Eine Reise ohne Wiederkehr
Ein Jahr nach dem umstrittenen, einen Stilbruch andeutenden „Revelations Of The Black Flame“ legen 1349 nach. „Demonoir“ heißt das neue Album, das zwar wieder richtige Songs präsentiert, aber dennoch keinen Schritt zurück markiert. Sänger Ravn spricht von einer endlosen Reise.
Text: Dorian Gorr | Fotos: Indie Recordings
Ravn, nach „Hellfire“ hörte man vier lange Jahre nichts von euch. Nun legt ihr in zwei Jahren zwei Alben vor. Ist bei euch die Kreativität explodiert?
Ja, wir hatten sehr viele Ideen, die in unseren Köpfen umhertobten. Nach der langen Pause, die wir nach „Hellfire“ hatten, waren wir erst wieder richtig warm geworden. Wir waren voll im Songwriting-Prozess, also haben wir direkt weitergearbeitet. Dadurch ist viel Material entstanden. Wenn man als kreativer Geist so lange abstinent war, dann explodiert die Kreativität tatsächlich, wenn man einmal wieder anfängt und all die Sachen, die sich in den Köpfen gesammelt haben, zusammenträgt.
Gibt es denn konkrete Songideen, die ihr noch aus den Sessions des Vorgängeralbums „Revelations Of The Black Flame“ übernommen habt?
Nein, das haben wir nicht. Die Songs müssen ja gemeinsam ein stimmiges Album ergeben. Und diese Stile hätte man nicht miteinander verbinden können.
Da stimme ich zu. „Revelations Of The Black Flame“ überraschte und schockierte gleichermaßen dadurch, dass ihr euch von einem klassischen Songformat und dem vormals vorherrschenden Highspeed-Black-Metal löstet, um eine düstere, atmosphärische Klangcollage zu erschaffen, die nicht nur mir zu abgedreht war. Jetzt stellt ihr wieder stärker den Song in den Mittelpunkt des Geschehens. War das ein bewusster Schritt oder eine ungeplante Entwicklung?
Von beiden Dingen ein bisschen. „Revelations Of The Black Flame“ ist in meinen Augen ein ganz besonderes Album – in vielerlei Hinsicht. Es ist ein Album, das unglaublich dunkel ist. Es zwingt den Hörer nahezu, mit ihm umgehen lernen zu müssen. Es war für uns ein Statement, das wir der Szene und der Welt entgegenzusetzen hatten. Wir wollten die Definition des Black Metals erschüttern. Unser Hauptziel bei 1349 ist es, uns weiterzuentwickeln. Jedes Album muss ganz anders sein. Nach dem radikalen Schnitt, den wir mit „Revelations Of The Black Flame“ gezogen haben, suchten wir nach dem nächsten Level. Also entschieden wir uns abermals dafür, genau das Gegenteil zu tun, aber auch nicht zum reinen Highspeed-Black-Metal zurückzukehren. Für uns ist dieser gesamte Weg wie eine einzige große Reise, auf der man nie zum vorherigen Ort zurückkehren möchte. Wir wollen die normalen Strukturen, wie ein Album oder ein Song definiert ist, aufbrechen. Black Metal bedeutet Atmosphäre. Es geht nur um Atmosphäre, die durch Songs hervorgerufen wird. „Revelations Of The Black Flame“ war der logische Schritt, den wir vor „Demonoir“ gehen mussten. Die Inspiration für „Demonoir“ kam direkt aus dem Vorgängeralbum. Und nachdem dieses Album nun draußen ist, heißt es abermals für uns: Wohin geht die Reise als nächstes. Ich kann guten Gewissens behaupten, dass „Demonoir“ das vielfältigste Album ist, das wir je aufgenommen haben. Es ist dunkel, schnell, atmosphärisch, aber auch sehr brutal. Wir gingen diesmal zurück, um dann vorwärts zu kommen. Ich habe keine Ahnung, wohin wir als nächstes reisen.
Nach „Revelations Of The Black Flame“ war bei vielen Fans, die von euch erwarten, typischen Black Metal zu machen, die Enttäuschung groß. Interessieren euch die Beschwerden?
Nein. Als Musiker ist es immer so, dass ein Teil der Leute deine Sachen gut findet und der andere Teil sie nicht ausstehen kann. Darauf darf man nix geben. Black Metal ist eine Musikrichtung, die man für sich selbst macht. Darum geht es beim Black Metal: Um das Individuum. Und unterm Strich gibt es mehr Leute, die unsere stetige Weiterentwicklung gutheißen. Ich habe von vielen Leuten gehört, dass das neue Album das beste unserer Karriere ist. Leider ist der Black Metal eine sehr konservative Musikrichtung. Wenn es nicht nach Darkthrone aus den frühen Neunzigern klingt, ist es für einige Hörer kein wirklicher Black Metal mehr. Falscher kann man gar nicht liegen. Die Hauptaussage lautet: Rebellion. Es geht nicht um musikalische Gesetze. Wir haben diese Kunstform gewählt, weil wir sie formen können, um eine eigene Atmosphäre zu kreieren. Stereotype wollen wir dabei möglichst vermeiden.
Welchen Sinn haben die „Tunnel“-Stücke, die die Songs verbinden?
Wie du schon sagst: Diese Stücke verbinden alle offensichtlicheren Songs. Sie sollen wie Tunnel funktionieren. Man reist durch sie von Song zu Song. Die Idee dahinter kommt aus der Kabbala-Religion, in der es einen Baum des Lebens und einen Baum des Todes gibt. Letzterer repräsentiert die dunkle Seite. Und um diese zu erreichen, muss man laut diesem Kult den „Tunnel Of Set“ erreichen. Das wollten wir auf „Demonoir“ einbinden. Unser Reiseziel ist die dunkle Seite. Die Idee stammt übrigens von Frost.
Apropos Frost: Zu Beginn von 1349 sprachen nicht wenige Metalheads von euch als ein Nebenprojekt von Frost. Als wie störend hast du das empfunden?
Eigentlich gar nicht. Ich habe da nie so drüber nachgedacht und es auch nie so empfunden. Natürlich ist er eine lebende Legende in der Szene, aber die Band steht vor ihm. Er wollte uns beitreten. Da gab es die Band längst. Er genießt es, mit uns zusammenzuarbeiten, da unsere Arbeitsweise ganz anders ist, als die bei Satyricon. Unterm Strich ist die Band sehr viel wichtiger und größer als jedes einzelne Mitglied in ihr. Sie hat ihr eigenes Leben, eine eigene Seele. Die Band ist ein eigener Dämon. Dabei ist egal, wer gerade in der Band spielt. Die Band ist eine Kraft an sich. Wir alle dienen nur dem Dämon, der 1349 heißt.








