Pitschnass in Schlotheim
Das Party.San Open Air 2011. Nachdem das Festival im letzten Jahr mit großen Platzproblemen, resultierend aus apokalyptischen Wassermassen, zu kämpfen hatte, wechselte man prompt die Location und verließ das Erfurt-nahe Bad Berka für das etwas weiter nördlich gelegene Schlotheim. Team Metal Mirror hat sich dort mal umgesehen.
Donnerstag: Dach kaputt
Das musikalische Programm startet am Donnerstag unter anderem mit den Grindhäschen Aborted. Wie alle anderen Bands an diesem Abend, müssen sie ins Partyzelt umziehen. Der geplante Auftritt auf der Hauptbühne ist für niemanden mehr möglich gewesen, nachdem ein Teil des Dachs zusammengekracht ist. Mehr Glück beim Wetter hat die neue Location nicht gebracht. Nichtsdestotrotz grinden Aborted ihr Set dem vollgestopften Partyzelt entgegen. Nach Death-Grind gibt es atmosphärischen Folk Black Metal aus Rumänien, präsentiert von den kritisch beäugten Überbleibseln von Negura Bunget. Dass hier die Stimmung nicht überkocht, ist angesichts der epischen Songs logisch, dennoch hätten Negru und Co. einiges mehr reißen können, wenn man sich abgesehen von einem Stück nicht nur auf das letzte Album beschränkt hätte. Es folgt die Wiederkehr von Darkened Nocturn Slaughtercult. 2005 spielten die deutschen Black-Metal-Puristen zuletzt im Zelt (damals allerdings noch planmäßig). Auch dieses mal füllt sich das Zelt erneut beträchtlich und Fronterin Onielar keift sich die Stimmbänder wie gewohnt heiser. Dass der Auftritt trotzdem nicht heraussticht, liegt wohl auch am eher schwachen Sound im Zelt, unter dem schon Negura Bunget leiden mussten. Nach 45 Minuten stehen Decapitated auf den Brettern. Diese genießen ein mittlerweile sehr volles Zelt, was aber augenscheinlich nicht aufgrund ihrer Präsenz zustande gekommen zu sein scheint, sondern einfach nur das Resultat der Enge der Location ist. Als Triptykon nach endlosem Soundcheck und mit ordentlich Verspätung endlich die Bühne betreten, ist es vor dieser hingegen nicht mehr ganz so voll, wie es eigentlich zu erwarten war. Gewohnt schleppend eröffnen Triptykon mit „Procreation Of The Wicked“ und reihen im Laufe des Abends noch Celtic-Frost-Klassiker wie „Circle Of The Tyrants“ oder „Babylon Fell“ in ihre Setlist mit ein. Zum Ende hin flacht der Auftritt inklusive schnarchigem Stageacting etwas ab, dennoch kann man getrost festhalten, dass zumindest die Orga astrein auf die geschrottete Hauptbühne reagiert hat und mit dem Partyzelt eine solide Notlösung gefunden wurde.
Freitag: Wetterapokalypse
Der Freitag beginnt früh um 14 Uhr mit Truppensturm auf der wieder einsatzbereiten Hauptbühne. Zwar wirkt das Aachener Trio etwas statisch, musikalisch gibt es trotzdem stumpf und zugleich amtlich auf die Ohren. Nach knappen 30 Minuten ist das Gebolze zwar schon wieder vorbei, doch der nächste Spaß in Form von Urgehal steht schon in den Startlöchern. Schon ordentlich angeheitert und mit Kick-Ass-Ansagen im Repertoire legen Nefas, Enzifer und Konsorten mit Songs wie „Satanic Black Metal In Hell“ oder einem brutalen Autopsy-Cover einen astreinen Auftritt mit glasklarem Sound hin.
Absu haben hingegen damit zu kämpfen, dass immer noch kein zweiter Gitarrist gefunden wurde. Dementsprechend ist der Sound etwas dünn, was jedoch nichts an Proscriptors legendärer Bühnenpräsenz und Ansagen ändert. „Swords And Leather“, „Apzu“ oder „Manannan“ treten ordentlich Ärsche vor der Bühne. Den Auftritt kann man als Erfolg verbuchen! Einen ebenso epischen und nicht minder mitreißenden Gig feiern die Iren Primordial. Mit Songs wie „Empire Falls“, „Coffin Ships“, „As Rome Burns“, „No Grave Deep Enough“ oder „Bloodied Yet Unbowed” spiegeln sie einmal mehr ihre einzigartige Spielweise wider. Besonders Fronter Alan „Naihmass Nemtheanga“ Averill verkörpert durch seine Präsenz und Gestik einen großen Anteil des Zaubers der Band. Melechesh sind als nächstes an der Reihe und ziehen im Vergleich zum letzten PartySan-Auftritt deutlich mehr Leute vor die Bühne. Diesmal stimmt der Sound auch und angeführt von Ashmedi können vor allem Songs von „Emissaries“ punkten. So bildet zum Abschluss noch das amtlich abgefeierte „Rebirth Of The Nemesis“ den idealen Abschluss eines sehr starken Auftritts.
Bis hierhin hat einen der Wettergott noch verschont…. bis zum Auftritt von Morbid Angel! Kaum betreten Trey Azagthoth und David Vincent die Bühne, bricht die Apokalypse über Schlotheim herein. Unbeeindruckt dessen hauen Morbid Angel im perfekten Sound Klassiker um Klassiker in die durchnässte Menge. „Maze Of Torment“, „Lord Of All Fevers And Plague“ und sogar „Angel Of Disease“ bringen angesichts des ätzenden Wetters nochmal ordentlich Schwung in die Masse. Der Auftritt endet jedoch mit einer kleinen Enttäuschung: Als nach „Chapel Of Disease“ Morbid Angel die Bühne verlassen und minutenlang ein Intro suggeriert, dass es noch eine Zugabe gibt, ist die Enttäuschung groß, als plötzlich das Licht angeht und Morbid Angel somit ohne die obligatorischen Rausschmeißer „Where The Slime Lives“ und „God Of Emptiness“ die Bühne verlassen.
Samstag: Entjungferung
Recht früh am Samstag spielen die schwarzen Thrasher Witchburner auf, animieren viele aber nur bis zum dritten Song. Panzerchrist haben im Anschluss hingegen eine Fanbasis im Publikum und überzeugen bei ihrem allerersten Auftritt in deutschen Landen überhaupt. Und das nach 17 Jahren Bandexistenz. Besser spät als nie…
Obwohl Taake spontan den früheren Slot von Exhumed übernehmen müssen (die Amis sind nach Bad Berka anstatt nach Schlotheim gekurvt, Riesenspaß), ist es wie zu erwarten brechend voll vor der Bühne. Zwar kann man bei vielen Anwesenden auch eine gewisse Sensationsgeilheit erkennen, diese wird jedoch nicht erfüllt. Stattdessen spielen Taake einen weiteren soliden Gig ohne wirklich nennenswerte Highlights. Als die Ami-Verpeiler Exhumed endlich eintreffen, prügeln sie mit Gewalt aufs Publikum ein. Die „Matter Of Splatter“ wird hier formgerecht abgehandelt und grindet dem Publikum eloquent entgegen. Exhumed zeigen, dass sie wieder da sind und zurecht exhumiert wurden.
Nachtmystium können trotz ihres gewissen Exoten-Status‘ nicht so viele Leute vor die Bühne locken wie erwartet. Mittlerweile wieder mit zweitem Gitarristen und auch einem Keyboarder am Start, machen die Amis deutlich mehr her als noch vor zwei Jahren auf Tour. Trotzdem leiden sie unter dem schwachen Sound. Als dann auch noch dem Drummer die Fußmaschine abschmiert, wirkt das ganze doch etwas unglücklich.
Was war der Aufschrei groß, als WATAIN das zweite Mal in Folge gebucht wurden. Im Endeffekt ist es vor der Bühne trotzdem rappelvoll, und entgegen aller Erwartungen haben Watain eine Setlist der Extraklasse mit im Gepäck. Nicht nur dass der Sound erste Sahne ist, auch die Songauswahl, welche sich nur auf die ersten zwei Alben beschränkt, kann sich sehen lassen. Die Schweden punkten mit gewohnter Performance und Hymnen wie „Rabid Death‘s Curse“ oder „From The Pulpits Of Abomination“. Als zum Schluss auch noch das epische „A Fine Day To Die“ von Bathory gecovert wird, scheinen auch die letzten Kritiker verstummt zu sein. Nach so einem Auftritt haben es die Todes-Opas von Morgoth zusehends schwer, Fuß zu fassen. Mit „Cursed“, „Sold Baptism“ oder „Body Count“ brettern sie nichtsdestotrotz ihre Klassiker ins Publikum. Im Gegensatz zum RockHard-Gig, ist aber eine deutliche Steigerung zu spüren. Enslaved sind auf dem PartySan Stars. Nicht alle können oder wollen sich dem großen Hype um die progressiven Norweger anschließen, voll ist es vor der Bühne natürlich trotzdem, als neuere Tracks wie „Raidho“ oder „Ethica Odini“ gespielt werden. Gegen Ende öffnen sich wie bei Morbid Angel die Headliner-Regenwolken und es fängt an zu schütten. Den Abschluss und das absolute Highlight für viele stellt der Auftritt der schwedischen Metalpioniere At The Gates dar. Mit einem schönen Mix aus all ihren Alben ist es auch ein ebensolches. Guter Sound und nur noch vereinzelter Regen, der keinen mehr aus der Fassung bringt. Auf dem Set stehen unter anderem „Terminal Spirit Disease“, „Suicide Nation“ und natürlich „Blinded By Fear“. Die Jungs haben Spaß am Spiel und als die „Flames Of The End“ als Outro gespielt werden, geht so manch einer mit einer Mischung aus Nostalgie und Gänsehaut von der Schlotheimer Landebahn zu seinem Zelt.









