Interview: ICS Vortex – “Dialog mit dem Tausendsassa”

Dialog mit dem Tausendsassa

Die Trennung von Dimmu Borgir hängt Stimmwunder ICS VORTEX noch immer im Nacken. Um wieder auf eigenen Füßen zu landen, hat der hünenhafte Norweger sein erstes Soloalbum veröffentlicht. Und schnell wird klar: Das ist nicht die einzige Baustelle, auf der er momentan arbeitet.

Text: David Dankert | Fotos: Century Media

Arcturus, Dimmu Borgir, Borknagar, Lamented Souls…Die Liste namhafter Bands, in denen Simen Hestnaes, besser bekannt als ICS Vortex, mitgewirkt hat, ist mit Sicherheit nicht von schlechten Eltern. Dass nun sein neuestes Projekt, simpel mit ICS Vortex betitelt, nicht gerade wenig Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist angesichts der bereits erwähnten Bands nicht verwunderlich. Aber sollte man ICS Vortex eher als kurzweiligen Zeitvertreib vom Meister des Sirenengesangs ansehen oder kann man „Storm Seeker“ als Grundstein für eine neue aufstrebende Metal-Band betrachten?

„Na ja, das mit der Zeit ist bei mir ja immer so eine Sache. Der derzeitige Plan ist, dass ich definitiv weitere Alben mit ICS Vortex aufnehmen und veröffentlichen will. Von daher kann man schon sagen, dass ICS Vortex meine momentane Basis ist und mein Hauptaugenmerk auf dieser Band liegt.“ Trotz dieser klaren Aussage von Vortex selbst: Wie es genau mit ihm weitergeht, lässt sich nicht sagen. Das lässt sich zumindest angesichts der Updates bei seinen anderen Bands vermuten: „Mit Arcturus haben wir schon einige Shows bestätigt, unter anderem in Norwegen und Polen. Derzeit verhandeln wir außerdem mit dem Hellfest in Frankreich und fangen wieder an zu proben, wobei ich erstmal wieder die Texte lernen muss, bevor das richtig ins Rollen kommt. Borknagar hingegen sind derzeit noch recht inaktiv, mit Lamented Souls haben wir allerdings den Plan, demnächst ein Album einzuspielen, wobei wir momentan dazu tendieren, die Band nach dem Release eventuell aufzulösen. Außerdem habe ich noch ein neues Projekt mit Mustis (ex-Dimmu-Borgir – dd) in der Mache. Darüber kann ich aber noch nicht zu viel verraten.“

Selbst mal der Chef sein
Dass die Trennung von Dimmu Borgir noch nicht vergessen ist, lässt sich am ernster werdenden Tonfall erkennen, wenn es um die werten ex-Kollegen geht. „Die Idee zu einer eigenen Band hatte ich schon weit vor meinem Einstieg bei Dimmu Borgir, das hat damit nichts zu tun. Viele der Songs von „Storm Seeker“ habe ich schon vor 18 Jahren geschrieben. Es hat einfach an Zeit und dem passenden Augenblick gefehlt, etwas Neues anzufangen. Nach dem Split hatte ich aber das Gefühl, dass jetzt die Zeit für ICS Vortex gekommen ist.“

Erstmals kam Vortex in den Genuss, selber der Boss zu sein und keine Kompromisse eingehen zu müssen. Dass dies sowohl Fluch als auch Segen sein kann, weiß auch er. Trotzdem ist spürbar, wie zufrieden und glücklich er selber mit der finalen Version von „Storm Seeker“ ist. „Ich habe alle Songs selber geschrieben und arrangiert. Selbst die Pre-Produktion habe ich alleine durchgezogen. Als es dann jedoch an die finalen Aufnahmen ging und ich auch eine Band suchte, um das Material auch live präsentieren zu können, konnte natürlich jeder der Jungs Änderungen mit einbringen. Vor allem unser Drummer werkelte noch etwas an den Beats herum, ehe die Songs wirklich komplett fertig waren. Ich hoffe natürlich, dass das Line-Up jetzt erstmal stabil bleibt und wir live spielen werden. Fakt ist aber, dass wir derzeit auch schon an neuen Songs schreiben, denn 2012 würde ich gerne ein weiteres Album veröffentlichen, natürlich gerne unter Beteiligung der jetzigen Band.“

Ozzy, Bathory, Folk…Vortex
Zumindest für die geplanten Live-Auftritte wird Bandchef Vortex allerdings deutlich weniger zu tun kriegen als dies noch beim Songwriting der Fall war. Ursprünglich war zwar der Plan, live auch Gitarre zu spielen, mittlerweile tendiert Vortex jedoch dazu, live lediglich zu singen und den instrumentalen Part auf der Bühne komplett den anderen Mitglieder zu überlassen. „Da die Songs recht progressiv geworden sind und so viele verschiedene Musikrichtungen miteinander vereinen, wird es eine gewisse Herausforderung sein, „Storm Seeker“ angemessen live zu präsentieren. Viele hatten mit Sicherheit ein deutlich härteres, Black-Metal-orientierteres Album erwartet, aber dafür kenne ich mich viel zu wenig mit Satanismus und diesem Kram aus (lacht – dd). Für ein solches Album habe ich auch einfach zu viele verschiedene Einflüsse, die ich versuche zu vereinen. Zum Beispiel hat mich „Blood Fire Death“ von Bathory, eines meiner Lieblingsalben, sehr stark im Songwriting beeinflusst. Aber auch Folk und vor allem Black Sabbath mit Ozzy an den Vocals waren eine große Inspiration, auch wenn man das im ersten Augenblick vielleicht nicht raushören kann.“

Bei derartig unterschiedlichen Einflüssen stellt sich natürlich auch die Frage nach den Texten zu den Songs auf „Storm Seeker“. Das Album sei zwar nicht als Konzept-Album angelegt und auch die Songs selber hängen nicht miteinander zusammen, stattdessen konzentriert sich Simen Hestnaes auf alltägliche Themen, die ihn immer wieder beschäftigen: „Das Ganze ist natürlich in Metaphern verpackt und ein wenig verschleiert, was ich aber jetzt hier nicht genauer erklären oder aufschlüsseln will. Würde ich wollen, dass jeder sofort versteht, worum es in jedem Song geht, dann bräuchte ich schließlich auch keine Metaphern verwenden oder?“

Letztlich lässt ICS Vortex also nicht nur lyrisch gesehen einige Fragen bezüglich seines musikalischen Schaffens offen. Ob der derzeitige Tausendsassa alle Pläne verwirklicht  und sowohl mit ICS Vortex auf Tour geht als auch die anderen Projekte mit Mustis, Arcturus, Borknagar und Lamented Souls am Laufen hält, bleibt abzuwarten. An Motivation scheint es jedoch nicht zu mangeln.

www.myspace.com/icsvortex