, manches auch nicht. Ich habe eine Zeit lang nah an einem Park gelebt und da sieht man diese ganzen Junkies, denen alles egal ist, die nur bis zum nächsten Schuss denken können. Davon handeln im Groben die Songs.“
Auch sonst, sieht man einmal von den stark geröteten Augen und dem Joint in Sals Hand ab, wirkt er angesichts der eher depressiven Atmosphäre auf „And Hell Will Follow Me“ überraschend ausgeglichen und zufrieden. „Es war einfach mal geil, alles so zu machen wie ich wollte. Ich habe alle Songs geschrieben, also brauchte ich mich nicht mit anderen Leuten herumzuärgern, die irgendwas anders sehen als ich. Wenn vier Leute oder mehr in einem Raum stehen und einen Song schreiben, dauert das Stunden. Bei Life Of Agony haben wir manchmal einen ganzen Tag diskutiert und herumprobiert, um am Ende des Tages zu merken, dass wir trotzdem keinen fertigen Song hatten.“
Der Drummer ist im Urlaub
Auch die Entscheidung live nicht mehr Drums zu spielen, fiel alles andere als schwer: „Ich bin einfach gelangweilt vom Schlagzeug spielen. Ich spiele seit so vielen Jahren, dass ich was Neues ausprobieren wollte. Klar, ein Szenario wäre zum Beispiel, wenn Dave Grohl mich als Drummer haben wollen würde, dann wäre ich auch sofort wieder dabei, aber ansonsten ist der Drummer in mir im Urlaub – und das auf unbestimmte Zeit.“
Auf unbestimmte Zeit müssen zumindest APHND-Fans nicht auf ein weiteres Album warten. Das ist laut Sal schon jetzt in der Mache. „Ich merke, dass sich ein Fieber unter den Leuten ausbreitet. Immer mehr Leute hören unser Album und die Reaktionen auf den Konzerten sind echt phänomenal. Gerade gießen wir unser Fundament, nächstes Jahr spielen wir eventuell schon vor 300 Leuten und irgendwann, wer weiß, mal eine Headlinershow vor 1000 Leuten? Natürlich ist es eine Umstellung, keine Roadies mehr zu haben und alles selber zu machen. Für manche ist das zu hart, doch ich habe kein Problem damit, mir die Finger schmutzig zu machen. Das hatte ich noch nie. Auch nicht bei Life Of Agony oder Type O Negative!“
Dass gerade diese zwei Bands möglicherweise für immer uneinholbar für Sal Abruscato schweben könnten, sieht er nicht als Problem: „Das ist doch einfach ein Riesenkompliment finde ich. Viele Kompositionen von Type O waren wirklich genial und ich bin stolz, einen Teil dazu beigesteuert zu haben und mit dieser Band in Verbindung gebracht zu werden. Viele Leute sagen auch oft, wir wären von Alice In Chains beeinflusst, fuck, ich habe ja nicht mal ein Album von denen, aber trotzdem macht mich so etwas stolz. Die Leute bringen einen nun mal mit denen Sachen in Verbindung, die sie schon kennen. Das liegt in der Natur des Menschen. Man kann seine Herkunft nicht leugnen und das habe ich auch nicht vor.“



