Nur im Namen heidnisch
Ist der Black Metal noch eine Musikrichtung für eine vermeintliche Elite? Lange waren die dunklen Jünger stolz darauf, Teil einer Underground-Bewegung zu sein, die sogar in der Subkultur Heavy Metal eine Außenseiter-Rolle zu haben schien. Heute hat sich das Bild gewandelt. Bands wie Immortal, Dimmu Borgir oder Satyricon haben den Black Metal salonfähig gemacht. Doch es gibt sie noch, die alten Recken. RAGNAROK sind eine Band, die sich selbst zur 2. Welle zählen. Schlagzeuger Jontho hat sehr elitäre Vorstellungen davon, was sich Black Metal nennen darf und was nicht.
Interview: Dorian Gorr | Foto: Regain Records
Jontho, es ist sechs Jahre her, dass man zuletzt von euch hörte. Zwischenzeitlich hieß es sogar, dass ihr endgültig aus dem Rennen seid. Nun meldet ihr euch aber mit „Collectors Of The King“ eindrucksvoll zurück. Was war der Grund für die lange Pause?
Wir befanden uns im Jahr 2004 noch auf Tour, allerdings verlor unser damaliger Gitarrist Rym kurz darauf vollständig das Interesse am Black Metal und weitgehend auch an der Musik. Er verließ die Band, der Bassist Jerv folgte ihm. Für mich war das ein harter Schlag, da ich die Band mit beiden gegründet hatte. Schließlich beschlossen ich und Høst, der damals bei uns sang, nach einem Gespräch, dass er zuviel mit Taake um die Ohren hat und sich fortan nicht länger um Ragnarok kümmern kann. Also war ich auf einmal ganz alleine. Ich probierte mich bei ein paar anderen Bands und Projekten, Ragnarok legte ich vorerst auf Eis. Ich merkte aber zügig, dass mit etwas fehlte. Aber neue Mitglieder zu finden gestaltete sich als schwierig. Erst Brigge, unser jetziger Gitarrist, brachte wieder Leben in die Band. Mittlerweile spielen wir seit vier Jahren zusammen und er hat mir geholfen, ein komplettes Line-Up aufzustellen.
Wenn man, so wie deine beiden ehemaligen Mitstreiter, das Interesse am Black Metal verliert. Verliert man da auch den persönlichen Bezug zueinander oder kommt ihr nach wie vor gut miteinander aus?
Wir haben uns nicht richtig gestritten, reden aber heute auch nicht mehr miteinander. Ich machte ihnen unmissverständlich klar, dass es kein Zurück mehr gibt, wenn sie einmal die Band hinter sich lassen.
Was ist mit Høst? Er ist ja durch diverse Aktionen zum Prototypen der norwegischen Skandalnudel geworden.
Als er bei uns spielte, gab es nie irgendwelche Probleme und Skandale. Er startete diese Sachen erst bei Taake. Der bekannteste Vorfall ist selbstverständlich die Hakenkreuz-Geschichte in Essen. Uns hat das auch Probleme beschert, da uns niemand mehr buchen wollte, solange Høst bei uns singt. Das war allerdings kein Grund für die Trennung, auch wenn es mich ärgerte. Der Trennungsgrund war eher, dass die Bands auf dem Live-Sektor zu stark konkurrierten und Zeit benötigten. Ich bin aber nach wie vor mit ihm befreundet.
Als Freund von ihm: Was bewegt ihn zu diesen Aktionen? Weißt du das?
Nein, keine Ahnung. Beim Essen-Auftritt ging es ihm jedoch ausschließlich um blanke, dumme Provokation. Dass er keine politischen Absichten hat, kann ich definitiv bestätigen.
Euer neuer Sänger heißt HansFyrste und singt auch bei den Szeneneulingen Svarttjern. Wie kamt ihr in Kontakt?
Unser Gitarrist machte eine Ausbildung als Soundtechniker und lernte dort jemanden von Svarttjern kennen, der uns HansFyrste als Sänger empfahl. Obwohl er erst 22 Jahre alt ist, bewunderte ich seine Stimme und Hingabe für den Black Metal von Beginn an. Er war schon vorher Fan von Ragnarok, kannte also die Songs, was das Arbeiten sehr angenehm machte.
Wollen wir nur hoffen, dass nicht auch er sich für seine andere Band entscheidet, wie es bei Høst der Fall war…
Nein, darüber haben wir geredet. Ragnarok sind für ihn absolute Priorität, aber wir versuchen natürlich alles so zu arrangieren, dass es für Svartttjern keine Probleme gibt. Nur sobald es überschneidende Termine gibt, wird er sich für Ragnarok entscheiden müssen.
Du bist in diesem neuen Line-Up das einzige noch anwesende Gründungsmitglied. Welchen Einfluss hast du als Drummer da aufs Songwriting? Kann man Songs, die neue Musiker schreiben, guten Gewissens als Ragnarok-Songs verkaufen?
Ich steuere durchaus viele Ideen bei und segne alle Riffs und Ideen ab, aber schreibe natürlich nie die ganzen Songs. Das macht Brigge. Er kennt die Band aber schon lange und weiß, wie Ragnarok zu klingen haben. Mir war es dabei wichtig, dass wir Keyboards außen vor lassen und stattdessen mit hohem Tempo auf die Fresse hauen. Das ist meine Vision von Black Metal.
Früher gab es durchaus Keyboards auf Ragnarok-Alben…
Ja, aber die wurden nur zur Atmosphäre eingesetzt, nicht um die Melodien zu spielen. Ich finde es ohne aber besser.
Typischerweise besingt ihr den Satanismus. Wie ernst nimmst du dieses Thema?
Ich nehme den Satanismus sehr ernst und war schon vor meinem Eintritt in die Black-Metal-Welt Satanist. In meinen Augen muss Black Metal satanische Inhalte transportieren.
Was denkst du als Satanist über Bands wie Dark Funeral, bei denen es immer mehr wie ein Image wirkt.
Ich kenne Lord Ahriman persönlich und kann dir versichern, dass er den Satanismus sehr ernst nimmt. Er benutzt diese Themen nicht nur, um zu provozieren. Sie benutzen das Thema in den Lyrics sehr konkret, deswegen wirkt es so, als seien sie nicht sehr tiefgründig, das heißt aber nicht, dass es ihm nicht ernst damit ist.
Interessante Ansicht. Dann ohne Beispiel: Was hälst du von Bands, die den Satanismus aus Imagegründen verwenden?
Das kotzt mich natürlich ziemlich an. Wenn ich in einem christlichen Chor sein, muss ich auch Christ sein. Wenn ich Black Metal mache, muss ich satanische Inhalte verbreiten. Nicht um die Leute zu schocken oder zu provozieren, sondern weil es mir mit diesem Thema ernst ist. Das Corpsepaint mag stets wie ein Image wirken, für mich ist es allerdings das Abbild des inneren Dämons, den jeder von uns in sich trägt, auch wenn die meisten Leute zu viel Angst davor haben, ihn freizulassen.
Was ist mit einer Band wie Immortal, die sich der Natur verschrieben hat, dem Satanismus aber keinen Platz in ihrer Musik lässt. Spielt diese Band Black Metal?
Nein, sie mögen zwar eine ähnliche Musik machen, aber als Black-Metal-Band sehe ich sie nicht an.
Was ist mit heidnischen Themen? Ironischerweise kommt euer Bandname aus der Nordischen Mythologie. Heute sind solche Namen sehr populär.
Ja, ich mag diesen Trend nicht. Als wir anfingen, hatten wir noch vermehrt Texte, die von der Nordischen Mythologie beeinflusst waren. Unser damaliger Sänger befasste sich sehr mit dem Thema und war der Gegenpol zu mir als Satanisten. Also haben wir die Themenkomplexe damals miteinander vermischt und man klassifizierte und als Pagan Black Metal. Ich habe ab dem dritten Album aber dafür gesorgt, dass diese heidnischen Inhalte aus unseren Texten verschwanden. Heute sieht man das nur noch am Namen. Und den wollten wir nicht hergeben, da er einfach einen zu guten Stand in der Szene hat.
www.ragnarok.no







