Interview: Axel Rudi Pell
Rückkehr der Riff-Ritter
Das Ruhrpott-Urgestein mit der Föhn-Matte ist zurück: AXEL RUDI PELL, Saitenhexer und Komponist auf einer schier endlosen Zahl an Alben, legt mit „The Crest“ ein Album nach, von dem er bereits im Vorfeld wusste, dass es ein Geniestreich werden wird.
Interview: Jenny Bombeck | Fotos: SPV
Hallo Axel. Ende April hast du dein neues Album „The Crest“ veröffentlicht. Wie waren bisher die Reaktionen auf das neue Werk?
Ich bin auf jeden Fall sehr zufrieden, denn das Feedback zu der neuen Platte war allgemein sehr überschwänglich. Ich habe bisher niemanden getroffen, der meinte, dass das Album nicht gelungen sei. Zudem waren auch die Kritiken in der Presse alle positiv gestimmt. Ich war sehr überrascht darüber. Obwohl, wenn ich ehrlich bin, war ich gar nicht so dermaßen überrascht, denn ich hatte schon vorher angekündigt, dass „The Crest“ eines meiner Meisterstücke werden wird.
Es ist ja schon sehr ehrgeizig und auch mutig, dies im Vorfeld groß anzukündigen…
Das stimmt schon. Als ich die Stücke bereits im letzten Jahr angefangen habe zu komponieren, habe ich gefühlt, dass sie legendär werden. Ich habe dann im Sommer meine Plattenfirma angerufen und den Leuten erzählt, dass ich schon einige Songs fertig habe und in mir etwas Besonderes sprudelt, das einfach raus muss.
Wie würdest du denn das neue Album mit deinen eigenen Worten beschreiben?
Grandios. Was soll ich dazu anderes sagen? (lacht – jb) Ich glaube, dass wir den Axel-Rudi-Pell-typischen Stil wiedergefunden haben. Den Stil, den wir vielleicht zwischenzeitlich ein wenig verloren hatten. Wir haben das gewissen Quäntchen, das den Vorgängeralben fehlte, zurück. Auch die Kompositionen erscheinen mir ein wenig ausgereifter und gehen wieder in die Richtung, aus der ich ursprünglich gekommen bin.
Man kann in vielen Rezensionen auch gerade diese Aussagen lesen. Stimmst du der Behauptung zu, dass „The Crest“ sich wieder auf deine musikalischen Wurzeln fokussiert?
Das ist korrekt. Aber nur wenn „back to the roots“ nicht heißen soll, dass ich wirklich zu dem Anfang meiner Karriere zurückgehe. Ich gehe eher zurück in die Richtung der ersten beiden Album, auf denen Johnny bereits gesungen hat.
Ist es generell so, dass du alle Fäden in der Hand hast oder haben die anderen Musiker auch ein Mitspracherecht?
Es ist so, dass ich monatelang Ideen auf meinem Aufnahmegerät sammele. Ich klimpere ein wenig herum und nehme die einzelnen Riffideen auf. Ich arbeite diese Ideen aber nicht direkt aus. Erst einmal wird nur gesammelt und ein paar Monate bevor ich ins Studio gehe, höre ich mir all die Ideen noch einmal an, picke einzelne Sachen heraus und schreibe dann die Songs komplett fertig. Ich schreibe grundsätzlich alle Melodien. Eigentlich mache ich alles bis auf den Drum-Rhythmus. Wenn dann die Demos fertig sind, geht es ab ins Studio und dann kommen die anderen Musiker dran. Dann kommt zum Beispiel Mike ins Studio und ich erkläre ihm den Rhythmus und den Groove, den ich mir vorstelle und so kommt schließlich eins zum anderen. Mit Johnny, der in Amerika wohnt, habe ich alles über Skype gemacht. Er hat vorher meine Demos bekommen und wenn wir dann alles miteinander besprochen haben, hat er mir bereits in der Nacht eine MP3 mit seinem Gesang auf den Server geladen.
Gibt es auf dem neuen Album textlich gesehen einen roten Faden?
Den gibt es teilweise. Es wird die Rittergeschichte, die 1998 auf „Oceans Of Time“ begonnen hat, teilweise weitergeführt. Es befasst sich aber nicht jeder Text mit dieser Thematik. „Glory Nights“ zum Beispiel wurde für meine Frau geschrieben.
Du knackst auf dem Album oft die Sechs-Minuten-Marke. Ist es für dich schwieriger, längere Stücke zu schreiben und hast du in diesen Fällen eine andere Herangehensweise?
Ich schreibe generell lange Songs genau so gerne wie kürzere. Ich bemerke schon meist beim Komponieren, wenn ein Riff das Potenzial hat, ausgedehnt zu werden. So wie bei „Dreaming Dead“ auf dem neuen Album. Der Riff schreit geradezu danach, nicht auf nur drei Minuten beschränkt zu werden. Der Song ist mehr als ein Werk ausgelegt.
Was manche Fans deiner Musik auch interessiert ist, ob sich die einzelnen Mitglieder von Axel Rudi Pell als zusammengehörige Band fühlen?
Man kann das von beiden Seiten beleuchten. Es ist schon so, dass ich die musikalische Marschrichtung vorgebe und auch wenn es sich etwas böse anhört, sind die anderen nur angeheuerte Nebenmusiker. Aber man muss auch sagen, dass wir mittlerweile jahrelang in dieser Konstellation zusammenarbeiten und uns als Band fühlen. Nichtsdestotrotz werde ich als Chef akzeptiert. Es funktioniert auch gerade deswegen so gut, weil wir uns nicht jede Woche sehen und zusammen proben. Da könnte der Schuss eher mal nach hinten losgehen. Die Kreativität und Freundschaft bleibt so erhalten. Nach wie vor freuen wir uns auf jede Tour und jede gemeinsame Minute, die wir miteinander verbringen können.
In der Metalszene gilt dein Drummer Mike Terrana als ein sehr eigener Charakter, der nicht immer einfach im Umgang sein soll. Kannst du diese Behauptung bestätigen?
Mike ist ein supernetter und lustiger Typ. Ich verstehe gar nicht, warum diese Gerüchte umhergehen. Ich kann mir die ursprüngliche Quelle schon vorstellen, aber ich kann nur sagen, dass die Zusammenarbeit mit ihm großartig ist. Er ist sehr locker. Das Einzige, das zu kritisieren wäre, ist dass er manchmal recht chaotisch sein kann und nicht immer up-to-date ist, was Zeitpläne angeht. Das ist aber auch wirklich das Einzige. Auf Tour macht er immer nur Faxen, wir lachen uns immer alle schlapp, wenn wir in unserem Tourbus sind.
Wie sieht für euch der Festivalsommer aus?
Wir haben diesen Sommer leider nur einen Auftritt in Tschechien. Dort versucht Mike auch seinen Eintrag ins Guiness-Buch, da er vier Mal hintereinander auftreten wird. Erst 2011 werden wir alles abgrasen, was Festivals angeht. Wir waren bereits letztes Jahr schon fleißig unterwegs und wir können auch nicht jedes Jahr überall spielen. Man muss ja interessant bleiben.


