Polarnacht mit Startschwierigkeiten
„Hier wird es auch ziemlich dunkel“ – IKUINEN KAAMOS über Finnland, Dunkelheit und Progressive Death Metal.
Text: Christoph Sperber | Foto: Ikuinen Kaamos
Wenn sich eine Band Ikuinen Kaamos (finnisch „endlose Polarnacht“) nennt, sagt das schon Einiges über die Musik, die sie so macht, aus. Irgendwo zwischen Melancholie und Düsteratmosphäre muss sie dann liegen. Und sie kommt natürlich auch aus Finnland, dem Land der 1000 Seen und langen Winternächte.
„Ich glaube, ohne die langen Winternächte wären die Finnen nicht so melancholisch. Sie wären weniger niedergeschlagen und müde“, erzählt Juhanni Mikkonen, Gitarrist der Progressive-Death-Metal-Band. Eine solche Band könnte wohl dem Grundprinzip nach auch aus südlicheren Gefilden kommen, würde dann aber letztlich doch „vielleicht irgendwie total anders klingen, ohne den musikalischen Hintergrund und den Einflüssen der Umwelt.“
Groß angekommen in der Metal-Welt scheinen Ikuinen Kaamos noch nicht zu sein, ihr bisheriger Weg war lang und voller Probleme. Angefangen hat es mit Black Metal und insgesamt vier Demos. Doch über die Jahre hinweg hat sich ihr Stil immer weiter entwickelt:
„Nach der letzten Demo wurde viel mehr in das Songwriting reingesteckt, die Songs wurden länger und facettenreicher. Außerdem geht es heute auch, wie auch immer die Message denn sein soll, mehr um die eigentliche Musik.“
Heute ist die Band bei den genretypischen Songlängen von über 10 Minuten angekommen. Etwas lakonisch äußert sich Juhanni dazu:
„Wir können einfach grundlegend keine kurzen Songs machen. Unsere Songs bestehen aus Gitarrenriffs, die einzelne Parts bilden, die auch gut mal so lang sein können, wie ein normaler Pop-Song. Aber die Songs einfach in mehrere einzelne Songs zu zerteilen, das würde nicht gehen.“
Stolpersteine hatte die Band einige überwinden müssen, um überhaupt einmal dort anzukommen, wo sie heute ist.
„Wir haben noch keine Konzerte gespielt. In den letzten Jahren hatten wir Probleme, ein stabiles Line-up aufzubauen, aber so wie es aussieht, liegen diese Probleme nun hinter uns. Momentan planen wir ein Live-Set, doch Touren und dergleichen sind in naher Zukunft noch nicht geplant, da wir wohl erst einmal mit einem lokalen Happening beginnen werden. Vielleicht kommt auch erstmal ein neues Album.“
Auch was die Alben angeht, sah es in den letzten Jahren nicht besser aus: „Nach dem Album „The Forlorn“ suchten wir nach neuen Musikern und schrieben langsam Songs und nahmen diese auf. 2008 sollte dann eine LP erscheinen, doch dazu kam es nie, da unser damaliges Label bankrott ging. Zu alledem mussten wir auch einen neuen Drummer suchen, da unser alter Drummer Niko wegzog. Jetzt haben wir endlich ein funktionierendes Line-Up und ein neues Label.“
Zu viele Opeth-Vergleiche
Von der Homepage der Band kann man die EP, die damals anstatt der LP erschien, gratis herunterladen. Beim Hören dieser EP oder der aktuellen LP „Fall Of Icons“ wird wohl bisher so manch einem der Vergleich mit der schwedischen Überfliegerband Opeth gekommen sein. Oder kommt das nur unkreativen Musikredakteuren in den Kopf? Grund genug, Juhanni auch damit einmal zu konfrontieren:
„Es ist heutzutage sehr schwer, einzigartig und besonders zu klingen. Verschiedene Arten von Einflüssen können aus unseren Songs herausgehört werden, aber nicht nur Opeth. Letztlich wollen wir aber niemanden gezielt kopieren, sondern nur Musik machen, die uns gefällt und in die wir unsere Herzen und Gedanken voll und ganz stecken können. Es scheint mir auch irgendwie so, als würde bei einem gewissen Bereich von Musik heutzutage der Name Opeth sofort aufkommen, in unserem Fall sowieso. Wenn das mit einem guten Grund gemacht wird, ist das natürlich berechtigt. Aber in fast jedem unserer Reviews kam der Name immer wieder und wieder auf. Es scheint fast so, als würden manche Musikjournalisten nur von anderen Reviews abschauen, anstatt der Musik selbst Aufmerksamkeit zu schenken [Wer hier abschaut, sollte also doch bitte die Opeth-Parts mal draußen lassen! – Anm. d. Verfassers]. Es wurde ja schon ein bisschen erwartet, dass er in den Reviews zu unserem neuen Album mal auftaucht, doch das war teilweise echt zu viel des Guten.







