Die Mutter der deutschen Metal-Festivals ruft und ihre Jünger folgen: Traditionell fand am ersten August-Wochenende das Wacken Open Air, Europas größtes Heavy-Metal-Festival, statt. Team Metal Mirror war vor Ort, wunderte sich über Ölwrestlerinnen, wurde Zeuge einer grandiosen Reunion-Show, fluchte über das Wetter und sang bei unsterblichen Metal-Hymnen mit.
Text: D. Gorr, B. Gorr & J. Bombeck
Fotos: Wacken
Schaumkanone, Wasser, Hits
Der Presseplatz ist schon fast komplett voll, als die Metal-Mirror-Crew am frühen Donnerstag anrollt. Vor den Dixiklos tummeln sich ungeduldig wirkende mit ihren Klopapierrollen in der Hand, aus dem Duschcamp stolpern ob des kalten Wassers zitternde Pressevertreter in die morgendliche Kühle und nebenan zischt bereits die erste Bierdose zum Bratkartoffel-Frühstück. Wacken wie man es kennt! Mittlerweile hat sich der Mittwoch als vierter Tag fest etabliert. Am Donnerstag reist heutzutage kaum noch jemand an.
Das offizielle Programm auf den Hauptbühnen startet jedoch erst an diesem Nachmittag. Fast schon traditionell stehen da SKYLINE auf dem Plan. Die Band, bei der auch immer mal wieder Wacken-Boss Thomas Jensen die Saiten zupft, war auf dem ersten Wacken als lokale Combo vertreten, und dank guter Connections darf man mittlerweile Jahr für Jahr die Hauptbühne entjungfern. Und nicht nur das: Ob sich einer der Beteiligten vor zwei Jahrzehnten hätte träumen lassen, später einmal gemeinsam mit Udo Dirkschneider, Doro Pesch und Onkel Tom auf einer Bühne stehen zu dürfen? Wohl kaum.
Wirklich spektakulär wird es jedoch erst in den Abendstunden. Vorher soll Bülent Ceylan beweisen, dass Metal und Comedy zusammenpassen und die Proleten-Rocker Frei.Wild kämpfen sich durch drittklassige Lyrik, simple Riffs und eingängige wie eintönige Songs. Gääähn.
Das Gourmet-Programm startet ab 19 Uhr. Zu dem Zeitpunkt stehen HELLOWEEN auf der Bühne und versprühen gute Laune. Power Metal aus der Hansestadt, Andi Deris in guter stimmlicher Verfassung und ein arschcooler Weiki. Danach ist man aufgewärmt.
Noch überzeugender sind jedoch BLIND GUARDIAN. Mittlerweile gehören die Krefelder zum Wacken-Inventar. Hansi ruft seine erstklassige Gesangsleistung routiniert und wie auf Knopfdruck ab. Den ganz großen Enthusiasmus strahlt er dabei nicht mehr aus. Mag aber auch an den kurzen Haaren liegen. Und die Show schmälert das ohnehin nicht: Perfekter Sound, eine tolle Setlist, die kaum Unnötiges zutage fördert, und beim obligatorischen „Mirror, Mirror“-Ende eine gewaltige Pyroshow. Routiniert, aber Weltklasse.
OZZY OSBOURNE gehört keinesfalls zum Hausinventar. Ganz im Gegenteil: Der Heiligste der Metal-Heiligen betritt nach endloser Umbaupause zum ersten Mal in seinem Leben die Wacken-Bühne. Mit langem schwarzen Mantel, der tatterigen Körperhaltung und den immer noch beeindruckend vollen, langen Haaren schwankt der Ersteindruck zwischen Mitleid und großer Ehrfurcht. Teils fragt man sich, ob Ozzy eigentlich weiß, wo er gerade überhaupt spielt, so verwirrt wirkt der Madman manchmal. Dennoch: Ozzys Freude über das Meer aus Menschen vor der Bühne ist nicht gespielt. Das „I can‘t fucking hear you!“ gehört hingegen zum einstudierten, teils nervigen Bühnenrepertoire – genau wie Schaumkanone und Wassereimer, die Ozzy mit viel Leidenschaft ins Publikum schmeißt. Wenn es ihm Spaß macht… Das Publikum fühlt sich ebenfalls bestens unterhalten: „Iron Man“, „Crazy Train“, „War Pigs“ und…und…und…die Setlist reiht einen Hit an den nächsten, bis schließlich mit „Paranoid“ das Ende erreicht wird und Mirror-Mitarbeiter David eine neiderfüllte SMS aus Köln schreibt.
Anschließend geht noch viel Party. Im Zelt feiern die Kollegen vom Metal Hammer, das Moviefield zeigt den Lemmy-Film, an Zelten wird Whiskey aus Flaschen getrunken und die Wege werden von manch einer Alkoholleiche gepflastert. Festivalstimmung! An Schlaf ist bis in die frühen Morgenstunden jedenfalls kaum zu denken.
Hurra, Konterbier!
Entsprechend gerädert lugt manch ein verkaterter Pressevertreter am nächsten Morgen aus seinem Zelt, um Berge aus leeren Bierflaschen, angekokeltes Grillfleisch, Tittenhefte und umgekippte Campingstühle vorzufinden. Konterbier rein und weiter geht‘s. Für Frühstückslärm sorgen ENSIFERUM. Ob die noch vom Vorabend betrunken sind oder warum sind die schon so putzmunter? Viel Energie, finnischer Viking Metal und zum Glück etliche Songs aus den Frühzeiten der Band – so macht das Aufwachen Spaß. SUICIDAL TENDENCIES sind da schon schwerer zu verarbeitende Kost. Die wütenden Songs lassen den Schädel noch weiter brummen. Vielleicht noch ein zweites Konterbier? Oder eben auch MORBID ANGEL. Deren Death-Metal-Walzen gehören zwar eher in die Abendstunden, aber als Katerkur eignen sich vor allem die frühen Songs der Band, die heute zum Glück zu genüge gespielt werden. Nicht auszudenken, wie der Körper auf eine Hardcore-Techno-Nummer wie „Too Extreme“ reagiert hätte. Für mehr Old-School-Flair sorgen außerdem SODOM, auch wenn hier jede Form von Überraschung ausbleibt. Sodom sind eben Sodom. Onkel Tom röhrt in bierseliger Manier und hat bestimmt auch schon das ein oder andere Altbier drin. Die Songs stimmen, der Sound ist für Sodom-Verhältnisse akzeptabel. Gute Sache!
Mit Musik fernab moderner Auswüchse geht es am Abend weiter. JUDAS PRIEST geben sich erstmals auf dem Wacken die Ehre und sorgen bereits im Vorfeld für Skepsis. Der kürzlich gespielte Graspop-Auftritt war ein stimmliches Desaster, Halford wirkte mehr denn je wie im Rentenalter. Umso größer ist die Überraschung, als Priest auf die Bühne kommen und mit Frische, Energie und einem stimmlich gut aufgelegten Rob Halford überzeugen. Wenn diese Rahmenbedingungen stimmen, kann ja ohnehin nicht mehr viel schief gehen. Hits haben Priest ja genug: „Breaking The Law“, „Painkiller“ (nach wie vor die größte Herausforderung für Rob), „Hell Bent For Leather“, „Night Crawler“ und zum Schluss „Living After Midnight“ – mal sehen, wie viele Leute am nächsten Morgen noch Stimme haben.
An anderer Stelle feiern während des Judas-Priest-Auftritts Black-Metal-Fans eine triumphale Rückkehr des Undergrounds: TSJUDER sind zurück und haben nichts an Boshaftigkeit eingebüßt. Wie entfesselt rotzt Blondschopf Nag ins Mikrofon und beschwört die dunklen Horden, die da vor der Zeltbühne stehen und begeistert bei Songs wie „Ghoul“ und „Mouth Of Madness“ mitgehen. Göttlich und nach wie vor sträflich unterbewertet!
Weniger wütend, dafür berauschend geht es auf der Party Stage weiter. Nach ihrem erfolgreichen Kreuzzug durch ganz Europa, stehen KYUSS LIVES! als Quasi-Exoten auf der Bühne des Wacken Open Airs und machen eine erstaunlich gute Figur. Klar, die Hardliner gucken sich derweil lieber TRIPTYKON an, die nicht nur eigene Finster-Doom-Songs mitgebracht haben, sondern auch ab und an Celtic Frost zu Worte kommen lassen. Trotz Atmosphäre kann Tom G. Warrior nicht mit der Lässigkeit von John Garcia mithalten. Der steht gewohnt übertrieben cool mit Sonnenbrille in der Finsternis, schwingt die Hüfte simultan zum Bass-Groove und singt – wer die Band auf Tour gesehen hat, erwartet nichts anderes – wie ein Stoner-Gott. Nach der Verhaftung von Kultbasser Nick Oliveri ist heute Scott Reeder dabei, der seinen Job ebenfalls sehr anständig macht und Songs wie „Supa Scoopa And Mighty Scopp“, „El Rodeo“ und schließlich die unumgängliche „Green Machine“ grandios antreibt. Garcia bleibt dabei wortkarg wie eh und je, bedankt sich nur am Ende des Sets mit einem Satz und lässt sonst lieber den Groove sprechen. Stören tut‘s niemanden. Dafür ist man wohl zu benebelt. Von den Stoner-Rock-Klängen versteht sich…
Als Fitness-Spritze gibt es noch die nächtliche Portion AIRBOURNE, die damit den Wacken-Hattrick vollmachen. Wer die ersten beiden Gigs gesehen hat, wird nicht überrascht: Die Show ist energiegeladen, die Songs nach wie vor die moderne Reinkarnation von AC/DC, Joel O‘Keeffe mittlerweile stimmlich etwas angeschlagen, aber nicht minder lebensmüde. Im strömenden Regen und in der Dunkelheit der Nacht klettert der Lockenkopf das Gerüst der Hauptbühne hoch, um von dort richtig Stimmung zu machen. Wer diese Einlage das erste Mal sieht, staunt nicht schlecht. Sehr viel anders als die vorherigen Wacken-Auftritte ist das aber nicht. Vielleicht braucht da jemand mal neue Bühnen-Moves?
Das Gegenteil des direkten Fausthiebs gibt es kurze Zeit später. APOCALYPTICA um 2 Uhr in der Nacht. Cellogedudel, das zwar beeindruckend ist und bei Metal-Hits wie „Master Of Puppets“ Spaß macht, taugt dann letztlich doch am besten als Soundtrack zum Einnicken. Ab in die Kojen!
Babyöl und Hängetitten
Der Countdown läuft: Der letzte Tag bricht an. Die Körperhygiene der Mitmenschen wird zunehmend fragwürdiger. Vor manch einem Duschcamp-Schrägstrich-Dixiklobereich haben sich dank Dauerregen und überlaufender Toiletten Pfützen gebildet, bei denen man sich nicht fragen mag, aus was genau sie bestehen. Wer sich schon morgens in Schwung bringen möchte, greift möglichst früh zu einer Dose Bier. So fällt die Kommunikation mit denen leichter, die gar nicht geschlafen haben und noch immer total betrunken über das Gelände stolpern. Manch ein Besucher vor der Black Stage wirkt auch etwas desorientiert und verloren, als er sich plötzlich mit den epischen Wikingerklängen von MOONSORROW konfrontiert sieht. Die wollen heute leider so gar nicht zu den Rahmenbedingungen passen: Komplex, lang, episch, ausufernd – nicht gerade die beste Kombination, um frühmorgens für Rock‘n‘Roll-Enthusiasmus zu sorgen. Auf CRASHDIET trifft das schon eher zu. Die Tokio Hotel des Hair Metals haben zwar zu Beginn des Sets mit einem furchtbaren Sound zu kämpfen, können aber in diesen ersten Minuten, bis es schließlich besser wird, zumindest optisch überzeugen. Lippenstift, High Heels, toupierte Haare – willkommen im Schweden der Neuzeit. Manche Songs haben zwar so viel Kraft wie abgestandenes Haarspray, im Groben und Ganzen macht die Band jedoch Spaß mit ihren klebrigen Ohrwürmern. Und zum Schluss rollt Sänger Simon Cruz immerhin mit einer Harley auf die Bühne. Ob er sich die bei Rob Halford geborgt hat?
Harley, Haarspray und High Heels haben KATAKLYSM nicht nötig. Trigger-Drums hingegen schon. Mit Hochgeschwindigkeit servieren die Kanadier ihren Northern Hyperblast. Die ersten zwanzig Minuten macht das auch Laune, irgendwann wird das Double-Bass-Gebolze aber langweilig. Vielleicht stimmen DIR EN GREY einen ja etwas enthusiastischer. Denkste! Die japanische Freak-Combo springt munter zwischen allen Stühlen hin und her. Sanfte Harmonien, Death Metal, Rumgejammer und viel Geschrei. Dazu eine apathische Frontshow und Musik, die in vielen Ohren einfach keinen Sinn macht. Unerträglich!
MAYHEM, bitte erlöst uns von dem Bösen! Das schwarzmetallische Exorzismus-Kommando gibt sich anschließend alle Mühe, um gegen die Sonne anzukämpfen: Mayhem im Tageslicht? Schwierig, schwierig. Dass die richtig finstere Atmosphäre da nicht aufkommt, hat sich wohl auch Attila Csihar gedacht, der seine obskure Garderobe daheim gelassen hat und nur mit Lederjacke und tiefen Augenringen auftritt. Immerhin ein kleines Sturzkreuz aus seiner Privatsammlung hat er mitgebracht und fuchtelt damit beschwörerisch vor seinen eigenen Augen herum. Gesanglich ist er jedoch nach wie vor eine echte Granate. Attila kann Klänge aus seiner Kehle pressen, die einem Angst machen. „Pagan Fears“, „Funeral Fog“, „Carnage“ und „My Death“ werden unter anderem brillant stimmlich veredelt. Dennoch: In pechschwarzer Dunkelheit wäre das eine ganze Ecke geiler gewesen. Dann würden auch die Mayhem-Fans, die originellerweise Corpsepaint aufgetragen haben, nicht ganz so lächerlich wirken.
Doch dieser Fremdschäm-Moment ist bei einem Besuch des Bullhead-Wrestlingzelts schnell vergessen, denn der Showdown im Ölcatchen zwischen zwei mäßig attraktiven Osteuropäerinnen, die ihre Leibchen zerreißen, sich im Babyöl suhlen und dabei die Hängetitten baumeln lassen, während eine Berliner Pornoschnauze so grandiose Kommentare wie „Du bist ja ne janz Wilde, wa!“ und „Na los, jetz‘ zeeg doch ma die Möpse!“ heraushaut, toppt alles. Unerträgliche Fremdscham!
Dann lieber den Wacken-Abschiedsauftritt von Matt Barlow bei ICED EARTH sehen. Auch wenn die Band in diesem Sommer jede größere Bühne beackert hat, macht das hier viel Spaß. Matt singt so unfassbar fantastisch, dass man sich nach wie vor nicht vorstellen mag, dass er demnächst (wieder einmal) nicht mehr die Stimme von Iced Earth sein soll.
Und nicht nur Matt feiert Abschied, auch AVANTASIA geben sich ein angeblich letztes Mal die Ehre. Aus diesem Anlass hat Tobi Sammet seine Schergen eingeladen, um mit ihnen ein letztes Mal ein episches Power-Metal-Feuerwerk zu entzünden. Direkt zu Anfang steht Jorn Lande auf der Bühne, Magnums Bob Catley kommt leicht verwirrt dazugestolpert und Michael Kiske, von dem man jahrelang angenommen hatte, er würde nie wieder eine Metal-Show spielen, lässt sein gealtertes, aber nicht weniger überzeugendes Organ erklingen. Als schließlich auch Kai Hansen in Zylinder, Gehstock und Anzug auf die Bühne kommt, ist der Jubel noch größer. Im Hintergrund turnt außerdem Amanda Somerville herum. Im Fokus steht dennoch Tobi, der manchmal überaus sentimental wirkt, wenn er auf ein Meer aus in die Luft gereckten Armen blickt und hört, wie tausende Kehlen seine Popnummer „Lost In Space“ mitsingen. Jede Wette, dass Tobi es auf Dauer nicht lassen kann und Avantasia wieder aus der Versenkung holt?
Genug der Sentimentalität. KREATOR sorgen anschließend für die Form von Aggression, die man nach so viel Kitsch, Harmonie und Melancholie benötigt, um genug Energie für den restlichen Abend zu sammeln. Ihr Set scheinen die Ruhrpott-Thrasher zwar wie auf Knopfdruck abzuspielen und Ansagen wie Setlist sind weitgehend komplett vorhersehbar, aber Bock machen Songs wie „Phobia“, „Violent Revolution“ und der obligatorische „Tormentor“ eben doch.
Ähnliches gilt für MOTÖRHEAD. Nur dass Lemmy eben noch eine Ecke cooler wirkt als Mille. Der Warzenheilige des Rock‘n‘Roll könnte seit Jahren nur auf der faulen Haut liegen. Genug Kohle für ausreichend Whiskey bis an sein Lebensende hätte er. Aber Lemmy kann nicht anders. Lemmy braucht die Bühne und er braucht seine Lieblingsansage: „We‘re Motörhead. And we play Rock‘n‘Roll!“. Peng! Das reicht. Der Regen ist egal, der Schlamm ist egal, alles ist egal. Hauptsache es gibt jetzt endlich ordentlich was auf die Fresse. Nicht irgendein modernes Geschwurbel, sondern ehrliche Musik. Motörhead sind die eiserne Faust ins Gesicht der seltsamen Exoten. Passend also, dass die Band mit „Iron Fist“ startet. Die weitere Setlist ist, von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen, nicht weniger legendär, teils sogar ungewöhnlich: „Metropolis“, „The Chase Is Better Than The Catch“, „Killed By Death“, „Over The Top“ und schließlich natürlich der „Bomber“ – verdammte Scheiße ist das geil. Als Nachschlag gibt es natürlich – jeder weiß es und doch tun alle überrascht – „Ace Of Spades“ und das Trommelinferno bei „Overkill“, während der strömende Regen niederprasselt.
Unpassender als nach diesem Auftritt hätte man CHILDREN OF BODOM jedenfalls nicht platzieren können. So geil manche Songs der Finnen auch sind, stehen sie doch mit jedem weiteren Jahr ihrer Entwicklung für eine Abkehr dessen, was Motörhead uns vor wenigen Minuten noch vorgelebt haben. Sie sind die Helden der Moderne. Umso geringer ist auch der Altersdurchschnitt als Alexi kreidebleich und neben sich stehend auf die Bühne kommt und die Finger flitzen lässt. Der Regen macht der Band jedoch einen Strich durch die Rechnung. Während der ersten Songs bricht bereits ein Unwetter los, das viele Besucher dazu zwingt, das Weite zu suchen. Zurück bleibt ein harter Kern Fans, die sich über einen mal mehr, mal weniger fitten Alexi freuen.
Den wirklichen Geheimtipp gibt es zu dem Zeitpunkt jedoch im Zelt, das ohnehin eine gute Wahl ist, weil es Schutz vorm Regen bietet. Und der Soundtrack ist ebenfalls optimal: GHOST leben im Schutz der Dunkelheit ihre Vorliebe für Anonymität, Mystik und eine bizarre Show aus. Erhaben wandert Papa Emeritus in seinem Papstgewand über die Bühne, singt engelsgleich und versprüht mehr Finsternis als alle Black-Metal-Bands zusammen. Dabei ist die Musik alles andere als brutal oder heftig. Ganz im Gegenteil. Die Dunkel-Pop-Nummern kommen lieblich in Ohrwurm-Manier daher und lehren einem trotzdem das Fürchten. Dass diese Band auf dem Weg nach ganz oben ist, zeigt schließlich „Ritual“, ein Song, für den andere Bands jahrzehntelang vergeblich proben könnten. Weltklasse!
Mit diesem viel zu kurzen Düster-Spektakel endet das Wacken Open Air für den Metal-Mirror-Stoßtrupp. Auf dem Rückweg zum Zelt versucht man die großflächigen Matschpfützen zu überspringen. Im Backstage-Bereich herrscht bereits Aufbruchstimmung. Viele Sitzbänke sind verlassen, etliche Zelte bereits abgebaut. Schon jetzt gibt es mehr Freiflächen als es noch bei der Ankunft der Fall war. Von oben prasselt noch immer der Regen auf einen nieder, vor dem Klowagen stehen nach wie vor Leute mit durchnässten Klopapier-Rollen Schlange. Mach‘s gut, Wacken!









